Jan Beinssen – Bärentod (Buch)

Das Eisbärendrama von Nürnberg

Bärentod
© ars vivendi

Am 29. März des Jahres 2000 verlassen vier ausgewachsene Eisbären im Nürnberger Tiergarten ihr Gehege, nachdem dessen Sicherheitsschloss mit Gewalt geöffnet wurde. Hilferufe ereilen das Personal, doch es gelingt nicht, mit Betäubungspfeilen die Tiere zu stoppen. Ein Eisbär nähert sich sogar gefährlich nahe der „Waldschänke“, wo der reiche Immobilienmogul Dr. Markus Eberlein mit hundert Gästen seinen 60. Geburtstag feiert. Wenig später werden die Eisbären erschossen, ein mediales Großereignis, gefolgt von Protesten empörter Tierschützer.

Kurz darauf wird Hauptkommissar Konrad Keller, der bei den Ereignissen im Zoo vor Ort war, zu einer Großbaustelle gerufen, wo es einen tödlichen Unfall gab. Ein Lastenaufzug rauschte von einem Hallendach aus rund dreißig Metern ungebremst in die Tiefe. Offensichtlich wurde auch dieser manipuliert, so dass die Sicherungssysteme nicht griffen. Die einzige Person in der Kabine starb umgehend: Dr. Eberlein.

Keller und seine Kollegin, Oberkommissarin Tabea Marusic, nehmen die Ermittlungen zu dem Unfalltod auf, während eine Sonderkommission „Eisbären“ in Hinweisen aus der Bevölkerung zu ertrinken droht. Waren radikale Tierschützer für die Freilassung der Eisbären verantwortlich? Hatte der Anführer der Initiative „Free Zoo Animals“ womöglich seine Hand im Spiel, denn deren Vereinssitz befindet sich in einem alten Haus, welches von Eberlein aufgekauft wurde und in nächster Zeit hätte saniert werden sollen. Auch weitere heruntergekommene Immobilien sollten luxussaniert werden. Eberleins Witwe Mareile hatte ebenfalls ein starkes Motiv, da ihr nun eine Lebensversicherung über zwei Millionen Euro winkt.

Wahrer Fall trifft kriminelle Fiktion

Das Drama im Nürnberger Zoo gab es tatsächlich und ist der Aufhänger für den aktuellen Roman von Jan Beinssen, dessen Paul-Flemming-Reihe bereits fünfzehn Titel umfasst. Aufbauend auf diesem realen Fall basiert im Folgenden ein fiktionaler Krimiplot rund um den verunglückten Immobilienkönig, dessen Mittel nicht gänzlich unumstritten sind. Neben dem Tierdrama und der damit zwangsläufig verbundenen Frage über Sinn und Zweck der Zootierhaltung von Großwildtieren, gibt es den Übergang zu einem heute ebenfalls sehr aktuellen Thema, dem der Gentrifizierung. Sprich, dem Aufwerten eines Stadtteiles durch aufwendige Sanierungen bei gleichzeitiger Verdrängung der vorhandenen Anwohner, die sich die Folgekosten schlicht nicht leisten können.

„Bärentod“ bietet darüber hinaus einen ansprechenden Krimiplot, der einige Wendungen erfährt, insbesondere in der Ermittlungsarbeit von Keller und Marusic. Mitunter etwas laienhaft agieren die beiden Protagonisten, deren Privatleben ebenfalls Erwähnung findet, allerdings im wohldosierten Umfang. Nun gut, bei rund zweihundert Seiten Buchumfang kann man nicht alles haben. Schön, dass es in erster Linie um die merkwürdigen Fälle geht, zu denen noch ein dritter Todesfall hinzukommt, an dem Marusic nicht unbeteiligt ist. Es stellt sich die Frage, ob und wie die Vorkommnisse zusammenhängen und natürlich nach dem oder den Tätern. Aufgrund des überschaubaren Buchumfangs lässt sich „Bärentod“ problemlos an einem Tag bewältigen und ist – beispielsweise – geeignete Lektüre für eine längere Zugfahrt.

  • Autor: Jan Beinssen
  • Titel: Bärentod
  • Verlag: ars vivendi
  • Umfang: 207 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: September 2021
  • ISBN: 978-3-7472-0306-4
  • Produktseite  


Wertung: 11/15 dpt


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