Die Klangdepesche: Ales empfiehlt 5 Alben.
(Hinweis: Dies ist eine flotte Alternative zu meinen eher langatmigen Alben-Revues.
Dabei gilt es, “quick & dirty” einige Gedanken zu den besagten Alben zu Papier zu bringen und somit eine spontane Empfehlungsliste für jeweils 5 Alben zu kreiern.
Keine Doktorarbeit!)
 
 
Sufjan Stevens & Angelo De Augustine: “A Beginner’s Mind” (2021)
Zwei Künstler channeln Simon & Garfunkel? Sicherlich. Aber es war auch an der Zeit, sich an dieser Art vokaler Harmonisierung ernsthaft zu versuchen. Doch dieses Album bringt seine eigene Tiefe. Es hat Elektrizität, die unter der Haut prickelt, während die Musik sich den Weg durch den Gehörgang bahnt. “A Beginner’s Mind” ist ein Konzeptalbum, inspiriert von großen Hollywood-Kultfilmen. Und das gibt der Platte einen faszinierenden, subversiven Unterton. Denn was häufig als eine charmante Folk-Ballade daherkommt, entpuppt sich zügig als eine melancholische Meditation über die grellen Lichter der Großstadt. Über die Conditio humana. Über Kontrollverlust. Über Schatten der Nacht… Und natürlich Tod und Liebe. Gingen sie jemals nicht Hand in Hand?
 
Genre: Folkrock, Psychedelic Rock, Country-Rock
Track zum Einstieg: “Back To Oz
 
Terry Callier: “What Color Is Love” (1973)
Terry Calliers makellose Stimme ist beseelt von überirdischer Schönheit. Sie bewegt sich mühelos zwischen jazziger Launenhaftigkeit und soulhaftem Drama. Seine Musikstücke eröffnen gerne mit der sanften Melancholie einer sentimentaler Ballade und wiegen damit die Zuhörer in eine verfrühte Sicherheit. Denn schon bald eskaliert die Musik in ein leidenschaftliches Feuerwerk aus Jazz-Funk und Soul. Wer schon immer mal mit einem Whiskey-Glas in der Hand an einem Balkongeländer stehen wollte, lakonisch auf die nächtliche Großstadt blickend, hat hierzu den ultimativen Soundtrack gefunden. Dieses Album ist ein Meisterwerk.
 
Genre: Soul, Folk, Jazz, Funk
Track zum Einstieg: “Dancing Girl
 
 
Hizuru: “飛鶴” (2017)
Das Brainchild von Ryota Nozaki, der in den groovigen Zeiten des Future Jazz und des Downtempo der Mann hinter dem Namen “Jazztronik” war. Mit Hizuru begibt sich Nozaki in eine neuartige muskalische Dimension. In diesem Projekt begegnen sich zehn Musiker, zur Hälfte aus der Welt des Jazz und die andere Hälfte aus den Sphären der japanischen Traditionsmusik. Diese tonale Hochzeit gelingt großartig und wir werden in eine faszinierende Welt hineingezogen, in der altmodische Instrumente wie das Schamisen, das Koto und die charakteristische Schakuhatschi-Flöte geschmeidig mit dem musikalischen Vokabular des Jazz verschmelzen. Es entsteht ein exotischer, geradezu cineastischer Sound, der mal mysteriös, mal instensiv, doch stets grazil daherkommt.
 
Genre: Jazz-Fusion, Japanese Folk
Track zum Einstieg: “Ginshu
 
Selda Baǧcan: “Selda” (1976)
Dieses Album ist ein Meilenstein. Aufgenommen mit der legendären Anadolu-Band Moğollar tanzt diese Musik zwischen schweißtreibenden Psychedelic Rock, türkischer Volksmusik und balkanischen Rhythmen. Nach dem Militärputsch von 1980 ins Gefängnis gesperrt, gilt Selda Baǧcan heute als eine Ikone des türkischen Freiheitsdrangs, doch es war gerade ihr 1976 veröffentlichtes Album “Selda”, das sie nicht nur populär machte, sondern ebenso ein unmissverständliches musikalisches Statement einer Frau war, die nicht bereit war, sich wie ein singendes Pop-Püppchen behandeln zu lassen. So erleben wir hier verzerrte psychedelische Gitarrensounds, gepaart mit türkischen Saz-Riffs und Seldas leidenschaftliche Stimme. Cooles Album, geiler Sound. Anatolian Rock pur.
 
Genre: Anadolu Rock, Folk Rock, Psychedelic Rock
Track zum Einstieg: “Mehmet Emmi“, “Ince Ince”
 
Maston with L’Eclair: “Souvenir EP” (2021)
Frank Mastons EP, aufgenommen im niederländischen Haarlem zusammen mit der hervorragenden Genfer Band L’Eclair ist eine extrem charmante Angelegenheit. Sanft, geradezu zart beginnt das Mini-Album mit den sinnlichsten Vibraphon-Klängen, die vorstellbar sind. Diese Musik möchte, dass du dich wohlfühlst. Doch es ist kein Muzak. Der Sound besticht mit hervorragenden Akkordfolgen und einem abenteuerlustigen Sinn für Drama und Aufbruch. Es ist beinahe, als wärest du in deinem eigenen Geheimagentenfilm gefangen. Keinem Actionkracher. Mehr einem melancholischen Film Noir. Die Musik hat genau das richtige Maß an Latin und Jazz, um deine Augen zu Filmprojektoren zu machen. Großartiger Wurf!
 
Genre: Jazz-Funk, Soul, Downtempo
Track zum Einstieg: “Les Monstres”, “Collonge Café”
 

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