Beate Maxian – Die Tote im Kaffeehaus (Buch)


Beate Maxian – Die Tote im Kaffeehaus (Buch)

Familientradition mit reichlich Schatten

Die Tote im Kaffeehaus
© Goldmann

Marianne Böhm, achtzig Jahre alt, leitet als strenge Patriarchin die Geschicke des Café Böhm in dritter Generation. Längst hätte sie die Geschäfte an ihren Sohn Clemens übergeben sollen, doch dies lässt weiter auf sich warten. So ist es nicht verwunderlich, dass Clemens und dessen Frau Michaela insgeheim darauf hoffen, dass die ihnen verhasste Firmenchefin endlich abdankt. In Kürze steht ein großer Ball in der Welt der Wiener Kaffeehausgesellschaften an und der „Wiener Bote“ möchte die darauffolgende Wochenendbeilage für ein Kaffee-Special nutzen. Chefredakteurin Sarah Pauli trifft sich zu diesem Zweck mit Frau Böhm und wundert sich, dass diese ausgerechnet das Café Hawelka, den großen Konkurrenten, als Treffpunkt vorgeschlagen hat.

Sarah, die für den Wiener Boten eine Rubrik über Aberglauben schreibt, wird von Böhm während des Interviews gefragt, was sie über das Pfeilsymbol wisse? Damit habe alles angefangen, danach kamen eine Schlange, ein Messer und ein Grab. Während Sarah noch darüber sinniert, was die alte Dame meinen könnte, bricht diese am Tisch plötzlich zusammen. Auf dem Weg ins Krankenhaus verstirbt Böhm und da der handelnde Notarzt Markus, der beste Freund von Sarahs Bruder Chris war, erfährt sie von diesem, dass die Böhm an einer Überdosis Kalzium starb. Doch wenngleich die Verstorbene an einer Herzinsuffizienz litt, wie konnte es zu der Überdosis an Kalzium kommen?

Falsche Einnahme von bestimmten Medikamenten wie etwa ACE-Hemmern. Das sind gefäßerweiternde Arzneimittel, die man bei Bluthochdruck oder, wie in Frau Böhms Fall, bei einer chronischen Herzinsuffizienz verschreibt. Allerdings hätte die Gute dafür mindestens acht Tabletten zu viel schlucken müssen. Auf einmal.“
„Das klingt sehr unwahrscheinlich. Es sei denn, sie hätte vorgehabt, auf diese Weise Selbstmord zu begehen.“
„Oder es war Mord.

Der plötzliche Tod der quasi vor ihren Augen verstorbenen Frau geht Sarah nahe und natürlich ist die Neugierde der Journalistin geweckt. So befragt sie Angehörige, Café-Beschäftigte und Bekannte der Böhm und blickt zunehmend in einen düsteren Abgrund. Nicht nur, dass Clemens und Michaela auf die lang ersehnte Firmenübernahme hofften, auch der längst pensionierte Medizinalrat Georg Sedlacek, der als Stammgast das Café täglich aufsucht und die Chefin bis dato mit Medikamenten und Nahrungsersatzmitteln versorgte, macht sich verdächtig. Auch der Buchautor und Kaffee-Sommelier Linus Oberhuber, den die Böhm sogar adoptieren wollte, gerät in den Blickpunkt. Ach wüsste Sarah doch nur, wen die Böhm in ihrem Testament bedacht hat und was die seltsamen Symbole bedeuten? Schon gibt es das nächste Todesopfer.

Kaffeehaustradition, Journalismus und ein bisschen wenig Wien

Die Tradition der Kaffeehäuser gehört zu Wien wie der Stephansdom und so ist das thematische Setting des bereits elften Romans der Sarah-Pauli-Reihe durchaus gelungen. Es gibt ausführliche Einblicke in die Wiener Kaffeehauswelt, deren Tradition sowie aktuelle Aspekte der großen Welt des schwarzen Goldes. Ist normaler Kaffee noch zeitgemäß oder sollte es unbedingt Biokaffee sein? Eine gegenwärtig viel diskutierte Frage, zu der auch Marianne Böhm ihre ganz eigene Ansicht hatte. Intensiv wird im besten Stile eines Cosy (auch Cozy geschrieben) erzählt Beate Maxian ihre Geschichte, in der vor allem der Familienfrieden äußerst fragil, sofern überhaupt vorhanden ist. Zudem gibt es das Problem mit der vermeintlichen Adoption und Ärger mit einem renitenten Ehepaar, welches seit geraumer Zeit mit der Familie Böhm im Streit liegt.

Warum hat sich Clemens mit einem Makler getroffen? Seine Mutter war doch gegen einen Verkauf. Und warum zum Teufel geht der Makler davon aus, bald den unterschriebenen Auftrag zu bekommen?“
„Zu deiner ersten Frage: Weil er wusste, dass er bald keinen Widerstand mehr zu erwarten hatte.

Da Sarah zudem Chefredakteurin des „Wiener Boten“ ist, ihr Lebengefährte David ist dessen Herausgeber, gibt es Einblicke in die Welt des Journalismus, welche nicht selten von Hektik geprägt ist. Zudem spielen zahlreiche Nebenfiguren erneut mit, angefangen von den Kolleginnen und Kollegen in der Redaktion bis zum familiären Umfeld von Sarah, welches aus ihrem Bruder Chris und dessen Partnerin Gabi besteht, die wiederum Sarahs beste Freundin ist und als Sekretärin für David arbeitet. Nicht zu vergessen, der Chef der Wiener Mordkommission Martin Stein, der nicht zum ersten Mal mit Sarah zusammenarbeitet und nach rund zweihundert Seiten erstmals persönlich in Erscheinung tritt. 

Im Verlauf der Handlung werden diverse Risse, nicht nur in der Familie Böhm, sichtbar und die Recherchen für Sarah selbst gefährlich. Da die Verstorbene ihren Tag jeweils mit einer Runde Kaffeesatzlesen verbrachte und Sarah eine Expertin für Aberglaube ist, gibt es zudem einige Lektionen über Bildsymoble und ähnliches. Wer vor derlei „Hexenwerk“ nicht zurückschreckt und womöglich ein Faible für Wien hat darf gern zugreifen. Apropos Wien: So anregend in die Welt der Kaffeehäuser eingeführt wird, so bleibt die Stadt Wien selbst doch ein wenig arg im Hintergrund versteckt. Irritierend ist ebenfalls, dass – von einigen „eh“ und „baba“ et cetera abgesehen – alle Figuren ausschließlich hochdeutsch sprechen. Zumindest der alte Stammtischler Sedlacek hätte doch – in einem „Wien-Krimi“ (!) – den typischen Dialekt sprechen dürfen. Dies hätte der Atmosphäre gut zu Gesicht gestanden. Der Krimiplot selbst bleibt seinem Genre, dem Cosy, konsequent bis zum Ende treu, bietet dementsprechend wenig Action, dafür sympathische Nebenfiguren im Umfeld rund um Sarah sowie einige Verdächtige. Da diese allerdings im Verlauf der Handlung letal dezimiert werden, fällt die Auflösung nicht ganz so überraschend aus.  

  • Autorin: Beate Maxian
  • Titel: Die Tote im Kaffeehaus
  • Verlag: Goldmann
  • Umfang: 413 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: April 2021
  • ISBN: 978-3-442-49016-5
  • Produktinformation


Wertung: 11/15 dpt

 


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