Henrik Siebold – Inspektor Takeda und die Toten von Altona (Buch)

Auftakt der Inspektor-Takeda-Reihe

Inspektor Takeda und die Toten von Altona
© atb

Kenjiro Takeda arbeitet für die Mordkommission in Tokio und reist im Rahmen eines Austauschprogramms für zwei Jahre nach Hamburg, wo er an der Seite von Hauptkommissarin Claudia Harms ermitteln soll. Während Harms zunächst vermutet, dass ihr Chef sie lediglich als Babysitter für den Neuen einsetzen will, da sie als einzige Frau der Mordkommission dafür vermeintlich am besten geeignet erscheint, ergibt sich gleich die Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen. Ein schon leicht verfallen wirkendes Haus in Altona soll einem Neubau weichen, doch die Inhaber des dortigen Buchladens, Hella und Manfred Haubach, weigerten sich aufzugeben. Jetzt sind beide tot, erschossen im eigenen Schlafzimmer. Einiges spricht für einen gemeinsamen Suizid, aber Takeda erkennt, dass es sich um einen Mord handeln muss, was später von der Rechtsmedizin bestätigt wird.

Der Lärm ist eine Platte von Ornette Coleman, ein amerikanischer Saxophonist. Ich bin ein großer Bewunderer, um nicht zu sagen, ein Fan. Aber ich gebe auch zu, dass seine Musik hervorragend dazu geeignet ist, Schüsse zu übertönen…

Bei der Befragung einiger Anwohner stellt sich mehr und mehr heraus, dass die Dinge nicht so sind, wie es demnächst den Anschein hat. Insbesondere mit Baris Yelek, dem Sohn des Gemüsehändlers auf der gegenüberliegenden Straßenseite, lag Hella Haubach im Dauerclinch. Es stellt sich heraus, dass die einstige Linke sich in letzter Zeit dem rechten Spektrum bedrohlich annäherte, was unter anderem an dem Machogehabe und dem Verhalten von Baris gegenüber seiner Schwester lag. Dieser wird auch prompt der Tat beschuldigt, denn für Günther Debacher muss es der Türke ganz einfach gewesen sein. Debacher, dessen Bettengeschäft schon lange kaum mehr Gewinn abwirft, sieht die Schuld hieran an den vielen Ausländern, die den Stadtteil nach unten gezogen haben. Das Zusammenwirken dieser drei Parteien – den Ehepaaren Haubach, und Debacher sowie der Familie Yelek – stellt sich als äußerst toxisch heraus. Doch dann bekommt Harms einen vielversprechenden Hinweis auf den gesuchten Mörder, allerdings von gänzlich unerwarteter Seite.

Interessantes Aufeinandertreffen der Kulturen

„Inspektor Takeda und die Toten von Altona“ ist der Start der Inspektor-Takeda-Reihe, die sich seitdem großer Beliebtheit erfreut. In Kürze, genauer im Juli 2022, erscheint bereits der sechste Band. Henrik Siebold, der Japan sehr gut kennt, trumpft immer dann besonders auf, wenn er auf die Unterschiede der deutschen und der japanischen Lebens- und Denkweisen eingeht und diese gegenüberstellt. Wer sich für Asien allgemein oder für Japan im Besonderen interessiert, findet hier gutes und informatives Lesefutter. Dass dabei die Vorlieben Takedas wie Jazz und guter Whisky sowie dessen Vergangenheit einen größeren Raum einnehmen, dürfte dem Fakt geschuldet sein, dass es eben der Einstieg in die neue Serie ist und man deshalb gerne mehr über den Protagonisten erfahren möchte.

Der Krimiplot selbst spielt mit einigen bekannten Schablonen. Hier die einst linke Verfechterin einer besseren Welt insbesondere mit mehr Rechten für Frauen, dort der junge Türke, der sich gegenüber seinen Kumpels beweisen möchte und nicht zuletzt der ausländerfeindliche Rechtsausleger, der den Wutbürger gibt. Wenn diese unterschiedlichen Denk- und Lebenswelten aufeinanderprallen, sind die sattsam bekannten Parolen nicht weit weg. Die Charaktere der Haubachs, des geifernden Debacher und der türkischen Familie sind dabei arg schwarz-weiß geraten, kein Klischee wird ausgelassen. Darüber hinaus gibt es noch eine Mitarbeiterin, die ihren Job im Buchladen verliert und eine Baufirma, die das Haus nicht schnell genug abreißen kann. Aber auch hier liegen die Dinge oft anders als gedacht, so dass die Handlung etliche überraschende Wendungen erfährt. Die größte und gleichzeitig unschönste ist dabei allerdings jene, in der gegen Mitte des Romans die eingangs angedachte Suizidvariante wieder in die Favoritenrolle gerät, obwohl die rechtsmedizinischen Untersuchungen diese als unmöglich ausgeschlossen haben. Wer es mit dieser kleinen Volte nicht zu genau nimmt und die zahlreichen Klischees bei den Charakterdarstellungen nicht stören (sie sind ja auch mitunter durchaus zutreffend), der darf diesem keineswegs unsympathischen Ermittlerteam gerne bei der Arbeit zusehen.

  • Autor: Henrik Siebold
  • Titel: Inspektor Takeda und die Toten von Altona
  • Verlag: atb
  • Umfang: 413 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Mai 2016
  • ISBN: 978-3-7466-3213-1
  • Produktseite  


Wertung: 11/15 dpt

 


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