Brokenwood – Mord in Neuseeland – Staffel 4

 

Auch “Brokenwood – Mord in Neuseeland” geht, wie schon “Mord auf Shetland”, in die vierte Runde und bleibt ein verlässlicher Partner. Das Team um DSS Mike Shepherd ist weiterhin liebenswert, die Gags sitzen, so bekommt D.C. Sam Breen Zeit und Raum für seine zahlreichen Phobien und Scherze am Rande, während Gerichtsmedizinerin Gina Mike anschmachten und den Rest der Crew ruppig behandeln darf.

Die Fälle sind gemäßigt bizarr, auf die Inspector Barnaby- nicht David Lynch-Weise. Die Season startet mit einem Geburtstagspicknick für Mike Shepherd, das empfindlich gestört wird, als ein Fallschirmspringer neben den Polizisten und der Pathologin unsanft zu Boden geht. Zufälligerweise ein Ex-Lover von Detective Sims, die sich in der dysfunktionalen Familie des Mannes gut auskennt, der sich alsbald als Mordopfer entpuppt. Neben der Mordaufklärung beschäftigt die Beamten, wie alt Shepherd wohl geworden ist

Fall Nummer zwei führt die Ermittler in ein historisches Dorf, dessen Kuratorin mit einem Pfeil im Kopf endet. Am helllichten Tag, mitten im Schulgebäude. Ein verzwickter Fall, der durch einen Hitchcock-Kniff erschwert wird. Mike Shepherd bricht sich während der Ermittlung das Bein und kann nur im Rollstuhl sitzend von daheim aus helfen. Niemand zweifelt aber daran, dass Kristin Sims die Überführung des Täters genauso schlüssig hinbekommt wie ihr Chef.

Danach wird es verzwickt. “Die Vogelscheuche” entpuppt sich als gruselig drapierte Leiche, im Fokus des Falles stehen eine Gruppe Imker und ein Immobilienspekulant, deren undurchsichtige Geschäfte erst für Verwirrung, dann für Zeter und Mordio sorgen. Wie so oft ist das Versagen der Kommunikation zwischen Nachbarn zuständig für eine tödliche Eskalation. Viele Lügen und ein vermeidbarer Todesfall. Obskure Mordmethode, verwirrender Kleinkrieg, am Ende gibt es das übliche Verhör, durch das der Zuschauer aufgeklärt wird, was eigentlich passiert ist und warum. Tut Not in dieser Folge.

Der Abschluss der vierten Staffel ist eine Gratwanderung. Als der Finanzmakler Mitch Waterson mit einem japanischen Tanto-Dolch im Rücken tot aufgefunden wird, führen alle Spuren ins Seniorenwohnheim Sunset Manor. Etliche der Bewohner haben wegen der Beteiligung an Watersons Schneeballsystem große Teile ihres Altersgeldesverloren. Verdächtige gibt es also zuhauf. Problem: Die meisten der Bewohner sind mehr oder minder dement. Hier gelingt “Brokenwood – Mord in Neuseeland” das Kunststück zwischen Betroffenheit, Kritik und Komik zu changieren, ohne sich über die Krankheiten Demenz und Alzheimer sowie die Betroffenen lustig zu machen. Die tiefgründigste Folge der vierten Staffel, bei der man allerdings bei der gutgemeinten Auflösung ein Auge zudrücken muss.

“Vielleicht fand er den Skandal so schrecklich und hat sich lieber in sein Schwert gestürzt?”
“Im Purzelbaum?”
[Hier ist die deutsche Synchro witziger als das Original. Dort sagt Mike Shepherd auf Sims Frage nur: “Backwards?”]

“Brokenwood – Mord in Neuseeland” bietet wie gewohnt heimelige Unterhaltung mit einnehmendem Screwball-Flair. Hochspannend ist das nicht, dafür ein bisschen nachdenklich, spaßig und getragen von einem Cast, der die gelassenen Mystery-Mörderspiele zur vergnüglichen Angelegenheit macht. Auf Mike Shepherds charmanten Nachbarn Jared muss man leider verzichten, in die Bresche springen recht erfolgreich gleich drei Charaktere. Kristin Sims Love-Interest Kahu Taylor sorgt für die smarten Momente, der vom Pech verfolgte Frankie “Frodo” Oates taucht völlig unpassend an jedem Tatort auf und ist damit für erquickliche Running Gags zuständig, während die so rührige wie rüstige Mrs. Marlowe (Namedropping!) bestens informiert als schelmischer Tippgeber zur Verfügung steht.

Die sehenswerten Locations sind wieder klug gewählt und in Szene gesetzt. Der sich Richtung Alternative Country bewegende Soundtrack ist stimmungsvoll und besitzt einige Highlights zum Weiterhören über die Serie hinaus.

Sonderlich anstrengen müssen sich Kristin Sims, Mike Shepherd und der Rest des Teams nicht, aber sämtlichen Protagonisten würde man auch gerne zuschauen, wenn sie nur gemeinsam an einem lauen Sommerabend auf der Terrasse sitzen und Rotwein trinken würden. Charmanter Eskapismus – ergötzlich in diesen finsteren Zeiten.

Cover und Bilder: Edel Motion/Glücksstern

  • Titel: Brokenwood – Mord In Neuseeland
  • Originaltitel: The Brokenwood Mysteries
  • Episoden: 4
  • Produktionsland und -jahr: Neuseeland, 2017
  • Genre:
    Krimi, Komödie
  • Erschienen: 27.05.2022
  • Label: edel Motion
  • Spielzeit:
    ca. 360Minuten auf 2 DVDs
  • Darsteller:
    Neill Rea
    Fern Sutherland
    Nic Sampson
    Cristina Ionda
  • Regie:
    Mark Beesley u.a.
  • Drehbuch:
    Tim Balme
  • Extras: Featurette, Trailer
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    16:9
    Sprachen/Ton:
    Deutsch, Engllisch (Dolby Digital 2.0)
    Untertitel:
    Deutsch
  • FSK: 12
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite


Wertung: 10/15 dpt

 


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