Wie beim ersten Mal (Film, DVD/Blu-Ray)

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Wie beim ersten Mal (DVD) Cover (c) Universum FilmNach einunddreißig Jahren Ehe hat sich bei Kay und Armold Soames der mehr als öde Alltag eingebürgert, zumal die Kinder schon seit Jahren aus dem Haus gezogen sind. Arnold geht morgens zur Arbeit, macht seinen langweiligen Bürojob, bringt den Frust mit nach Hause und hat dort einfach nur noch ein großes Bedürfnis. Das heißt allerdings nicht etwa Kay, sondern Ruhe. Hinter der Zeitung, vor dem Fernseher und im eigenen Schlafzimmer.

Kay, die immerhin gelegentlich Kontakt zu Freundinnen pflegt, langweilt sich zwischen den eigenen vier Wänden immer mehr, und sie leidet zunehmend unter ihrem stoffeligen, griesgrämigen, ständig meckernden und keinerlei Feinfühligkeit zeigenden Ehemann – nicht zuletzt auch, weil er sie überhaupt nicht mehr zu begehren scheint. Der letzte Sex ist Jahre her, und von Liebe liegt nichts mehr in der Luft. Geschenke zum Hochzeitstag werden nach praktischem Nutzen ausgesucht, und die fertige Mahlzeit, die gewaschene Wäsche und der Gehaltsscheck am Monatsende sind weitere Selbstverständlichkeiten.

Der liebesbedürftigen Frau in den Sechzigern gehen sowohl die Ideen als auch die Kraft aus, ihren Mann aus der Reserve zu locken, und so sieht sie für sich und ihn nur noch zwei Lösungen: Ende der Ehe oder eine radikale Kehrtwende. Als sie eines Tages in einer Buchhandlung den Ratgeber des äußerst berühmten Ehetherapeuten Dr. Bernard Feld in den Händen hält und schließlich kauft, fasst sie einen Entschluss: Sie schleppt ihren Mann gemeinsam in die Kleinstadt Hope Springs, wo jener Therapeut seine Praxis betreibt.

Stur wie Arnold ist, lässt er sie zuerst allein fahren, bis er kurz vor knapp dann doch noch in den Flieger steigt und grummelnd mit ihr gemeinsam diese Reise antritt. Am Tag darauf sitzen die beiden dann zum ersten Mal auf der Couch von Dr. Feld, der nun versucht, das Paar Schritt für Schritt näherzubringen. Erwartungsgemäß entpuppt sich die Therapie des Ehepaares als eine mehr als harte Nuss und bringt selbst den erfolgreichen, erfahrenen Doktor an das Ende seines Lateins. Wie wird diese Therapie verlaufen? Wie geht es weiter, wenn die Sitzungen eventuell vorüber sind und Kay und Arnold wieder in das traute Heim zurückkehren?

Die Thematik des Films mutet, vor allem, wenn man all das so liest, profan an, doch das liebevoll von Vanessa Taylor geschriebene Drehbuch, die angenehme Langsamkeit des Films, vor allem aber die grandiose schauspielerischen Leistungen von Meryl Streep (als Kay), Tommy Lee Jones (als Arnold), Steve Carell  (als Dr. Feld) sowie von Jean Smart, Elisabeth Shue und all den anderen Darstellern machen diese Liebesgeschichte – oder die Geschichte, die zu einer solchen werden soll – zu einem wunderbar tragikomischen Werk. Und das ganz ohne Kitsch, denn es menschelt in „Wie beim ersten Mal“ an allen Ecken und Enden, Peinlichkeiten, die eigentlich keine sein müssten, werden offenbart – das erwärmt letztendlich das Herz des Zuschauers und lässt ihn gleichzeitig schmunzeln und leiden.

Regisseur David Frankel („Der Teufel trägt Prada“, „Sex And The City“, „Band Of Brothers – Wir waren wie Brüder“) und sein Team haben hier ebenfalls brillante Arbeit geleistet und dem Streifen eine zuschauernahe Atmosphäre verliehen, die jederzeit mitfühlen lässt, was in den Protagonisten gerade vorgehen mag. Kleine Hoffnungsschimmer schwappen wie warme Wellen aus dem Bildschirm heraus, Enttäuschungen und Rückschläge lassen den Boden erweichen, die Mundwinkelmuskel werden mit gymnastischen Übungen (auf, ab, auf, ab) gestärkt.

„Wie beim ersten Mal“ ist gleichermaßen Unterhaltung und Problemfilm, und die deutliche Abgrenzung von Oberflächlichkeit und das Erschaffen starker Charaktere sind weitere Pluspunkte, die in diesem tabubrechenden Film zur Geltung kommen. Sowieso: Welcher Leser, Filmnerds mal ausgenommen, kann schon auf Anhieb drei Filme nennen, die das Thema Liebe und Sex jenseits der Sechzig thematisieren?

Wer auch nur ansatzweise eine Ader für Gefühl, Romantik und das Zwischenmenschliche besitzt, sollte sich diese hundertminütige Produktion angesehen haben – er wird es nicht bereuen.

 Alle Coverabbildungen und Packshots © Universum Film

  • Titel: Wie beim ersten Mal
  • Originaltitel: Hope Springs
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2012
  • Erschienen: 03/2013
  • Label: Universum Film
  • Regie: David Frankel
  • Drehbuch: Vanessa Taylor
  • Produktion: Todd Black, Guymon Casady
  • Musik: Theodore Shapiro
  • Kamera: Florian Ballhaus
  • Schnitt: Steven Weisberg
  • Spielzeit:
    96 Minuten (DVD)
    100 Minuten (Blu-Ray)
  • Darsteller:
    Meryl Streep
    Tommy Lee Jones
    Steve Carell
    Jean Smart
    Ben Rappaport
    Elisabeth Shue
    Mimi Rogers
  • Extras:
    Making Of
    Interviews
    Trailer
    (insgesamt ca. 17 Minuten)
  • Technische Details:
    Audio:
    DD 5.1 (DVD)
    DTS-HD 5.1 (Blu-Ray)
    Video:
    2,35:1 (16:9 anamorph) (DVD)
    2,35:1 (1080p/24) (Blu-Ray)
    Sprachen: Deutsch, Englisch
    Untertitel: Deutsch
  • FSK: 6

Wertung: 11/15 dpt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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Wie beim ersten Mal (Film, DVD/Blu-Ray)

von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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