George P. Pelecanos – Das große Umlegen (Buch)


Sex, Drugs and Music im “Das große Umlegen”

Das große Umlegen
© DuMont (Das Cover zeigt die TB-Ausgabe)

Washington, D.C. Peter Karras und Joe Recevo sind beste Freunde, die gemeinsam mit ihren Kumpeln, darunter Jimmy Boyle und Nick Stefanos, ihre Freizeit mit Schlägereien verbringen. Die weißen Jugendlichen griechischer und italienischer Abstammung aus Northwest gegen die schwarzen Jugendlichen aus Southwest. Es kommt der zweite Weltkrieg, die die Jungs unterschiedlich erleben. Peter Karras verschlägt es beispielsweise als Marine in den Pazifik, wo er auf der Insel Leyte gegen die Japaner kämpfen wird.

Nach Kriegsende wirken alle ein wenig orientierungslos. Jimmy Boyle zieht es wie Vater und Großvater zur Polizei, wo er es aber an Ehrgeiz vermissen lässt. Nick Stefanos betreibt eine Kneipe, die er neuerdings für Schwarze öffnen muss, da er sonst nicht über die Runden kommt. Peter und Joe versuchen sich als Laufburschen für Mr. Burke, der sich auf Schutzgelder und Geldverleih spezialisiert hat. Zahlungsunwilligen Kunden sollen Peter und Joe nachhelfen, doch bereits der erste Einsatz geht schief, da es sich bei dem Kunden um einen Freund von Karras‘ Vater handelt. Mr. Burke lässt seinen Schläger Reed durchgreifen, der Karras ein Bein zertrümmert, woraufhin dieser fortan bei Stefanos in der Küche aushilft.

Unterdessen sucht der junge Pole Michael Florek nach seiner Schwester Lola, die in der Kleinstadt Farrell an den falschen Mann geriet und nun als drogenabhängige Prostituierte in Washington arbeiten muss. Gefahren lauern überall. Mr. Burke will seinen Einflussbereich mit aller Macht vergrößern und ein unsichtbarer Serienmörder schlitzt jedes Jahr eine übergewichtige Prostituierte auf. Trost bieten derweil packende Boxkämpfe, eine bunte Musikpalette und – natürlich – Frauen.

Auftakt der Washington-Trilogie

George P. Pelecanos schrieb die wohl erste Noir-Trilogie, die auch als Washington-Trilogie bekannt ist. Diese erschien erstmals 2006 in einer Box mit allen drei Bänden in gebundener Form bei Dumont, welche die Grundlage für die vorliegende Rezension bildet. 2011 bis 2013 folgten Neuauflagen im Taschenbuchformat, wobei man für den ersten Band von „Das große Umlegen“ zu dem Titel „Big Blowdown“ wechselte, was wiederum dem Originaltitel entspricht.

Der Auftakt der Serie spielt in Washington, D.C., ergo der amerikanischen Hauptstadt und dies in den 1940er und 1950er Jahren. Es herrscht noch immer Rassentrennung, zahlreiche Veranstaltungsorte sind für Schwarze verboten und um das Ausmaß des Ganzen ansatzweise begreifbar zu machen, haben die beiden N-Wörter Hochkonjunktur.

Zwanzig Kröten. Nicht viel, dass zwei Menschen dafür sterben.“ „Hmhm. Aber jetzt kommt das Komische. Nicht komisch zum Lachen, aber, du weißt schon, sonderbar: Er sagt … Ich werde jetzt Jesus sehen, und ich bin froh.“ „Hat er sonst noch was gesagt?“ „Ja. Er hat gesagt: Gute Nacht.“ „Das trifft’s wohl.

Der Protagonist ist Peter Karras, wobei auch weiteren Figuren durchaus Platz eingeräumt wird. Den Sound der Zeit bilden zahlreiche Boxkämpfe, zu deren Helden sich die aus dem Krieg zurückgekehrten hochblicken können, sowie die Musik. Es ist die Zeit der Big Bands, des Swing, aber auch des Blues und des Jazz. Auch hier hängt es ein wenig von der Hautfarbe ab. Karras ist ein Getriebener, der nicht weiß, was er will und mit seinem Schicksal als „Krüppel“ hadert. Dass sich seine Wege mit seinem einst besten Freund kreuzen werden, ist vorhersehbar. Mr. Burke will Schutzgelder von Stefanos und der mysteriöse Schlitzer will schließlich auch entdeckt werden, wobei hier wiederum Jimmy Boyle mitmischen möchte. Und ja, die Suche nach Lola ist ebenfalls noch ungelöst.

Wer ein Fan der alten Mafiafilme mit Robert De Niro, Joe Pesci, Harvey Keitel, Ray Liotta – und wie sie alle heißen – ist, findet hier dazu bestens passendes Lesefutter. Allerdings ist dies ein sehr amerikanischer Roman, was sich nicht nur bei der Erwähnung unzähliger Boxkämpfe zeigt, deren Akteure meist unbekannt sind. Gerade bei der Musik übertreibt es der Autor deutlich mit seiner Detailverliebtheit. Ein harter Noir, dessen Titel vorwegnimmt, dass die meisten nicht überleben werden. Der amerikanische Traum gilt, so zeigt es sich, bei Weitem nicht für alle.

  • Autor: George P. Pelecanos
  • Titel: Big Blowdown
  • Übersetzer: Bernd W. Holzrichter
  • Verlag: Dumont
  • Erschienen: 08/2021 (Taschenbuch-Neuauflage)
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 368
  • ISBN:978-3-8321-6175-0
  • Sonstige Informationen:
  • Produktseite 
  • Erwerbsmöglichkeiten


Wertung: 12/15 dpt


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