Ein furioses Finale mit ehemaligen Göttinnen, unheiligen Göttern und Blauen Männern
„Kerze und Krähe“ ist nach „Tinte und Siegel“ und „Papier und Blut“ nun schon der dritte und anscheinend letzte Band der Fantasy-Reihe um den Siegelmagier Al MacBharrais aus Glasgow. Fantasy-Fans ist der US-Autor Kevin Hearne durch seine erfolgreiche Reihe „Die Chronik des Eisernen Druiden“ bekannt, doch auch Al und seinen Hobgoblin Buck Foi schlossen sie schnell ins Herz. Und im Finale lassen es nicht nur die beiden noch einmal so richtig krachen.
Vor der Rente hat der Siegelmagier noch viel zu tun.
Auch Siegelmagier möchten irgendwann in den Ruhestand treten, sind jedoch verpflichtet vorher einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin auszubilden. Im ersten Band „Tinte und Siegel“ erfahren wir, dass Al MacBharrais mit einem doppelten Fluch belegt ist. Fluch Nummer 1 bewirkt, dass Personen, die seine Stimme hören, irgendwann anfangen ihn zu hassen. Weshalb er sich meistens über eine Handy-App verständigt, oder über Messanger. Fluch Nummer 2 bewirkt, dass seine Auszubildenden dem Tod geweiht sind und sterben. Sieben Mal versuchte Al, potenzielle Siegelmagier in die Lehre zu nehmen und jedes Mal ereilten die Azubis tödliche Unfälle. Nun möchte Al endlich herausfinden, wer ihm diese Flüche auferlegt hat und warum. Vor allem aber, wie er sie wieder loswird.
Doch bevor er dieses Problem angehen kann, tauchen andere auf. Hacker im Exil Saxon Codpiece ist wieder in der Stadt und nennt sich nun Norman Pøøts. Das Wiedersehen im Pub endet in einer Schlägerei mit Menschenhändlern, was gleich zum nächsten Fall führt. Der Siegelmagier wird gebeten, den Vertrag mit den Blauen Männern neu zu verhandeln, damit diese es unterlassen, in der Meerenge The Minch Luxusjachten zu versenken.
Dazu kommt, dass die ehemalige Göttin Morrigan sich in Glasgow niederlässt und Ansprüche stellt, die mit legalen Mitteln nicht zu erfüllen sind. Insbesondere ihr Männergeschmack zieht eine blutige Spur nach sich. Auch Nadia hat ein neues Hobby, dass Al Bauschmerzen bereitet: Sie gründet die Kirche „Lhurnorgs Tisch“. Die Gemeinde opfert dem Unheiligen Whisky und Käse, solange er sein bevorzugtes Futter, gewalttätige Männer, nicht zu sich nehmen kann. Noch hat Lhurnorg sich nicht manifestiert. Doch als sich immer mehr Gläubige zu den Ritualen einfinden, ahnt Al, dass die Macht des Glaubens dem Pantheon bald einen neuen Gott hinzufügen wird. Und zu allem Überfluss ist auch noch die schottische Polizei, insbesondere Detective Inspector Munroe, hinter ihm her und fest entschlossen, Aktionen aufzudecken, die nicht den schottischen Gesetzen entsprechen.
Al‘s Fälle zeigen Missstände unserer Gesellschaft auf
Al schlägt sich nicht nur mit Problemen herum, die aus der magischen in die menschliche Welt gelangen. Es sind oft irdische Missstände wie Menschenhandel mit Geflüchteten, Gewalt an Frauen und Verschwörungstheorien, die Individuen aus dem Feenreich Tír na nÓg angehen. Mit Methoden, die in den Verträgen zwischen Menschen und Göttern nicht vorgesehen sind. Zwischen der magischen Action, den schrägen Ideen und einem derben Humor mischen sich ernsthafte Töne und das eine oder andere Statement, zum Beispiel gegen den Brexit. Kevin Hearne kreiert aus Magie, schwarzem Humor und Anspielungen auf Politik und Popkultur eine außergewöhnliche und äußerst unterhaltsame Geschichte.
Etwas zu viel des Guten
Mit einer wahren Fülle von Fällen, Phänomenen, Gefahren und Wundern bekommt es der Siegelmagier in „Kerze und Krähe“ zu tun, bevor er sich endlich um seine Flüche kümmern kann. Die knapp 400 Seiten sind viel zu wenige, um diesen Anekdoten genügend Raum zu geben. Etwas weniger wäre vielleicht mehr gewesen und das Übrige hätte locker einen weiteren Band gefüllt. So wirkt die Handlung stellenweise sehr gehetzt und lässt Tiefe vermissen. Etwas mehr Hintergrund zu ehemaligen Göttinnen, Zauberern, Druiden, Vampiren und Werwölfen hätte der Story mehr Fundament und Atmosphäre verliehen. Dennoch gelingt es Kevin Hearne jedes Abenteuer abzuschließen und die Geschichte insgesamt zu einem schlüssigen, harmonischen Ende zu bringen. Der Abschied von Al MacBharrais, Hobgoblin Buck Foi und Nadia kommt rund und versöhnlich herüber – und fällt gerade deswegen so schwer.
- Autor: Kevin Hearne
- Titel: Kerze und Krähe
- Teil/Band der Reihe: Die Chronik des Siegelmagiers, Band 3 von 3
- Übersetzer: Alexander Gerald Wagner
- Verlag: Klett Cotta / Hobbit Presse
- Erschienen: 04/2025
- Einband: Klappenbroschur
- Seiten: 400
- ISBN: 978-3-608-98210-7
- Sonstige Informationen:
- Produktseite beim Verlag

Wertung: 11/15 dpt









Ich stimme dir zu Eva, dass der Abschluss der Trilogie mehr Platz eingeräumt hätte werden sollen. Meines Erachtens passieren zu viele Dinge gleichzeitig um sie auch tatsächlich angemessen zu behandeln. Witzig war es allenfalls!