Alexander Meining – Wildwest in Würzburg (Buch)

Buffalo Bill und eine skalpierte Leiche

Würzburg. 1891. Georg von Hiebler, Leiter des Königlichen Nachrichtendienstes in München, weilt zum vierten Mal in der unterfränkischen Residenzstadt, allerdings erstmals aus privaten Gründen. Der legendäre Buffalo Bill tourt mit seiner Wild-West-Show durch Europa und macht dabei Station in Würzburg. Karten sind teuer und schwer erhältlich, so dass Hiebler glaubt, mit diesen Agathe und deren Vater Baron von Schlickau beeindrucken zu können, denn am folgenden Morgen möchte er um die Hand der jungen Frau anhalten. Doch als er am nächsten Morgen aus dem Fenster blickt, sieht er eine große Menschentraube und auch gleich den Grund dafür. An einem Verladekran am Mainkai, unmittelbar vor seinem Hotel, baumelt eine skalpierte Leiche.

„Der wurde skalpiert. Das machen die Indianer so. Ich weiß das. Die schneiden einem mit dem Messer Haare und Kopfhaut ab.“

„So, ein Indianer war das? Hier in Würzburg?“

Hiebler sieht sich als Verantwortlicher des Innenministeriums in der Pflicht und erkennt direkt, um wen es sich bei dem Opfer handelt: Severin Knoll, der drei Jahre zuvor an einem Attentat auf den Prinzregenten beteiligt war, was Hiebler nur mit letzter Kraft verhindern konnte. Danach floh Knoll nach Amerika, gemeinsam mit Rosa Gesell, die zu dieser Zeit nach einem kurzen Verhältnis von Hiebler in anderen Umständen war. Sollte Rosa wieder in Würzburg sein?

Da der Tote skalpiert wurde und der Indianer Little Bear nicht mehr in seinem Show-Lager weilt, scheint der Verdächtige schnell festzustehen. Auf der Suche nach Rosa stößt Hiebler zufällig auf Little Bear in dem Winzerdorf Thüngersheim, wo er allerdings kurz nach seinem Erscheinen niedergeschlagen wird.

Vierter Fall für Georg von Hiebler

„Wildwest in Würzburg“ von Alexander Meining ist der bereits vierte Fall für Georg von Hiebler, der eigentlich im Innenministerium in München tätig ist, allerdings in seinen ersten drei Fällen jeweils in Würzburg ermitteln musste. Folglich gibt es ein Wiedersehen mit Hauptwachtmeister Friedhelm Deschel, dem Chef der Würzburger Gendarmerie. Hiebler und Deschel hatten zu Beginn ihre Probleme miteinander, doch inzwischen geht man freundschaftlich miteinander um.

„Ein Sioux-Krieger geht abends barfuß in die Innenstadt und erschlägt einen Mann? Dann verschwindet er spurlos und hinterlässt seine Habseligkeiten? Ist das logisch? Wohl eher nicht.“

Den Hintergrund der Story bildet die Wild-West-Show von Buffalo Bill, die tatsächlich 1891 in Deutschland gastierte, wenngleich nicht in Würzburg. So haben einige reale Personen dieser Schau ihre Auftritte und der “Wilde Westen“ wird ein wenig lebendig, zumindest das, was man damals für die Realität des Wilden Westens aus „weißer“ Sicht hielt. Tatsächlich sah es ganz anders aus, weswegen Little Bear auch nicht mehr für die Show arbeiten möchte und sich in Thüngersheim sehr wohl fühlt, wenngleich er die Sprache nicht versteht. Dieses Problem hat umgekehrt auch Deschel, der froh ist, dass er zumindest passabel hochdeutsch spricht.

Die Geschichte wird von wenigen Figuren getragen und bietet daher einen überschaubaren Spannungsbogen, wobei der Autor eine überraschende Auflösung bereithält. Trotz geringem Buchumfang ist die Handlung atmosphärisch gut gelungen, wozu auch das Wiedersehen mit Rosa beiträgt. Hier gibt es mehrere Hinweise auf die zurückliegenden Fälle, in denen das Verhältnis von Hiebler zu Rosa und deren Familie Erwähnung findet; inklusive Hinweisen zum Ausgang eines alten Falles. Man muss die Vorgänger nicht kennen, allerdings wird es umgekehrt schwierig. „Wildwest in Würzburg“ nimmt mit der besagten Show ein unterhaltsames Thema auf, wobei ein unwirklich erscheinender Handlungsbogen entsteht. Doch wie erwähnt, die Tour gab es wirklich. Nette Idee, kurz und ansprechend umgesetzt.

  • Autor: Alexander Meining
  • Titel: Wildwest in Würzburg
  • Verlag: Gmeiner
  • Umfang: 192 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: September 2025
  • ISBN: 978-3-8392-0917-2
  • Produktseite

Wertung: 11/15 dpt

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