
Bela Lugosi hat ihn schon verkörpert, Christopher Lee hat ihm sein Gesicht verliehen und Gary Oldman auch. An Halloween hat er Hochkonjunktur als Verkleidung. Graf Dracula ist eine Legende. Aber nun mal Hand aufs Herz: Wer hat Bram Stokers Roman „Dracula“ von 1897 schon selbst gelesen? Wahrscheinlich nicht so viele, wie ihn im Fernsehen oder Kino gesehen haben. Das sollte allerdings unbedingt nachgeholt werden – das Buch ist zurecht ein Klassiker. Ebenfalls absolute Klassiker der Gruselliteratur: die Kurzgeschichten von Edgar Allan Poe. „Der Untergang des Hauses Usher“ oder auch „Das verräterische Herz“ sind so düster wie sie gut sind. Der Coppenrath Verlag hat beiden Autoren Schmuckausgaben gewidmet, bei denen das Booknerds-Herz vorfreudig schneller klopft. Exemplarisch für die Reihe der veröffentlichten Klassiker haben wir daher in diese beiden illustrierten Schmuckausgaben hereingeguckt.
„Ein Gefühl ängstlicher Spannung überkam mich“. Kein Wunder, denn aus den Tagebucheinträgen von Jonathan Harker wird schnell klar, dass schon alleine die Anreise von London zu Graf Draculas Schloss durch unbekannte, unheimliche Länder verläuft und es immer mehr Anzeichen dafür gibt, dass das Ziel des jungen Anwaltsgehilfen eher Schrecken bei der Landbevölkerung Transsilvaniens auslöst. Die große Schmuckausgabe von „Dracula“ ist ein dicker Brocken, der schon von außen mit seinem düsteren Cover und seinem schwarzen Farbschnitt die Stimmung verbreitet, die im Inneren dann sprachlich dominiert. Bram Stokers Roman verwendet Tagebucheinträge, Logbücher, Briefe, Zeitungsberichte und Telegramme, um die unheimliche Geschichte um den Vampir und seine engagierten Gegner zu erzählen – und die illustrierte Schmuckausgabe gibt ihnen alle eine vollkommen atmosphärische Gestalt.

Briefbögen mit geschwungenen Signaturen, Telegramme in Schreibmaschinen-Buchstaben oder auch Zeitungsausschnitte wechseln sich mit den teilweise schwarz unterlegten Tagebuchseiten ab. Zudem fliegen Fledermäuse über die Seiten, Kreuze und Rosenkränze ragen in den Text und filigrane Bluttropfen laufen am Rand entlang. Zudem liegen zehn Extras zwischen den 432 Seiten der großen Schmuckausgabe – Jonathan Harkers Reiseroute im Schlafwagen des Orient-Express gehört ebenso dazu wie eine Manuskriptseite von Bram Stoker oder eine Faltkarte zum Thema „Dracula auf der Leinwand“. Neben dem Lesen eines echten Klassikers mit Gruselfaktor hat also auch das Auge viel zu entdecken. Stimmungsvoller und schöner hätte man „Dracula“ kaum gestalten können. Die deutsche Ausgabe wurde von Martin Engelmann übersetzt, die englische Ausgabe liegt allerdings auch als Schmuckausgabe in der Reihe vor.

Als kleine Schmuckausgabe – also in Taschenbuchgröße – hat der Coppenrath Edgar Allan Poes „Der Untergang des Hauses Usher und andere fantastische Geschichten“ veröffentlicht. Insgesamt 16 Geschichten und zwei Gedichte wurden ausgewählt, die zu den berühmtesten des Schriftstellers gehören. Was ihnen gemeinsam ist? Poe hat nur allzu gerne über lebendig begrabene Menschen, mystische Ereignisse, Wahnsinn, Tod und Schicksal geschrieben – mystisch, symbolhaft und unheimlich. Für eine düstere Schmuckausgabe mit blutrotem Farbschnitt sind die drastischen Horror- und Gruselgeschichten ein gefundenes Fressen: Käfer, Falter, Totenköpfe, dunkle Gemälde und unheimlich Häuser schmücken die Geschichten und gehen eine angenehm gruselige Verbindung mit den Texten ein. Auch hier finden sich zwischen den 272 Seiten elf Extras – die Zeichnung eines Totenkopfschwärmers, die handgeschriebene Einladung von Fürst Prospero oder die Abhandlung von der Ungewissheit der Kennzeichen des Todes sind einige der Fundstücke. So gruselig und bizarr Edgar Allan Poes Geschichten sind, so entsprechend schrecklich-schön ist die Gestaltung.
Weil Edgar Allan Poes wildes Leben und Sterben es hergeben, gibt es als Anhang noch eine sechsseitige illustrierte Biographie. Und weil seine Geschichten auch schon mal Verweise auf nicht so bekannte Autoren oder Umstände enthalten, wurden sehr hilfreiche Anmerkungen zu allen Geschichten hinzugefügt.
Fazit:
Schaurig, atmosphärisch, schön und liebevoll gestaltet sind die Schmuckausgaben des Coppenrath Verlags zu Klassikern wie „Dracula“ oder „Der Untergang des Hauses Usher“. Da geht jedem Fan von Gothic und Grusel das dunkle Herz weit auf. Zu der Reihe gehören unter anderem (natürlich!) „Frankenstein“ und „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, aber auch fantastische Literatur wie die Romane von Jules Verne. Etwas blumiger und heller ist die Gestaltung dann bei Klassikern beispielsweise von Jane Austen oder den Brontё-Schwestern. Mit Preisen zwischen durchschnittlich 25 bis 35 Euro nicht spottbillig, aber für so schön gestaltete Ausgaben absolut angemessen.
- Autor: Bram Stoker
- Titel: Dracula
- Übersetzer: Martin Engelmann
- Verlag: Coppenrath
- Einband: Hardcover mit Tiefprägung
- Seiten: 432
- ISBN: 978-3-649-64224-4
- Große Schmuckausgabe von Bram Stokers „Dracula“ bei Coppenrath
- Autor: Edgar Allan Poe
- Titel: Der Untergang des Hauses Usher und andere fantastische Geschichten
- Übersetzer: (bei fremdsprachigen Titeln, sonst entfernen)
- Verlag: Coppenrath
- Einband: Hardcover mit Hochprägung
- Seiten: 272
- ISBN: 978-3-649-64865-9
- Kleine Schmuckausgabe von Edgar Allan Poes „Der Untergang des Hauses Usher“ bei Coppenrath

Wertung: 15/15 dpt








sehr schöne Idee, ich finde nur, die Buchcover hätte man etwas schöner gestalten können. So sehen sie etwas „preiswert“ aus meiner Meinung nach