
Kindness is Punkrock – eines der wichtigsten Statements, die wir für die nächste Zeit brauchen werden.
Noch ein Heldenfilm – genauer gesagt Superman-Film – und Kritikvideos und Rezensionen sind aus dem Boden geschossen wie Pilze im Herbst. Eines war bei dieser Flut an Reaktionen überraschend: Während US-amerikanische Kritiker*innen überwiegend positiv waren und den Film als äußerst notwendig für unsere aktuelle politische Lage beschrieben, zeigten sich deutsche Kritiken empört und beleidigt.
Zu unrealistisch sei der Film, zu positiv und gar nicht so düster und dramatisch wie andere DC-Filme. Kritiken, die einen nicht verwundern, wenn die eigenen Landesfilme entweder nur den Zweiten Weltkrieg thematisieren oder fremdbeschämende Beziehungsdramen sind.
Der 2025 erschienene “Superman” ist aber ein Film, den wir dringend brauchen. Liebevoll und herzlich hat der Film das auf die Leinwand gebracht, was wir an den “Superman”-Comics lieben: Ein Landei mit Gerechtigkeitsgefühl, dessen Nächstenliebe seine größte Superkraft ist.
Der Film beginnt dabei ohne Umschweife mit der Handlung und schockiert: Superman wurde das erste Mal (seit Beginn seiner Karriere) besiegt und wird schwer verletzt von seinem Hund in die Festung der Einsamkeit gezogen, um dort von seinen Roboterkollegen versorgt zu werden – nur um dann direkt zu seinem Kampf gegen eine fremdgesteuerte Maschine zurückzukehren (und wieder eine Abreibung zu bekommen).
Diese Abreibung bekam er fast direkt, nachdem er Jarhanpur davor bewahrt hat, vom aggressiven Boravia (das mit den US verbündet ist) eingenommen zu werden – ob es sich dabei um eine Analogie vom Ukraine-Russland-Krieg oder Gaza-Israel-Krieg handelt, wird von Social Media-Echokammer zu Echokammer unterschiedlich eingeschätzt. Nach der Abreibung wird Superman mit Kritik aus den Medien konfrontiert: Inwieweit darf sich ein Held in internationalen Beziehungen einmischen? Woher nimmt sich Superman – oder sonst ein Held – das Recht, vor Ort überhaupt in Problemen einzuschreiten? Das sind Fragen, die sich durch den ganzen Film ziehen.
Verschlimmert wird diese Situation durch den super reichen und super schlauen Antagonisten Lex Luthor, der sich durch Öffentlichkeitsarbeit und staatlichen Waffendeals gegen Superman positioniert und sogar so weit es geht, Supermans Vergangenheit an die Öffentlichkeit zu zerren um ihn und sein Handeln zu diskreditieren.
Dadurch werden die Figuren im Film immer wieder mit der Frage konfrontiert, wieso sie sich überhaupt für die Menschen um sich herum einsetzen – ist es Reichtum und Aufmerksamkeit? Geheime Weltübernahmepläne? Auch unsere Figuren – darunter auch Hawk Girl, Green Lantern, Mister Terrific müssen sich fragen: Wozu mache ich das Ganze?
Gerade als alles zu viel wird, der Konflikt in Boravia hochkocht, Metropolis droht zerstört zu werden, der öffentliche Hass gegen Superman zunimmt und er wieder niedergeschlagen wird, machen er und die anderen Helden klar: Es geht nicht um Anerkennung oder Reichtum, sondern darum das Richtige zu tun. Die Rechtfertigung für ihr Handeln ist allein ihr Gewissen – niemand sonst. Das muss natürlich kritisch reflektiert werden – die USA haben in der Vergangenheit mehr als einmal im Namen der Demokratie Staaten in (politischen) Trümmern hinterlassen und auch hier ist es ein amerikanischer Superman mit seinen Freunden, der in fremden Ländern sein Gerechtigkeitsempfinden durchsetzt (um fair zu sein, die Kriegsführung von Boravia gegen Jarhanpur wird auch mit US-Geld in Form von Lex Luthor finanziert).
Von Anfang an macht dieser Film deswegen klar: Dieser Superman ist menschlich und dadurch nahbar. Er hat (Charakter-)Schwächen, kann Held und Privatperson nicht sauber voneinander trennen und ist bei schwierigen Fragen auf sich allein gestellt und überfordert. Und was ganz deutlich wird: Er ist nicht Superman, weil er Superkräfte hat, sondern weil er wieder aufsteht, wenn er eins in die Fresse bekommt. Und wenn das, was Superman so besonders macht, seine Fähigkeit ist, nach einer Abreibung wieder aufzustehen, kann jeder ein Superman sein. Dadurch gibt es aber auch keine Entschuldigung, bei Ungerechtigkeit wegzuschauen.
“Superman” ist ein Film, den ich deswegen empfehlen möchte. Der Film macht Spaß und Hoffnung, hat einen tollen Soundtrack (Teddybears „Punkrocker“ feat Iggy Pop ist fantastisch!) und comichaftes Design. Man hat durchgehend Spaß den Film zu schauen – die Kritik, dass der Film vorhersehbar ist, lasse ich nicht gelten, da es A) ein Superheldenfilm ist – was erwartest du?? und B) auch die Umsetzung wertvoll ist und Unterhaltung bringt. Kindness ist Punkrock – das ist die Message, die man von diesem Film mitnehmen wird.
- Titel: Superman (2025)
- Originaltitel: Superman (2025)
- Genre: Superheldenfilm
- Erschienen: 2025
- Label: DC Studios
- Spielzeit: 130 Minuten
- Schauspieler:
- David Corenswet
- Rachel Brosnahan
- Nicholas Hoult
- Edi Gathegi
- Anthony Carrigan
- Nathan Fillon
- Isabel Merced
- Maria Gabriela de Faria
- Skyler Gisdondo
- Neva Howell
- Pruitt Taylor Vince
- Regie: James Gunn
- Drehbuch: James Gunn
- Schnitt: Craig Alpert, William Hoy
- Musik: John Murphy, David Fleming
- FSK: 12

Wertung: 12/15 dpt







