Bastian Zach – Donaumelodien – Wiener Verschwörung (Buch)

Guter Mix aus Krimi und Geschichte

Wien im April 1879. Ein großer Festakt steht vor der Tür, denn zu einem gigantischen Umzug mit über zehntausend Teilnehmenden werden gut dreihunderttausend Zuschauer erwartet. Anlass ist die Silberhochzeit von Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth. Dies bindet natürlich alle Sicherheitskräfte, vor allem bei der k.k. Polizei-Direction, so dass deren Präsident Wilhelm Marx einmal mehr den Geisterfotografen Hieronymus Holstein um Unterstützung bitten muss. Dieser darf sich seit einem Jahr sogar freiwilliger kaiserlich-königlicher Agent nennen, ein höheres Einkommen bringt der Titel jedoch nicht.

„Wir sind umgezogen und bewohnen jetzt einen Dreikanthof in der Nähe vom Erlachplatz.“

„Im zehnten Hieb, also? Ziegelfabriken und viele Böhmen.“

„Dafür keine Preußen.“

Unmittelbar vor der Polizei-Direction wird ein Handkarren abgestellt, auf dem eine Kiste mit grausigem Inhalt steht: ein abgetrennter Kopf. Dazu ein kleines Holzbrett mit dem lateinischen Spruch „NVLLA POENA SINE CVLPA“. Doch was mag es bedeuten und an wen richtet sich die Nachricht „Keine Strafe ohne Schuld“? Als wenig später der dazugehörige Leichnam aus der Donau gefischt wird, erhält Hieronymus von dem Pathologen Salomon Stricker einen Hinweis, in welchem Gewerbe er das Opfer zu suchen hat. Kurz darauf steht fest, der Tote heißt Karl Müller, in Wirklichkeit jedoch Viktor Sándors, der im Revolutionsjahr 1848 unter anderem bei der sogenannten Praterschlacht einem Freund zur Seite stand.

„Vaterlandsverräter stellt man doch nicht vor ein Kriegsgericht! Die erschießt man standrechtlich, Sie patscherter liberaler Tachinierer, Sie.“

Aber warum sollte man Jahrzehnte später einen früheren Revolutionär ermorden? Hieronymus und der bucklige Franz ermitteln in gewohnter Manier, wobei der Geisterfotograf einer erschreckenden Verschwörung auf die Spur kommt. Ein Skandal für die Monarchie mit gänzlich ungewissen Folgen droht. Die Zeit eilt, denn bis zum Festzug ist es nicht mehr lang.

Fünfter Fall für den Geisterfotografen

„Wiener Verschwörung“ ist bereits der fünfte Fall aus der Reihe „Donaumelodien“ für den Geisterfotografen Hieronymus Holstein und seinen unverzichtbaren Partner Franz, der einst als Mönch tätig war. Natürlich gibt es ein Wiedersehen mit weiteren liebgewonnenen Figuren wie den bereits erwähnten Wilhelm Marx und Salomon Stricker, mit denen der Protagonist nur bedingt – befreundet wäre der gänzlich falsche Ausdruck –, sagen wir, bekannt ist. Man mag sich in gegenseitiger wertschätzender Abneigung, was zu etlichen unterhaltsam-garstigen Wortgefechten führt. Dazu die ohnehin freche Anezka, böhmische Lebensgefährtin von Franz seit einigen Romanen, sowie Karolina, die in den ersten Bänden noch von Hieronymus intensiv gesucht wurde, da ihr Schicksal bis dato ungewiss war.

„Sie sind sich hoffentlich bewusst, was es bedeutete, sollten tatsächlich Mitglieder der Leonis Mures in die Verschwörung verwickelt sein?“

„Dass wir nicht wissen, wer alles noch involviert ist?“

„Ganz recht, Holstein. Und dass wir niemanden vertrauen können.“

Der Kriminalfall ist leidlich spannend, denn was die auf dem Buchrücken angedrohte „Katastrophe historischen Ausmaßes“ wohl sein könnte, liegt angesichts des großen Umzugs auf der Hand. Allerdings ist lange unklar, wer hinter der titelgebenden Verschwörung steckt und welches Ziel diese eigentlich verfolgt. Überraschende Wendungen sowie weitere Todesfälle sind gewiss. Einmal mehr steigt man zudem hinab in die stinkende Kanalisation, wo die Strotter ums Überleben kämpfen; Seite an Seite mit den Kanalhasen genannten Ratten.

Die Metropole an der Donau ist erneut der heimliche Star, zahlreiche Straßen, Plätze und Gebäude werden eingehend beschrieben, ebenso deren Geschichte. Der Bezug auf das Revolutionsjahr 1848 und die Erwähnung der Freiin von Perin-Gradenstein bilden zudem den Grundstock für einen sozialkritischen Bezug, wie beispielsweise den Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und Frauenrechte. Zu guter Letzt ergibt sich beim finalen Umzug, in die Historie übrigens als Makart-Umzug eingegangen, noch eine kleine Pointe. Leichte, aber durchgehend ansprechende Krimiunterhaltung.

Die Donaumelodien-Reihe (rezensiert):

Praterblut

Totentaufe

Leichenschmauss

Fiakertod

  • Autor: Bastian Zach
  • Titel: Donaumelodien – Wiener Verschwörung
  • Verlag: Gmeiner
  • Umfang: 384 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: März 2026
  • ISBN: 978-3-8392-8060-7
  • Produktseite

Wertung: 11/15 dpt

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