
In den Siebzigern und Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts erlebten Söldnerfilme eine Zeit des (überschaubaren) Erfolges. Im Gefolge von Andrew V. McLaglens starbesetztem „The Wild Geese“ („Die Wildgänse kommen“) wurden weitere Filme der Güteklasse B bis Z produziert, die, bevorzugt junge männliche Zuschauer in Kinos und Videotheken lockten.
Wer erinnert sich nicht an Kracher, meist minder begabter Adepten, wie „Scorticatelli Vivi“ („Häutet sie lebend! – Geheimcode Wildgänse“) oder „Kill Squad“ („Das Söldnerkommando“). Letzterer eine ulkige unfreiwillige Komödie , die besonders in der deutschen Synchro Fanherzen höher schlagen lässt. Solide, aber derbe brutale, Action wie James Glickenhaus‘ „The Soldier“ („Der Söldner“) mit Ken Wahl und Klaus Kinski sowie Exotisches wie John McTiernans „Predator“ sorgten für Qualitätsschübe. Hier war auch der Ruch des postkolonialistischen, gerne auch sexistischen Rassismus nicht von Belang, der viele dieser Legionärs-Machwerke zu unansehnlichem Gewerke machte.
Dabei fing alles vielversprechend in den Sechzigern an. Denn Filme wie John Sturges „The Magnificient Seven“ („Die glorreichen Sieben“) und vor allem Richard Brooks‘ meisterlicher „The Professionals“ („Die gefürchteten Vier“) setzten jene Profis gekonnt in Szene, die scheinbar für Geld jedem Herren, der genug davon bietet, dienen, doch sich am Ende einen Hauch von Ethos, Moral und sogar Idealismus bewahren und für hehrere Ziele Kämpfen, siegen oder auch untergehen.
Im Italo-Western wurde der zynische Kopfgeldjäger, Rächer oder Killer zum grimmigen Antihelden par excellence. Wenn er nicht überraschend die Richtung wechselte und wie in Sergio Corbuccis „Il Mercenario“ zum politisch ambitionierten Schelmenstück avancierte.
Unter anderem mit Robert Aldrichs „The Dirty Dozen“ („Das dreckige Dutzend“, 1967) wechselten die sich am Rande des Wahnsinns langhandelnden harten Kerle ins Söldnerlager des Kriegsfilms. Bildete dort der zweite Weltkrieg den Hintergrund, bewegt sich „Dark of the Sun“ (auch „The Mercenaries“ und “ Katanga“) in den kongolesischen Bürgerkrieg, bei dem die aufständischen Simba gegen eine ausbeuterische, korrupte Regierung ins Feld zog. Und dabei keine Rücksicht auf im Lande lebende Kolonialisten nahm.

Der Konflikt trug zudem alle Merkmale eines Stellvertreterkriegs, denn während China und die Sowjetunion die Simba unterstützen, stärkte eine westliche Allianz unter US-amerikanischer Führung der Regierungspartei den Rücken. Ein passender Tummelplatz für Söldner jeder Couleur, Belgier, Iren und auch Deutsche, die dem dritten Reich nachtrauerten. Wie der berüchtigte Siegfried „Kongo“ Müller, nach dessen Vorbild in „Katanga“ der Antagonist Henlein (gekonnt widerwärtig gespielt von Peter Carsten) gestaltet wurde.
Im Mittelpunkt stehen der britische Offizier Captain Curry, der in der deutschen Synchronisation zu „Willy Krüger“ umgemodelt wurde (damit er wenig plausible „guter Nazi-böser Nazi“-Plattitüden mit Henlein austauschen kann), und sein Sergeant namens Ruffo. Während Rod Taylors Mike Curry aus einer Mischung aus Abenteuerlust und Geldgier ins Krisengebiet nach Fort Reprieve zieht, ist sein Vertrauter Ruffo, gespielt vom ehemaligen Footballpieler Jim Brown, aus idealistischen Gründen dabei.
Das Duo bekommt den Auftrag, die weißen Siedler Reprieves in sichere Gestade zu geleiten, und weil man gerade vor Ort ist, eine große Charge Diamanten aus dem Tresor der örtlichen Bank zu holen, um sie der Regierungspartei und ihren Unterstützern zuzuführen.

Unter Zeitdruck muss ein schlagkräftiges Team gebildet, ein Zug okkupiert und kampfbereit gemacht werden, um Menschen und Diamanten aus dem Kriegs-Feuer zu holen. So wird auch unverbesserliche Faschist Henlein rekrutiert, der mit Vorliebe seine Nazi-Orden und Insignien zur Schau stellt. Aber angeblich ein unverzichtbarer Fachmann (in was auch immer) ist. Wenn Ärger und Verdruss einen einzigen Namen hätten, wäre das Henlein. Müsste eigentlich jedem Beteiligten klar sein. Selbst als er zwei Kinder abschlachtet, bleibt er dem Team erhalten. Einer perfiden und geradezu zwingenden, dennoch menschenverachtenden, Logik nach, nicht einmal zu Unrecht.
So fährt, schlägt und schießt man sich durchs Land, und ehe man sich versieht, wird aus einer Rettungsaktion eine düstere Raub- und Mordmoritat. Getreu des „Roadhouse Blues”-Mottos: „The future is uncertain, and the end is always near”.

Zum Finale wird ein weiterer Haken geschlagen, der in einer brutalen Racheaktion endet, die die Hauptfigur geläutert, aber auch gebrochen zurücklässt. Wohlmeinend, aber angesichts der vorher entwickelten Handlungs- und Motivationsstrategien kontrovers, aufgesetzt und ein klein bisschen unglaubwürdig. Aber wir würdigen und schätzen die Haltung, sich einem schalen Happy End zu entziehen.
Tatsächlich mischt sich mit Yvette Mimieux eine Frau unter die Riege der männlichen Darsteller Mimieux hatte schon erfolgreich mit Rod Taylor in „Die Zeitmaschine“ agiert, hier wirkt sie wie ein Fremdkörper, der als eine Mischung aus Mamsel in Distress und griechischem Chor eingesetzt wird. Im hörenswerten Audiokommentar werden Vergleiche zum Stopp bei der französischen Plantage im Director’s Cut von „Apocalypse Now“ gezogen, was ein interessanter und keineswegs verkehrter Verweis ist. The first cut is the deepest und eine Bremse ist eine Bremse. Nett anzusehen ist Mimieux trotzdem.

Die Aufbereitung „Katanga“s im BluRay-Mediabook (plus zusätzlicher DVD) ist ein Traum. Die kräftige, klare und pointierte Farbgestaltung (sowohl in der „normalen“ wie als speziell geschnittenen „HD“-Version) ist exzellent. Mit Wehmut nimmt man wahr, wie blass die aktuelle Filmlandschaft geworden ist, wie sehr die Digitalisierung Filmen Leuchtkraft und kontrastreiche Kreativität entzogen hat. Da ist es ganz egal, ob die Schärfe Körnigkeit erzeugt, nach einer visuell berauschenderen und schweißtreibenderen Szene wie jener als der Zug, in dem ein Gutteil der Handlung stattfindet, instand und auf die Gleise gesetzt wird, kann man heutzutage lange suchen.
Dazu gesellt sich kerniges Schauspiel, Abgeklärtheit und Pathos, Zynismus und emotionale Betroffenheit, beherzt gesucht und inszeniert. Die politische Dimension des Bürgerkriegs im Kongo wird nicht vertieft, „Katranga“ ist kein die geopolitische Lage analysierender Film. Hier geht es ums Abenteuer wie dem Verrat daran. Ein „Indiana Jones“-Vorläufer ist der Film denoch nicht.
Jedes Handeln zeitigt Konsequenzen. Das ist nicht eben subtil dargestellt und umgesetzt, aber artifizielles Erläuterungskino will „Katanga“ auch gar nicht sein. Es wird mit grober Kelle ausgeteilt und das mit Wucht. Keine doppelten Böden, kein „wir wissen soviel mehr als wir zeigen“, sondern Krawall und Remmidemmi im Widerhall moralischer Bedenken und Entscheidungen. Und am Ende gehört der Film dem versoffenen, aufopferungsbereiten Arzt Doctor Wreid (ein wie üblich wertbeständiger Kenneth More). Wenn ein Kind mehr gerettet als getötet wird, kann es kein ganz schlechter Tag gewesen sein. Eine bittere Erkenntnis, aus der „Katanga“ auch fast sechzig Jahre nach Entstehung ein sehenswertes Werk werden lässt.

Empfehlenswert sind auch das umfang- und kenntnisreiche Booklet Tobias Hohmanns sowie der aufgeräumte, ebenfalls qualifizierte und launige Audiokommentar der vieri Herren Larry Karaszweski, Josh Olsen, Brian Saur und Eric D. Kane.
Rüdes Kino mit langem Atem in einer deliziösen Aufarbeitung.
Cover+ Bilder © Plaion Pictures
- Titel: Katanga – Dark Of Th Sun
- Originaltitel: The Mercenaries / Dark Of The Sun
- Produktionsland und -jahr: GB, USA, 1968
- Genre: Kriegsfilm, Söldnerfilm, Drama, Abenteuer
- Erschienen: 11/2025
- Label: Plaion Pictures
- Spielzeit:
Ca. 100 Minuten auf 1 BD
Ca. 96 Minuten auf 1 DVD - Darsteller: Rod Taylor
Jim Brown
Yvette Mimieux
Peter Carsten
Kenneth More - Regie: Jack Cardiff
- Drehbuch: Adrian Spies
Quentin Werty
Wilbur Smith (Autor der Romanvorlage „Dark Of The Sun“) - Kamera: Edward Scaife
Jack Cardiff - Schnitt: Ernest Walter
- Musik: Jaques Loussier
- Extras: Trailer, Audiokommentar, Bildergalerie, Booklet
- Technische Details (DVD)
- Video: 2.35:1 (16:9)
- Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch, Dolby Digital 2.0 (Mono)
- Untertitel: Deutsch
- Technische Details (Blu-Ray)
- Video: 2.35:1 (16:9)
- Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch, DTS-HD Master Audio 2.0 (Mono)
- Untertitel: Deutsch
- FSK: 16
- Sonstige Informationen:
Produktseite

Wertung: 11/15 dpt






