Tomasz Duszynski – Glatz. Rübezahl (Buch)

Ein Serienmörder erschüttert die Grafschaft Glatz

Am 26. Februar 1923 erfährt der Bergführer Markus Henke von der Wirtin der Berghütte Schweizerei, dass sich mitten in der Nacht zuvor zwei Männer auf den Weg zum Gipfel des Schneebergs aufgemacht hätten. Zurück kamen sie nicht. Henke geht der Sache nach und entdeckt einen der beiden Männer, kopfüber an einem Seil vom Kaiser-Wilhelm-Turm hängend. Die Gesichtshaut wurde ihm entfernt. Oberwachtmeister Franz Koschella, Leiter der Glatzer Kriminalabteilung, übernimmt den Fall und findet in einem Buch des Toten eine Widmung: „Mit Grüßen an Martin Götze. Von Rübezahl an Wilhelm Klein.“

Henke schlug nach dem grausigen Leichenfund auf einer nahen Berghütte Alarm, diese informierte jedoch nicht Glatz, sondern Breslau, weswegen von dort die Hilfe des Pathologen Maximilian Baumann zugesagt wird. Wenig später trifft jedoch nicht der renommierte Professor ein, sondern dessen Assistentin Greta Fischer. An eine Frau in dieser Rolle muss sich Koschella erst gewöhnen, doch viel Zeit bleibt nicht. Es gilt herauszufinden, wer der tote Martin Götze ist und zudem Hauptmann Klein zu finden und diesen in die Ermittlungen einzubinden.

Hauptmann Wilhelm Klein befindet sich jedoch bereits in der Grafschaft, wobei sich Koschella zunächst nicht erschließt warum? Dass sich zudem überraschend schnell der Geheimdienst aus Berlin einschaltet, den es aufgrund des Versailler Vertrages in der Weimarer Republik eigentlich nicht geben dürfte, spricht dafür, dass Klein wieder für den Dienst aktiv ist. Kurz danach verschwindet Klein von der Bildfläche und ein weiterer Mord wird gemeldet. In einem Zug von Breslau nach Glatz wurde ein Toter gefunden, dem ebenfalls die Gesichtshaut entfernt wurde. Koschella, Wachtmeister Lothar Schulz und Polizeiassistent Leon Czosek stürzen sich in die Ermittlungen, während die Presse gewaltige Schlagzeilen liefert. Dabei gibt es längst die nächsten Leichen.

Dritter Fall für Koschella und Klein

Nach „Glatz“ und „Glatz. Herrgottsländchen“ geht es bereits zum dritten Mal in die niederschlesische Kreisstadt, die heute Klodzko heißt und zu Polen gehört. Es ist ein Provinzkaff, in dem normalerweise nichts passiert und so überrascht es, dass Koschella und Klein bereits zwei Mal recht brutale Fälle lösen konnten. Auch der neue Fall hat es in sich und bietet actionreiche Unterhaltung. Tomasz Duszynski erzählt die Polizeiarbeit ebenso ruhig wie detailliert, was in auffälligem Kontrast zur Brutalität der Morde steht. Die Grafschaft Glatz gibt dabei den bildgewaltigen Hintergrund, in deren Natur nicht nur schöne Dinge geschehen.

Es dauert über hundert Seiten bis Hauptmann Klein seinen ersten Auftritt hat, wobei er überhaupt erst im letzten Drittel richtig in die Handlung eingebunden wird. Dafür übernehmen Koschella selbst und seine beiden Mitstreiter viel Platz ein, so dass man den Figuren Schulz und Czosek etwas näherkommt. Beide sind eher Konkurrenten denn Kollegen, ehrgeizig und mitunter etwas zu eigensinnig. Letzteres gilt auch für Koschella, womit er sich den Unmut von Kommissar Heinrich Richter auf sich zieht, der ihn allerdings noch nie mochte. Einmal mehr erweist sich die Glatzer Polizei als Intrigantenstall. Koschella hat jedoch wenig Zeit, sich damit aufzuhalten, denn der undurchsichtige Fall fordert alles. Ebenso wie die Frage, welche Rolle Klein spielt? Oder Greta Fischer? Oder Teichert, ein Hauptmann aus Breslau, der für den Geheimdienst arbeitet und Koschella seine Hilfe andient.

Als man den Mörder gefasst hat, der sich nach dem berühmten Berggeist benennt, scheint Ruhe einzukehren. Allerdings nur kurz, denn ein weiterer Mord geschieht. Hat man etwas übersehen? Offenbar, doch die Lösung dieses Falles, welche auf einer aberwitzigen Verschwörung basiert, ist auch kaum beherrschbar. Sie führt einige Jahre zurück in die Beelitzer Heilstätten, wo einige der Nebenfiguren einst zeitgleich waren. Einige als Patienten, andere als Ärzte. Es ging um die Versorgung verletzter Frontsoldaten und die Behandlung von schlimmen Gesichtsverletzungen wie sie Hauptmann Klein erlitten hat. Die damaligen Geschehnisse geben Einblicke in die politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Nachkriegszeit. Der Erste Weltkrieg ist verloren, viele Soldaten sind teils schwer verletzt und werden vor allem nicht mehr gebraucht. Sie sind orientierungslos und irritiert, zudem erinnern sie sich an die Worte des SPD-Parteivorsitzenden Friedrich Ebert, als dieser am 10. Dezember 1918 heimkehrende Truppen am Brandenburger Tor empfing: „Kein Feind hat euch überwunden!“ Ein gefährlicher Nährboden entstand, dessen Saat nun aufgeht.

  • Autor: Tomasz Duszynski
  • Titel: Glatz. Rübezahl
  • Originaltitel: Glatz. Zamiec. Aus dem Polnischen von Markus Schnabel
  • Verlag: Polente
  • Umfang: 428 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Juni 2026
  • ISBN: 978-3-9505744-7-0
  • Produktseite

Wertung: 11/15 dpt

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