Roosa Root – Altweiber-Herbst (Buch)

Frühling, Sommer, Herbst und damit ein neues Buch mit den rüstigen “Altweibern” aus dem fiktiven österreichischen Nussbachdorf. Roosa Root serviert mit “Altweiber-Herbst” abermals eine skurrile RomCom mit Frauen im besten Alter.

Klara, die Noch-Ehefrau des ehemaligen Dorfarztes und ihre schrullige, rothaarige Freundin Liesl planen gemeinsam mit der Mittzwanzigerin Niki dieses Mal eine Fastenkur an der Ostsee im Hotel Leberglück. Der Name dürfte Programm sein. Doch schon die öffentliche Anreise mit dem Zug in das ferne Schleswig-Holstein stellt das ungleiche Trio vor Herausforderungen mit aufgeplatzten Trolleys und fliegenden Spitzen-BHs. Am Zielort angekommen wartet schon die Hoteldirektorin Frau Bitterlich samt Königspudel Sir Pompon auf die Damen. Dass hier noch weitere heitere Szenen in der Kombination folgen werden, dürfte der Leserschaft schnell klar werden. So tauschen nun die Damen aus dem fernen Österreich Schweinsbraten mit Knödel gegen Spinat-Smoothies und Bittersalz-Darmreinigungen. Die Motivation für die Fastenkur schwindet schneller dahin als die Sanddünen am dortigen Strand.

Während natürlich das physische (Un-) Wohlbefinden der Damen einen Großteil der Rahmenhandlung einnimmt, sind es abermals die liebenswerte Charaktere, welche die Stärken des Romans darstellen. Allen voran die “Rothbergerin”, als quasi Anführerin der Truppe, ist nie um eine bissige Meldung verlegen und erfreut nicht nur ihr Umfeld mit lustigen Versprechern (Stichwort: “gockeln” statt “googlen”). Klara ist und bleibt eindeutig die ruhigere und besonnene der beiden Rentnerinen und ist in diesem Band deutlich nachdenklicher. Zwar funktioniert die Wohngemeinschaft mit Noch-Ehemann Franz-Josef und seinem neuen Freund Walter gut, doch ohne Kinder und festen Partner fühlt sich Klara sehr allein. Die neue Greißlerei ist sicherlich eine willkommene Abwechslung doch auf emotionaler Ebene ist die rüstige Rentnerin hin und hergerissen, gibt es doch mit Hubert dem Kriminaloberkommissar und dem Schlosser Helmut gleich zwei Männer die es Klara angetan haben. Da braucht es dann des öfteren die Grundschullehrerin Niki, die zwischen den konträren Damen vermitteln muss.

Natürlich sind die drei nicht alleine im Fastenhotel, sondern treffen auf weitere Mitstreiter, wie die Dauergäste Kunigunde und Willibald oder die schwerhörige Oma Rosamunde, die mit ihrer Enkelin angereist ist. Das strenge Regiment der Hoteldirektorin samt spindeldürren Hausmeister Egon sorgt daher bei allen Gästen für entsprechende Situationskomik, ob unfreiwilliger Ausflug an den FKK-Strand oder Karaokegesangseinlagen dank Waldmeisterlikör.

Die Charaktere sind sicherlich alle etwas überzeichnet und dennoch oder gerade deswegen sehr nahbar. Daher kann man der Autorin sicherlich nicht vorwerfen, Situationen oder Gags zu konstruieren. Denken wir mal scharf nach, dann finden wir wahrscheinlich zu den meisten Romanfiguren entsprechende Pendants im eigenen Umfeld. Trotz all den mittleren Katastrophen entlang der Fasten-Tagesordnungspunkte, bleibt in diesem Teil der “Altweiber”-Reihe genügend Zeit für ruhigere Momente.

Man muss nicht auf Sonnenschein warten, um das Leben schön zu finden. Man kann einfach losgehen. Mit oder ohne Kapuze. Wäre doch schade, den Tag zu vergeuden.Oma Rosamunde

Im Finale wird es nochmals richtig turbulent mit zahlreichen aberwitzigen Szenen aller Beteiligten – die dürft ihr aber gerne selbst lesen, ob bei einer Fastenkur oder nicht.

Dank Glossar am Ende des Buches funktioniert die Kommunikation rund um den “Weißwurstäquator” auch wunderbar.

Fazit: Im “Altweiber-Herbst” wird die Geschichte von Klara, Liesl und Niki dieses Mal an der Ostsee spritzig und ungezwungen weitererzählt. Zwischen Smoothies, Karaoke und Waldmeisterlikör bleibt auch viel Zeit, um über Freund- und Liebschaften nachzudenken.

Wertung: 11/15 dpt

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