Heidi Troi – Zum Limoncello eine Leiche (Buch)

Mit dem italienischen Gardasee verbindet man üblicherweise Sonne, Erholung, zahlreiche Touristen und Limoncello. Eine Leiche gehört nicht unbedingt dazu. Im vorliegenden Kriminalroman von Heidi Troi allerdings schon und die Südtiroler Autorin präsentiert einen soliden Serienauftakt rund um Marescialla Bianca Rossi.

Diese wird von der Dienststelle in Verona in das beschauliche Malcesine zugeteilt, um das Verschwinden der Millionärstochter Giulia Facchetti aufzuklären. Wie es der Zufall und die Autorin so will, wird die Ermittlerin schnell mit typischen Klischees konfrontiert. Von überfüllten Straßen rund um den See, Touristenmenschenmengen in den engen Gassen bis hin zum zweifelhaften Ruf der Carabinieri ist alles dabei. Aufgesetzt wirkt das dennoch nicht, da wohl schon viele Leser*innen, ähnliche Erfahrungen in entsprechenden Tourismushochburgen gemacht haben. Für mehr Authentizität werden auf den knapp 360 Seiten immer wieder italienische Wörter und Aussprüche verwendet. Ein Glossar am Ende des Buches schafft hier dankenswerterweise Abhilfe, mille grazie!

Wie es sich für eine reiche Familie mit Villa hoch erhaben über dem See gehört, sind das Ansehen und der Aktienkurs der Firma wichtiger als das Wohlbefinden des Sprösslings. Noch dazu, wenn sich die junge Giulia demnächst mit einem ebenso jungen Millionärsnachkömmling verloben soll. Dass beide Familien auch noch eine wirtschaftliche Symbiose eingehen wollen, ist wahrscheinlich nur Zufall. Obwohl es in diesem möglichen Entführungsfall vorerst kein Weiterkommen gibt, muss sich Bianca Rossi auch noch einem Teil ihrer Vergangenheit stellen.

Ihr Ex-Mann Tiziano, ebenso Maresciallo der Carabinieri, hat die Trennung nicht verkraftet respektive akzeptiert und stellt Bianca immer noch nach, sei es in ihrer Wohnung oder am Dienstort. Dabei kommt es immer wieder zu Gewaltübergriffen.

Ich sag’s ja immer. Die Welt geht den Bach runter. Jetzt muss schon die Polizei auf die Carabinieri aufpassen. Alle zusammen ein maroder Haufen.Seite 265

Somit gibt es zwei markante Handlungsstränge in “Zum Limoncello eine Leiche”, wobei jener der häuslichen Gewalt gegenüber Frauen absolute Aktualität hat – nach wie vor. Nach Lettland werden die meisten vorsätzlichen Morde an Frauen in Litauen, Österreich und Italien begangen – in über 60% der Fälle von nahen Angehörigen wie dem (Ex-) Partner. Die Dunkelziffer wird noch höher sein.

Die Romanfigur fühlt sich machtlos, obwohl sie als Beamtin sicherlich mehr Möglichkeiten zum persönlichen Schutz hat, als auch um auf diese Missstände im eigenen System aufzuzeigen. Wie muss sich das für alle anderen Frauen anfühlen? Ebenso thematisiert wird die Angst, Meldung zu erstatten. Was, wenn der Ex auflauert und sich rächen will? Bianca Rossi lässt die Gewalt daher eine Zeit lang über sich ergehen, bis jemand aus ihrem Umfeld reagiert. Der Täterschutz durch das Opfer ist ebenso keine Seltenheit.

Für ein Buch, das in erster Linie unterhalten und gekauft werden will, ist das Thema Femizid möglicherweise schwere Kost. Davon berichtet die Autorin auch am Ende in einem Nachwort. Das Buch erscheint daher in Eigenregie, da Troi von Verlagen mit ihrem Manuskript abgelehnt wurde. Umso wichtiger ist es also, dass diese Geschichte erzählt wird.

Auch die weitere Handlung rund um die vermeintliche Entführung der jungen Frau trägt Leidenschaft, Träume und typische Konventionen als Motiv. Die Auflösung ist nicht allzu schwer zu erraten, spiegelt aber ebenso gewisse Klischees wider und damit auch die Frage, inwieweit diese noch in der aktuellen Zeit Platz haben sollten.

Ein zitrusfruchtiger Farbschnitt und stimmige Fotos vom Gardasee runden das Buch optisch ab.

Fazit: “Zum Limoncello eine Leiche” ist ein solider Auftakt um die toughe Marescialla Bianca Rossi, die sich vor allem, aber ohne die Keule zu benutzen, für Frauenrechte einsetzt. All das eingebettet in der traumhaften Kulisse rund um den Gardasee.

Wertung: 12/15 dpt

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