Philip Krömer – nôt: Der letzte Liebesroman (Roman)

Huch, was ist das denn? Ist’s eine humoristische Erzählung, ein Krimi, eine Liebesgeschichte, ein Arbeits-Urlaubsbericht, am Ende eine Dystopie oder der Anfang davon? Wenn der Roman „nôt: Der letzte Liebesroman“ von Philip Krömer ein Wein wäre, würde ich ihn als elegant arrangierten Cuvée bezeichnen. Denn es stecken so zahlreiche verschiedene Aromen in diesem mit seinen 132 Seiten relativ kurzen Text, dass schon einem allein wegen des ständig changierenden Lese-Erlebnisses nie langweilig wird.

Aber der Reihe nach:

Ich-Erzählerin Marget ist Literaturwissenschaftlerin und forscht für ihre Dissertation zum Nibelungenlied. Um ungestört arbeiten zu können, mietet sie sich in das Gästezimmer eines Winzerhofes ein. Es kommt, wie’s kommen muss. Zum Arbeiten  kommt unsere Heldin gar nicht. Dafür passiert um sie herum viel zu viel und auf das Meiste kann sie sich zunächst gar keinen Reim machen. Ihre und der Leser Neugier sind entfacht. Tapfer bemüht sich Marget, ihre Eindrücke literaturtheoretisch für ihre Nibelungeninterpretation zu nutzen und entsprechend zu deuten, augenzwinkernd begleitet durch ihren Autor. Und so wie Marget sich dafür engagiert, das Thema „Liebe“ im Nibelungenlied sichtbar zu machen, so findet die Liebe auch Eingang in diese raffiniert gesponnene Erzählung. Verschiedene Liebespaare treten in Erscheinung, u.a. die Wirtin, die eine Affäre mit dem Nachbarn unterhält, aber auch Marget selbst, die dem Charme eines durchreisenden Mittelaltermusikanten erliegt.

Nach dem Frühstück setze ich mich an meine Notizen. Ich habe
einen ersten Einblick in ein Liebesgespinst gewonnen, ein reales, mit
mindetsens drei Involvierten (…). Vielleicht kann es mir, völlständig
durchdrungen, das Beziehungschaos im Nibelungenlied
erhellen.

Wenn ich eine Formel der Liebe fände, die durch die
Jahrhunderte ihre Gültigkeit behalten hätte, könnte ich mir nicht nur einen
Reim auf Winzerfrau Kriemhilds Hingabe (…) machen, sondern auch auf die
bedingungslose Liebe ihrer mittelalterlichen Namensvetterin (…).

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Als versierter Erzähler zeigt uns Krömer, dass es dort, wo es um die Liebe geht auch darum gehen muss, wodurch sie bedroht wird, um die Geschichte rund zu machen. Bühne auf für den Tod und ein dunkles Geheimnis.

Ich glaube, der Text ist noch viel vielschichtiger als es jemand wie ich, die mit dem Nibelungenstoff nur rudimentär vertraut ist, beurteilen kann. Aber der Funke springt trotzdem über, denn Krömers Fabulierlust macht einfach Freude.

Einziger Kritikpunkt: Ich hätte gerne ein paar Seiten mehr gehabt, gerne auch ein ganzes Kapitel, um mich noch tiefer in das Dunkle, das unheilvoll Drohende hinter der vordergründig inszenierten Heiterkeit verlieren zu können.

Ach ja, und bevor ich es vergesse, Wein gibt es natürlich auch, zu jedem Kapitel eine andere Sorte. Doch auch ohne fühlt man sich während der Lektüre ständig ein wenig wie leicht beschwipst.

Gerne gelesen, gerne empfohlen!

  • Autor: Philip Krömer
  • Titel: nôt: Der letzte Liebesroman
  • Verlag: Septime Verlag
  • Erschienen: 13. Juli 2026
  • Einband: Gebundene Ausgabe
  • Seiten: 132 Seiten
  • ISBN: 978-3991200888

Wertung: 12/15 dpt

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