David Walker & Sanford Greene – Marvels Power Man und Iron Fist: Vier Fäuste für Manhattan (Comic)

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Walker/Greene - Power Man und Iron Fist Cover © Panini/MarvelNeben den allseits bekannten berühmten Comicfiguren wie Iron Man, Spider Man, den Fantastischen Vier und den X-Men, die seit Jahrzehnten in jedem Bahnhofsgeschäft die farbenfrohen Regale mit den Comics abseits der Mangas beherrschen, gab und gibt es auch im Hause Marvel weniger bekannte Figuren, die immer mal wieder Gastauftritte haben oder in eigenen Kurzserien auftreten. Mit dem Erfolg der Marvel-Adaptionen im Kino wuchs die Fangemeinde und es folgten neue Trick- und Realfilmadaptionen im Serienformat. Ganz ähnlich der langfristig vorbereiteten Geschichten rund um die Avengers, Thor, Captain America, den Hulk und die Guardians of the Galaxy, die letzten Endes in einem Handlungsstrang münden, gibt es auch in Marvels Serienuniversum ein am Horizont aufziehendes Heldenteam.

Die Rede ist von den Defenders – Namentlich Iron Fist, Power Man, Daredevil und Jessica Jones. Luke Cage (alias Power Man) soll eine zweite Staffel bekommen und Iron Fist (Daniel „Danny“ Rand) ist seit einigen Wochen bei Netflix im Programm. Das vorliegende Comicbuch hat mit dem Serienkosmos zwar die Figuren, nicht aber die Handlung gemeinsam. Das sieht man schon daran, dass Luke Cage und die toughe Privatdetektivin Jessica Jones nicht nur verheiratet sind, sondern auch zwei nicht mehr ganz kleine gemeinsame Kinder haben. Iron Fist und Luke Cage kämpften bereits früher gemeinsam in den Straßen von Manhattan und zwar als „Helden für Geld„.

Wieder vereint

Um ihrer ehemaligen Sekretärin aus dieser Zeit Jennie Boyce nach einem längeren Gefängnisaufenthalt (dessen Ursache auch in den Abenteuern des Duos zu suchen ist) wieder auf die Beine zu helfen, arbeiten die beiden grundverschiedenen Haudegen nach bester Bud Spencer- und Terence Hill-Manier wieder einmal gemeinsam.

Jennie möchte zumindest ein Stück aus ihrem alten Leben zurück, und zwar die Kette ihrer Großmutter. Doch während Luke zu ahnen glaubt, dass an der Kette mehr dran ist, als es zunächst den Anschein hat, möchte Danny einfach helfen und gewährt seiner ehemaligen Sekretärin dabei uneingeschränktes Vertrauen. Die Kette war zwischenzeitlich im Besitz von Lonnie Lincoln, der treuen Marvel-Lesern besser als Tombstone bekannt sein dürfte. Dieser Gangsterboss setzt daraufhin einiges in Bewegung, um die Kette zurück zu bekommen.

Die Dialoge und Szenen irrlichtern im Verlauf des Comics zwischen den Blues Brothers- und Lethal Weapon-Filmen hin und her. Danny würde die „Band“ so gerne wieder zusammenbringen aber Luke betrachtet die gemeinsame Vergangenheit weniger verklärt und möchte nur den frisch begonnenen Schlamassel aufklären.

Experten für Mythisches

Im Gefängnis hat Jennie von ihrer Zellengenossin Nekra Sinclair gelernt, den Supersoul-Stein zu benutzen und versucht nun diese Macht mit ihrer Knastfreundin Black Mariah einzusetzen, um Tombstone vom Thron des organisierten Verbrechens zu verdrängen und sich an allen zu rächen, die ihr so übel mitgespielt haben. Als Luke und Danny von der Macht der Kette erfahren, versuchen die beiden „Heroes for Hire“ den Stein zurück zu bekommen und ihre Freundin wieder zur Vernunft zu bringen. Ob das ein neuer Anfang für weitere Abenteuer ist?

4 Fäuste für Manhattan

Der Titel des Comicbuchs dürfte nicht ohne Grund an die Spaghetti-Western meiner Kindheit angelehnt sein. Buddy-Action, wie sie im Buch steht, findet sich hier beinahe auf jeder Seite. Zahllose alte Bekannte (Tombstone, Black Tarantula, Dr. Strange und Spider Woman) bevölkern die schreiend bunten Action geladenen Seiten und machen den Band zu einem kleinen Revival – in Manhattan trifft man scheinbar an jeder Ecke auf Superschurken und -helden ganz besonders gerne tummeln sich letztere allerdings im „Excelsior Diner“, ein besonders gelungener Gag schon im Namen der Location für alle Stan Lee Fans! Neben dem spannenden Plot rund um den Supersoul-Stein steht über dem ganzen Abenteuer die Frage, ob die „Helden für Geld“ sich zu einer Reunion entschließen können. Das wäre ein Fest für die Community.

Art-Mix: 70er-Vibe, Netflix-Impressions und Buddy-Movies

Es ist die Mischung aus dem verrückt bunten (Comic-)Stil der 70er, die Aktualität der Charaktere durch Netflix und Co und die Elemente eines typischen Buddy-Movies, die den vorliegenden Band zu einem ganz besonderen Kleinod unter den Marvel-Comics machen. Die Bildaufteilung erinnert häufig an Schnitte aus Action-Filmen oder in Dialogen einer Breitbild-Leinwand-Optik – alles in allem sehr cineastisch. Gekonnt umgesetzt sind auch die Einführung neuer Charaktere und Schauplätze in kleinen Infoboxen. Die Geschichte strotzt dabei von Anspielungen auf Marvelhelden und -schurken und andere Storylines. Mein persönliches Highlight ist das Gefährt im Stil des urururalten Fantasti-Cars das Danny „mithilfe von Bauplänen aus dem Internet“ als neues Gefährt für das „einzig wahre dynamische Duo“ gebaut hat. Ein Fest für Fans und zugleich ein guter Einstieg, denn es beginnt etwas Neues. Erfreulicherweise stellt der Band den Auftakt zu einer neuen Serie dar und ich bin gespannt, ob die Autoren diese Qualität halten können. Neben dem Hauptplot hat mich insbesondere der letzte Teil begeistert. Hier wird ein und dieselbe Straftat brüllend komisch aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet und offenbart so viel Humor, wie ich ihn in Superheldencomics nur selten erlebt habe, ohne dass es deplatziert wirkt.

In dem Band enthalten sind 5 Teile, die im Original von April 2016 bis August 2016 als einzelne Hefte erschienen. Darüber hinaus darf sich der Leser noch über einige Extras freuen: An Cover und Backcover gibt es jeweils noch eine hochwertige Heftlasche, auf der vorne in einer Art Galerie die Covers der einzelnen Hefte abgedruckt sind, und hinten werden andere Hefte angeteasert, die mit den Serien in Verbindung stehen.

Im hinteren Teil des Heftes findet sich außerdem eine Variant-Cover-Galerie, in der die verschiedensten Entwürfe anderer Künstler für die einzelnen Hefte vorgestellt werden: Genial! Ein Cover ist besser als das andere. Last but not least werden auf der letzten Seite noch die Künstler (also die beiden Zeichner Sanford Greene und Flaviano sowie der Autor David Walker) vorgestellt.

Fazit

Ein genialer Auftakt für eine neue Serie mit vielen spannenden Gastauftritten, die Lust auf mehr machen. Tolle Charaktere, die verschiedener nicht sein könnten. Ein beeindruckender Zeichenstil, der den Retro-Charme gekonnt mit aktuellen Lesegewohnheiten verbindet und eine spannend erzählte Geschichte in einem haptisch hochwertigen Gewand, die Lust auf mehr macht.

Cover © Panini Comics/Marvel

  • Autor: David F. Walker
  • Zeichner: Sanford Greene
  • Titel: Power Man und Iron Fist: Vier Fäuste für Manhattan
  • Originaltitel: Power Man and Iron Fist 
  • Übersetzer: Bernd Kronsbein
  • Verlag: Panini Comics (Marvel)
  • Erschienen: 03/2017
  • Einband: Softcover
  • Seiten: 116
  • ISBN: 978-3-7416-0159-0
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite beim Verlag
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 14/15 dpt


Über den Autor

David J. Weigel


Zur Zeit darf ich im schönen Hannover studieren… Das ist diese unscheinbare aber irgendwie sympathische Halbmillionen-Stadt an der A7 zwischen den großen Metropolen. Besonders im Spätsommer, da kann man Glühwürmchen im Stadtpark sehen…

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von David J. Weigel Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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