Margret Schepers – „… und wir träumten vom Matriarchat“ (Roman)

Eigentlich wollte Susa ihr Leben endlich etwas ruhiger angehen lassen. Die Kinder sind aus dem Haus, die Buchhandlung in Heidelberg, in der sie bis vor kurzem arbeitete, hat dicht gemacht, und Ehemann Abraham gönnt sich gerade eine Weltreise. Zeit, um etwas für sich selbst zu tun. Susa plant ebenfalls eine Reise nach Südamerika, um sich dort später mit Abraham zu treffen. Doch dann wird in einem nahen Waldstück eine unbekannte männliche Leiche gefunden, ehemalige Weggefährtinnen melden sich, Erinnerungen brechen wieder auf und Susa wird Hals-über-Kopf von ihrer Vergangenheit eingeholt.

Trotz Leiche im Wald entwickelt sich „und wir träumten vom Matriarchat“, erschienen im Kurpfälzischer Verlag, nicht zum klassischen Krimi. Vielmehr legt Margret Schepers ein lebendiges, bisweilen recht turbulentes Porträt jüngsten Zeitgeschehens vor.

Die Handlung wechselt in rascher Folge zwischen Gegenwart im Jahr 2018 und jüngster Vergangenheit in den Jahren 1976 bis 78. Basierend auf realen lokalen Begebenheiten porträtiert Schepers in Rückblicken die Anfänge der Frauenbewegung in Heidelberg. Im Mittelpunkt steht Studentin Susa, die Ende der Siebziger quasi mittellos und ungewollt schwanger Hilfe in einer Frauen-WG findet.

Seine enorme Energie verdankt der Roman den zahlreichen, sehr unterschiedlichen Frauenfiguren, die Schepers in häufigen Szenenwechseln darstellt. Konflikte sind an der Tagesordnung. Verschiedene Weltanschauungen werden vertreten. Die WG repräsentiert die junge Frauenbewegung mit ihren oft sehr gegensätzlichen Strömungen und inneren Kämpfen. Dabei lässt die Autorin auch das allgemeine gesellschaftliche Klima nicht außer Acht. Studentenbewegung, Notstandsgesetze, RAF-Terrorismus beherrschen den öffentlichen Diskurs. Die junge feministische Bewegung erlebt Anfeindungen und Misstrauen von staatlicher und allgemeingesellschaftlicher Seite.

Indem Schepers Gegenwart und Vergangenheit nebeneinanderstellt, entsteht ein direkter Vergleich zwischen aktueller weiblicher Lebensrealität und den damaligen Erwartungen und Forderungen. Die Bilanz ist in großen Teilen ernüchternd. Noch immer kämpfen Frauen um Abschaffung des Paragrafen 218, noch immer dominieren patriarchale Strukturen Politik und Justiz.

Es ist Schepers hoch anzurechnen, wie sie ihre Figuren zu keiner Zeit idealisiert. Ihre Darstellung basiert nicht auf einer „Frauen sind die besseren Menschen“-Vorstellung, im Gegenteil. Sie gesteht ihren Figuren weiträumig Fehler zu. Und auch die oft idealisierte weibliche Solidarität wird von ihr auf ein wirklichkeitsnahes Bild zurechtgestutzt. Sie porträtiert den Feminismus sozusagen aus dem Inneren heraus.

Stellenweise empfand ich die dargestellte Vielfalt etwas unübersichtlich. Die Entwicklung mancher Charaktere wird stark an der Oberfläche verhandelt, so dass nicht alle Reaktionen der Protagonistinnen schlüssig erscheinen.

Dennoch: Die zeitlose Aktualität der verhandelten Themen verdient Aufmerksamkeit. Der Krimi-Plot hält die Handlung klug zusammen. Die durch die Zeitsprünge ausgelösten Cliffhanger sorgen für Spannung. Stilistisch begegnet Schepers ihren Leser:innen umgangssprachlich. Das Ergebnis ist ein kurzweiliger, sehr lebendiger Text mit interessanten Einblicken auf eine gar nicht so weit zurückliegende Zeit, die dennoch teilweise schon wieder in Vergessenheit gerät.

  • Autorin: Margret Schepers
  • Titel: „… und wir träumten vom Matriarchat“
  • Verlag: Kurpfälzischer Verlag
  • Erschienen: März 2026
  • Einband: Gebundene Ausgabe
  • Seiten: 304 Seiten
  • ISBN: 978-3910886179

Wertung: 11/15 dpt

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