Simon Ammer – Auf dem Gipfel ist Ruh‘ (Buch)

Morde am Fuße des Toten Gebirges

Oberst Benedikt Kordesch arbeitete viele Jahre als Kriminalpolizist bevor er 2017 in die Abteilung Kriminalprävention und Opferhilfe beim BKA Wien wechselte. Ein Schreibtischjob, der einem tragischen Verkehrsunfall geschuldet ist. Doch gelegentlich benötigt die Oberstaatsanwältin Wiltrud Krakauer seine Hilfe als Sonderermittler in besonders prekären Fällen, so auch jetzt.

Pfingsten steht vor der Tür und dies bedeutet, dass sich die Familie Kolin zum jährlichen Treffen in der Pension Lechner in Vorderstoder einfindet. Am Donnerstag gibt es eine erste Wanderung beim Pießling-Ursprung im Toten Gebirge, bei dem Bernhard, Sohn des Familienoberhauptes Hermann Kolin, zusammenbricht. Wenig später stirbt er im Krankenwagen. Der Familie Kolin gehört die „Sonne“, größte Boulevardzeitung Österreichs, ebenso erfolgreich wie umstritten. Krakauer legt Wert auf absolute Verschwiegenheit, nichts darf an die Öffentlichkeit drängen, andernfalls würden bei Polizei und Justiz Köpfe rollen. Kordesch muss auf sich allein gestellt ermitteln, allein der Forensiker Munzenrieder in der Gerichtsmedizin Linz ist eingeweiht. Dieser stellt fest, dass Bernhard Kolin vergiftet wurde.

Kordesch mietet sich in der Pension Lechner ein, wo bereits am Folgetag ein zweites Verbrechen begangen wird. Irmgard Kolin, Hermanns Frau, wurde ebenfalls vergiftet und stirbt. Die Familie Kolin steht unter der strengen Aufsicht des Familienoberhauptes, Kordesch ermittelt unter schwierigen Bedingungen in einem wahren Wespennest. Nicht nur Familienangehörige, deren Firmenanteile nun steigen, sondern auch andere Gäste der Pension bis hin zur Gastwirtin selbst haben ihre Motive. Doch wenn fast alle die Wahrheit verschweigen oder zu ihren Gunsten drehen, wie soll man da Erfolg haben? Mit Ehrgeiz und Beharrlichkeit, trotz aller Aufrufe aus Wien zur strikten Diskretion.

Zweiter Fall für Oberst Kordesch

Nach „Das Paradies war früher schöner“ ermittelt Oberst Benedikt Kordesch in seinem zweiten Fall aus der Feder von Simon Ammer, ein Pseudonym des österreichischen Schriftstellers Daniel Wisser. Orte der Handlung sind Wien und Linz sowie einige Ortschaften am Toten Gebirge wie Vorderstoder, Hinterstoder oder Windischgarsten in Oberösterreich. Der titelgebende Gipfel ist der Große Priel, den Kordesch sogar selbst besteigen wird.

„Auf dem Gipfel ist Ruh‘. So heißt es doch bei Goethe, oder?“

„Ja. Auf dem Gipfel ist Ruh‘. Iss ein Kipfel dazu!“

„In einem fort machen sie sich über mich lustig.“

„Warum glauben Sie das?“

„Ich habe falsch zitiert. Stimmt’s?“

„Auf dem Gipfel ist Ruh’“ ist ein klassischer Cosy, ein Wohlfühlkrimi, in dem die Atmosphäre und teils skurrile Figuren im Mittelpunkt stehen. Bei Oberst Kordesch fängt es schon an, der seine Ermittlungen an der Seite eines Stoffkrokodils durchführt, welches er versehentlich bei einem Treffen hat mitgehen lassen. Sechs Jahre nach der Scheidung hat es Kordesch unverhofft wieder eine Frau angetan, was zudem noch auf Gegenseitigkeit beruht. Doch aller Anfang ist bekanntlich schwer, es kommt zu herrlichen Dialogen.

Verdächtige gibt es reichlich, man könnte meinen, man wäre in einem Roman von Agatha Christie gelandet, wo mitunter alle Personen ein Motiv haben. Man darf rätseln, wer der Mörder oder die Mörderin ist, wobei der Roman ein wenig dialoglastig ist. Hier kommt es zwangsläufig zu einigen Wiederholungen, da alle Gäste in der Pension zu den gleichen Themen befragt werden müssen. Dabei ergeben sich einige Abgründe, nicht nur in der Familie Kolin. Wer derartige Rätselkrimis mag, kann bedenkenlos zugreifen. Der Schreibstil ist unaufgeregt locker, der Protagonist sympathisch, wenngleich ein wenig aus der Zeit gefallen und ein unterschwelliger Humor sorgt zudem für gute Unterhaltung. Ein Glossar sorgt für die Übersetzung „Wiener Ausdrücke“, allerdings versteht man das Meiste problemlos, ohne ständig Vorblättern zu müssen.

  • Autor: Simon Ammer
  • Titel: Auf dem Gipfel ist Ruh‘
  • Verlag: Droemer
  • Umfang: 304 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Mai 2025
  • ISBN:   978-3-426-44855-7
  • Produktseite

Wertung: 12/15 dpt

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