Römische Mythologie und die Jagd auf einen Serienmörder

Kopenhagen. Sara Levin und ihr Partner Janus West haben sich nach der Verhaftung eines brutalen Sadisten ein Feierabendbier verdient. Allerdings wartet bereits der nächste Fall, denn in einer Trafo- und Umspannstation wurde ein bizarr inszenierter Leichnam gefunden. Kristian Staldgaard, ein alter und erfahrener Ermittler, ist als Erster am Tatort und reklamiert den Fall für sich. Allerdings hat Sara aufgrund eines FBI-Workshops in Amerika über Täterprofile von Serienverbrechern womöglich etwas mehr des erforderlichen Spezialwissens. Nach kurzer Diskussion überträgt der Leiter der Mordkommission Jens Falk ihr die Ermittlungsleitung und in der Tat hat es der Fall in sich. Auf dem Leichnam befinden sich Eiskristalle, da dieser tiefgefroren wurde. Zwei römische Münzen bedecken die Augen des Toten, dessen Gesicht völlig entstellt ist. Auch weitere Details weisen darauf hin, dass der Täter von der Antike besessen ist. So ist der Name „Provocator“ auf dem Körper des toten Mannes eingeritzt, was Herausforderer bedeutet.
„Der Täter hat das Opfer also erschlagen, dann wieder ordentlich hergerichtet und tiefgefroren, bevor er es hierhergebracht hat.“
„Und eine Trafostation zu einem antiken Mausoleum umgestaltet. Bin gespannt, was noch alles kommt.“
Als ein weiteres Opfer gefunden wird, das auf ähnliche Weise zugerichtet wurde, entscheidet sich Falk als besonderen „Ermittler“ Saras Bruder Adam hinzuziehen. Adam ist Profiler und Experte für Serienverbrechen, arbeitete mehrere Jahre für das FBI. Wie sich herausstellt nimmt der Fall schnell eine sehr persönliche Entwicklung für Sara an, denn die Recherchen ergeben, dass die beiden Münzen echt und sehr kostbar sind. Sie zeigen auf einer Seite einen Skorpion, Zeichen der Prätorianer, der kaiserlichen Leibgarde. Schlimmer ist jedoch, dass die Münzen einst Christian Levin gehörten. Professor für Geschichte, ein Experte für das Römische Reich, der Vater von Sara und Adam und seit über zehn Jahren Gefängnisinsasse wegen Mordes.
„Perfekter“ Mainstream-Thriller
Tobias Bukkehave hat mit „Der Prätorianer“ einen mehr als grundsoliden Thriller hingelegt, der zwar das Serienmörder-Genre nicht neu erfindet, aber dennoch aus der Masse herausragt. Es fängt damit an, dass die beiden Geschwister sich nach der Verhaftung des Vaters auf Distanz zueinander gegangen sind. Sara zweifelte nie an dessen Schuld im Gegensatz zu Adam. Nun müssen sie gemeinsam einen gefährlichen Wahnsinnigen stoppen, der ein Faible für die römische Mythologie zu haben scheint und sich insbesondere für Juventas (so der Originaltitel des Romans), der antiken römischen Göttin der Jugend, interessiert. Diese will er, der Prätorianer, beschützen, womit eine junge, überaus erfolgreiche Sängerin mit eben jenem Künstlernamen gemeint ist.
„Du vergisst die Münzen, Adam. Komm schon. Er sieht sich als Prätorianer. Und was ist die Rolle eines Prätorianers?“
„Er … er kämpft für das Reich?“
„Versuch es noch mal.“
„Nein. Er kämpft nicht. Der Prätorianer beschützt. Er ist der ultimative Beschützer.“
Sara und Adam müssen gemeinsam mit Janus den Fall angehen und stoßen dabei immer wieder auf kleine Spitzen des sich übergangen gefühlten Kollegen Staldgaard. Die Ermittlungsarbeit nimmt den überwiegenden Raum der Handlung ein und wird mitunter kleinteilig beschrieben. Ein erster Verdächtiger ist bald gefunden, doch die Beweislage ist dünn. So sieht sich Sara gezwungen, nach über einem Jahrzehnt Kontakt zu ihrem Vater aufzunehmen und diesen im Gefängnis zu besuchen. Christian Levin ist es dann auch, der den Hinweis auf Juventas erkennt, nachdem ein Kollege auf eine andere Gottheit tippte und somit die Ermittler in eine falsche Richtung verwies.
Bizarr anmutende Tatorte, reichliche Ausführungen zur römischen Antike und Mythologie sowie mehrere Morde sorgen für spannende und packende Unterhaltung. Die besondere Beziehung zwischen den Geschwistern und wiederum deren Beziehung zu ihrem Vater sowie die Anspannungen unter den Ermittlern tragen ebenfalls dazu bei, dass man das Buch zügig durchlesen will. „Der Prätorianer“ ist ein lupenreiner Pageturner, der sich dessen genreüblichen Elementen reichlich bedient, gleichwohl mit dem dargestellten Setting für Überraschungen sorgt. Bis zum Finale werden die Gewaltexzesse des Mörders erst im Nachhinein beschrieben, wenn die Ermittler mit diesen am jeweiligen Tatort konfrontiert werden. So nimmt der Autor ein klein wenig Grauen heraus und es entsteht nicht der Eindruck eines Gewaltpornos, in dem der Mörder haarklein bei seinen ausufernden Taten minutiös begleitet wird.
Der Roman endet – nein, kein Spoiler – damit, dass eine neue, landesweit tätige Ermittlungseinheit gegründet werden soll. Es darf also mit weiteren Fällen für das Trio Sara und Adam Levin sowie Janus West gerechnet werden. Dann erfährt man womöglich auch ein wenig mehr über deren Privatleben, welches bislang überwiegend nicht existent scheint.
- Autor: Tobias Bukkehave
- Titel: Der Prätorianer
- Originaltitel: Juventas. Aus dem Dänischen von Thomas Altefrohne und Knut Krüger
- Verlag: dtv
- Umfang: 416 Seiten
- Einband: Taschenbuch
- Erschienen: August 2026
- ISBN: 978-3-423-45068-3
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Wertung: 12/15 dpt







