Michael Idov – Das Riga-Komplott (Buch)

Moderner, temporeicher Agententhriller

August 2021. Ari Falk, CIA-Agent, betreibt in Riga offiziell eine Medienagentur deren Aufgabe darin besteht, Russland-kritische Beiträge und Fehlinformationen zu verbreiten. Jetzt will er sich mit Anton Basmanny treffen, dem meistgehassten Blogger im Kreml, da dieser zuletzt mit einem Beitrag den stellvertretenden russischen Verteidigungsminister zu Fall brachte. Doch sein Flug aus Antalya landet nicht in der lettischen Hauptstadt, sondern dank einer MIG-29 in Minsk. Dort wird Anton mit einem Ehepaar, das sich ebenfalls an Bord befand, festgenommen. Während er auf sein Verhör wartet, fallen im Nebenraum zwei Schüsse. Anton gesteht daraufhin, ein amerikanischer Agent zu sein und darf in die Türkei zurückfliegen, wo ihn Falk trifft. Doch ein Kontaktgift sorgt dafür, dass Anton kurz darauf stirbt. Zurück in Riga wird Falks Agentur gestürmt, weitere Tote folgen und Falk sinnt auf Rache. Seine einzige Spur führt ihn nach Tanger.

„Ich habe meinen Kollegen davon erzählt, die sich auf die Suche nach den beiden gemacht haben. Dann waren meine Kollegen tot.“

„Ein zeitliches Zusammentreffen, nicht unbedingt eine kausale Folge.“

„Absolut. Dann macht es Ihnen hoffentlich keine Sorgen, dass ich hier bin und Ihnen davon erzähle. Oder?“

In Los Angeles erfährt die dreiundzwanzigjährige Maya aus dem Medien, dass sich ihr Vater Paul Obrandt, ein milliardenschwerer Fondsmanager, umgebracht hat. Angeblich stürzte er sich von einer Yacht ins offene Meer, seine Leiche wurde nie gefunden. Kurz nach seinem Tod stellt Mayas Mutter fest, dass nahezu das gesamte Milliardenvermögen des Fonds verschwunden ist. Derweil reist Maya nach Portugal, wo ihr Vater ihr ein neu gekauftes Haus hinterlassen hat. Dort erhält sie einen Hinweis, dass ihr Vater womöglich noch lebt und sich in Tanger aufhalten könnte. Stattdessen trifft sie auf Falk und fortan geraten beide in ein wahres Wespennest. Lang zurückliegende Ereignisse, die sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zutrugen, wirken in die Gegenwart. Beide kommen zunächst unwissentlich einer Verschwörung auf die Spur, die sie nach Moskau führt. Wer aber ist der große Unbekannte, der die Strippen zieht und schonungslos alle Zeugen beseitigen lässt?

Erster Fall für Ari-Falk-Trilogie

Michael Idov ist Amerikaner, wurde jedoch in Lettland geboren und wuchs in Riga unter sowjetischer Besatzung auf. Seine früheren Bücher schrieb er auf Englisch und Russisch, seit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine werden sie nur noch auf Englisch veröffentlicht. Seine durchweg negative Sicht auf Russland dürfte nicht zuletzt seiner eigenen Biografie geschuldet sein. Aufgrund der aktuellen politischen Lage ist sie aber ohnehin verständlich. Dabei gab es, lange ist es her, eine Chance für eine Demokratie in Russland. Auch davon erzählt Idov in „Das Riga-Komplott“.

„Pawlik mochte bei seiner Ausreise erst vierzehn gewesen sein, hatte die wesentliche Lektion des sowjetischen Lebens aber schon verinnerlicht: Alles war Scheiße.“

Wie die meisten Agentenromane muss man „Das Riga-Komplott“ mit einer gewissen Konzentration lesen, wenngleich der Schreibstil äußerst flüssig und unterhaltsam ist. Für ein „zwischendurch in der Straßenbahn lesen“ ist es jedenfalls ungeeignet. Vor allem ab der zweiten Hälfte, wenn sich die Zusammenhänge der einzelnen Ereignisse vermeintlich aufklären, wird es mitunter undurchsichtig, da es noch ein paar Wendungen „on top“ gibt.

„Ich würde sie befragen, natürlich. Ich könnte sogar gezwungen sein – es tut mir leid, aber wir sind hier unter Erwachsenen –, sie nach der Befragung zu liquidieren. Aber, Mr. Falk, sahen die Schläger, die Ihr Büro überfallen haben, so aus, als wollten sie mit Ihnen reden?“

Die beiden Hauptfiguren, Falk und Maya, sind ein ungewöhnliches Doppel. Hier der erfahrene Agent, der mit seiner aktuellen Tätigkeit hadert, dort die junge Milliardärs Tochter, die seit knapp zwei Monaten trocken ist. Während Falk strukturiert vorgeht, ist Maya eher impulsiv, was zu gefährlichen Situationen und unterhaltsamen Dialogen führt. Gleichwohl, wie in diesem Genre nicht unüblich, geht es weniger um genaue Figurenzeichnungen, sondern um den Plot und die begleitende Action. Letztere gibt es reichlich, bei der Zahl der zu Tode kommenden Personen verliert man irgendwann den Überblick. Beim Plot selbst heißt es, wie erwähnt, aufpassen. Allerdings wird nicht alles aufgeklärt, denn es handelt sich um den Start einer Trilogie, deren zweiter Band im Original bereits erschienen ist.

Wer einen zeitgemäßen Agententhriller lesen möchte, ist bei Idov in guten Händen.

  • Autor: Michael Idov
  • Titel: Das Riga-Komplott
  • Originaltitel: The Collaborators. Aus dem Amerikanischen von Stefan Lux
  • Verlag: Suhrkamp
  • Umfang: 328 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Februar 2026
  • ISBN: 978-3-518-47527-0
  • Produktseite

Wertung: 12/15 dpt

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