Atmosphärisch dichter Krimi aus Köln zur Kaiserzeit

November 1910. Sechs Monate ist es inzwischen her, dass Greta Klug, die Freundin von Kommissar Martin Ehrmanns, verschwand. Damals wurde sie von dem Kohlenträger Mattes Ostenbrink belästigt und bedroht, doch der sitzt wegen ähnlicher Vergehen im Gefängnis. Dachte jedenfalls Ehrmanns, denn Ostenbrink ist seit kurzer Zeit wieder frei. Zwei Tage nach der zufälligen Begegnung mit Ostenbrink wird Ehrmanns zur Straße Gereonsdriesch gerufen, wo in einem Kasten, der als Zwischenlager für den Winterdienst Sandsäcke bewahrt, eine Frauenleiche entdeckt wurde. Ihr Gesicht ist bis zur Unkenntlichkeit zerschlagen, zudem trägt sie eine sogenannte Grinkopfmaske, aber Ehrmanns ist sich dennoch sicher, dass die Tote seine Greta ist, denn sie trägt einen roten Tanzschuh, der speziell für sie von einem Fachgeschäft angefertigt wurde und ihre Initialen trägt.
Wegen Befangenheit wird Ehrmanns sofort von dem Fall abgezogen und in den fünften Kriminalbezirk versetzt, dessen zuständiger Kommissar sich in Kur befindet. Arbeit gibt es dort aktuell nicht und so stößt Ehrmanns auf einen abgeschlossenen Fall. Am Rosenmontag verschwand nach einem Maskenball die einundzwanzigjährige Amanda Pelzinghoff, deren Leichnam zwei Tage später in einem stillgelegten Bierkeller gefunden wurde. Angeblich hatte sie dort ein Stelldichein mit einem Liebhaber, wobei eine Eisenleiter umfiel und sie erschlug. Aber warum hat ihr Liebhaber dann nicht die Polizei gerufen, statt sie halbnackt dort liegen zu lassen?
Den Dämon von Köln findet man weder bei den Grinköpfen noch unter den Steinfiguren im Kölner Dom. Das sind lebende Menschen, die ihre Mitmenschen vernichten, weil sie nicht nach ihrem Gusto funktionieren.
Ehrmanns Neugier ist geweckt. Seine inoffiziellen Recherchen führen zur Rundbahn, einem Lotterieskandal sowie in eine Rechtsberatungsstelle für Frauen. Gemeinsam mit seiner Revierschreiberin Gerda „Biene“ von Bienemann steigen diese immer tiefer in einen undurchsichtigen Fall ein, bis Biene dem Täter gefährlich nahekommt.
Zweiter Fall für Kommissar Martin Ehrmanns
Nach „Flammender Himmel über Köln“, der im Mai 1910 spielt, ist der vorliegende zweite Fall ein halbes Jahr später angesiedelt. Die Figuren auf Polizeiseite sind weitgehend bekannt, wobei die Revierschreiberin Biene eine Besonderheit darstellt, da sie einerseits für die damalige Zeit als Frau recht forsch auftritt und zudem für die Polizei arbeitet. Frauen gab es damals noch nicht im Polizeidienst, aber sie ist ja auch keine Polizistin, sondern nur Stenotypistin, was sie ihrem „Onkel“ zu verdanken hat, der wiederum Chef der Kölner Kriminalpolizei ist. Ehrmanns und Biene bilden ein ungewöhnliches, aber durchweg sympathisches Duo. Bei beiden fällt allerdings auf, dass sie anscheinend kein Privatleben haben, was üblicherweise in Kriminalromanen einigen Platz in Anspruch nimmt. Eine wohlwollende Abwechslung, möchte man meinen.
Der Krimiplot ist klassisch aufgebaut. Früh kommt es zu dem Mord am Gereonsdriesch, so dann beginnen die Ermittlungen, wobei zeitnah ein zweiter, eigentlich schon abgelegter Fall wiederbelebt wird. Zahlreiche Zeugen werden befragt, Verdächtige aufgebaut, so wie es sein soll. Dabei legt Autorin Gabriele Goslich sehr viel Wert auf Lokalkolorit. Zahlreiche Restaurant- und Brauhausbesuche, in denen Kölsch nicht nur getrunken, sondern auch gesprochen wird, machen den Roman ebenso lebendig und stimmungsvoll wie die Beschreibung zahlreicher Gebäude und Straßen, wobei bei der Vielzahl der Straßennamen ein wenig übertrieben wird.
Nicht zuletzt werden einige historische Gegebenheiten betrachtet, was, wie erwähnt, bei Biene schon anfängt. So dürfen Frauen erst seit 1908 an deutschen Universitäten studieren, weswegen sich die Mitarbeiterinnen der Rechtsberatungsstelle an männliche Anwälte halten müssen. Auch der sogenannte „Gehorsamkeitsparagraph“ nach § 1354 BGB sei erwähnt, wonach selbst nach der Volljährigkeit der Tochter der Vater einer Eheschließung zustimmen musste. Im Juni 1957 wurde der Paragraph ersatzlos gestrichen.
- Autorin: Gabriele Goslich
- Titel: Der Dämon von Köln
- Verlag: Gmeiner
- Umfang: 400 Seiten
- Einband: Taschenbuch
- Erschienen: Mai 2026
- ISBN: 978-3-8392-8078-2
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Wertung: 12/15 dpt







