Mike Nicol – Die Schakalin (Buch)

Krachender Serienauftakt aus Kapstadt

Captain Zara Dewane leitet die Abteilung für Innere Ermittlungen am Westkap und ermittelt gemeinsam mit ihrem Warrant Officer Wynston Adams, womit alle Mitarbeiter der Abteilung namentlich genannt wären, in einem denkwürdigen Fall. In der abgelegenen Hafenstadt Saldanha hat der Constable Pietman Malgas seine beiden Kinder, seine Frau und zuletzt sich selbst erschossen. Ein trauriges Familiendrama, gäbe es da im angrenzenden Schuppen nicht noch ein beeindruckendes Waffenlager. Dewane arbeitete zuvor als Dienststellenleiterin in Saldanha, deren Nachfolgerin Captain Alicia Hendricks alles andere als begeistert ist. Die Innere Ermittlung ist allgemein verhasst, alles Nestbeschmutzer. Kein Wunder, dass Dewane den Spitznamen „Schakalin“ erhalten hat, denn der Schakal ernährt sich von den Leichen anderer (Kollegen).

„Schakalin – der Spitzname, den man ihr verpasst hat. Sie hat kein Problem damit, wenn man sie so nennt. Schakale sind Tiere, die aufräumen. Sie lassen nur die Knochen zurück, die dann in der Sonne bleichen.“

Dewane und Adams entdecken schnell Unterlagen, die darauf hindeuten, dass Malgas in illegale Waffengeschäfte verwickelt war. Was sie noch nicht ahnen ist, dass diese von Hendricks und Oberst Kaiser Vula vom Geheimdienst organisiert werden. Zunächst muss sich Dewane aber ohnehin auf eine Gerichtsverhandlung am nächsten Tag vorbereiten, denn es gibt dort eine Anhörung gegen Sergeant Langa Mpho dem in zwei Fällen eine Vergewaltigung vorgeworfen wird. Als Dewane abends nach Hause kommt, fährt ein blauer Wagen vorbei, aus dem Schüsse auf ihr Haus abgegeben werden. Ihr Nachbar wird getroffen, im Wagen saßen (unerkannt) Mpho und dessen Partner Sergeant „Exit“ Kutoka.

Am nächsten Tag geht es dramatisch weiter. Eine Zeugin erscheint nicht vor Gericht, Mpho darf gehen und wird kurz darauf gegenüber Dewane tätlich. Danach folgt die Nachricht, dass der Nachbar seiner Schussverletzung erlegen ist und das Brigadier Sipho Mpungose erschossen wurde. Mpungose war der zweite Mann im Polizeigeheimdienst und ein wichtiger Rückhalt für die Abteilung Innere Ermittlung. Sein Nachfolger soll ausgerechnet Oberst Vula werden, der nach höheren Rängen strebt. Derweil lässt sich Hendricks auf neue Waffengeschäfte mit Tamora Gool, der Bandenchefin der Mongols ein. Als Dewane und Adams ein solches Waffengeschäft beobachten wollen, kommt es zu einem weiteren tödlichen Vorfall, die die Lage eskalieren lässt.

My lewe fok, Eloise

Mike Nicol ist unter anderem durch seine vierteilige Kapstadt-Reihe vielen Krimifans in Deutschland bekannt. Er gilt als einer der führenden Krimiautoren Südafrikas und darf problemlos mit Deon Meyer (Bennie-Griessel-Reihe) oder Malla Nunn (Emmanuel-Cooper-Reihe) verglichen werden, Margie Orford und ihre Clare-Hart-Romane nicht zu vergessen. Mit „Die Schakalin“ startet Nicol eine neue Serie, die gewohnt knallhart und actionreich daherkommt. Was will man auch erwarten, wenn die Mörder und Verbrecher fast ausschließlich der Polizei angehören?

„Wahrscheinlich ist dir auch schon zu Ohren gekommen, dass mich meine Leute nicht mehr in ihren Reihen wollen.“

„Yep, ist zu mir durchgedrungen. Ich versteh allerdings nicht, warum sie es besser finden, wenn du sie von draußen anpinkelst.“

Nicol ist für seine Härte bekannt, kein Fall für Feingeister. Doch wie soll es anders sein, wenn Kapstadt als eine der gefährlichsten Städte der Welt gilt? Es ist ein beeindruckender Widerspruch: Hier die Kajakfahrende Dewane sowie der aus seinem Büro auf den Tafelberg blickende Kaiser Vula und auf der anderen Seite der gleichen Medaille respektive Stadt eine überbordende Gewalt. So wundert es nicht, dass die Sergeanten Mpho und Exit Kutoka die Protagonistin auf offener Straße direkt vor einem Polizeirevier körperlich attackieren. Oder das Hendricks mit der Bandenchefin Gool immer größere Waffendeals ausheckt oder Vula selbst hinter zahlreichen Mordaufträgen steckt. Eigentlich ist es dessen Ehefrau, kurz Lady genannt, die den von Ehrgeiz zerfressenen Vula zu immer neuen Taten anstiftet. Später wird diese Rolle eine Sangoma, eine Hellseherin, übernehmen. Was ist schon ein Mord, wenn man ganz nach oben will? Schließlich hat Vula einst alles gegeben, für einen korrupten Staatspräsidenten, dessentwegen er nun im Rollstuhl sitzt.  

Nicol treibt die Action immer weiter voran und wer den Autor kennt, weiß, dass nicht nur die Bösen sterben. So gerät bald Dewanes Familie in das Blickfeld eines Auftragskillers, den man – Achtung Mini-Spoiler – im nächsten Fall wiedersehen wird. Zahlreiche kurze, knackige Kapitel mit wechselnden Hauptfiguren sorgen für zusätzliches Lesetempo. Zara Dewane ist eine insgesamt sympathische Figur, wenngleich sie manchmal zu sehr ins Risiko geht, weswegen sie frühzeitig suspendiert wird. Aber was heißt das schon, wenn ja ohnehin alle korrupt sind? Für Südafrika-Krimifans kommt man an Nicol schlecht vorbei, der neue Serienstart ist vielversprechend und weckt schon jetzt die Vorfreude auf die Fortsetzung. Einige in verschiedenen Slangs verwendete Formulierungen wie etwa das von Dewane inflationär häufig verwendete „My lewe fok“, frei übersetzt so viel wie heiliger Scheiß, sorgen für reichlich lokale Atmosphäre. Ein nicht ganz vollständiges Glossar, weswegen man gelegentlich umsonst vorblättert, hilft weiter. Zusätzlich gibt es reichlich „Werbung“ für Linda Perry. In diesem Sinne: Knock Me Out.

  • Autor: Mike Nicol
  • Titel: Die Schakalin
  • Originaltitel: Falls the Shadow. Aus dem Englischen von Meredith Barth
  • Verlag: btb
  • Umfang: 512 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: August 2026
  • ISBN:  978-3-442-77621-4
  • Produktseite

Wertung: 12/15 dpt

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