Thriller meets Rock ’n‘ Roll

Rain, Keith und Micky sind die prägenden Köpfe der Rockband Crrowl, die ihre besten Jahre schon hinter sich hat und aktuell durch Ost- und Südosteuropa tourt. Einfache Hotels, kleine Hallen, wenige tausend Besucher, so auch in Estland, wo heute ein Gig stattfinden soll. Erstmals hinter der Bühne mit dabei ist Lucy, die neue Managerin für den Social-Media-Bereich. Das Konzert beginnt in wenigen Minuten, aber von Micky fehlt noch jede Spur. Zusammen mit Tourmanager Roger eilt Lucy zu Mickys Garderobe, die von innen verschlossen ist. Als sie die Tür öffnen können, finden sie nur noch Mickys Überreste, denn er hat sich offenbar mit einer Pistole in den Kopf geschossen.
„Siehste … deshalb habe ich dich eingestellt. Weil du sagst, was du denkst, und keinem nach dem Mund redest. Truth or power, Baby! Wobei, wenn du Keith oder Rain kennenlernst, wäre es schlau, wenn du ein ganz kleines bisschen …“
„Die Fresse hältst?“
„Hätte ich nicht besser ausdrücken können.“
Russisches Roulette vor dem Auftritt, dafür war Micky bekannt, allerdings war immer klar, dass er dafür Platzpatronen nutzt. Wenn diese ein Dritter ausgetauscht hat, muss er zum Umfeld der Band gehören, was Lucy zu denken gibt. Doch erstmal heißt es auf die Bühne gehen, die Tour darf nicht durch polizeiliche Ermittlungen gefährdet werden. Die Roadies werden nach dem Abbau die Leiche in einem Flightcase ins Hotelzimmer schaffen, wo die Polizei später einen Suizid feststellen wird, doch dann sind Crrowl bereits im nächsten Land.
„Wenn ich nicht wüsste, dass ihr zu blöd dazu seid … würde ich fast denken, dass mich jemand um die Ecke bringen will.“
Nachdem sich Roger ein wenig zu sehr für Lucy interessiert und nach einer Überdosis Viagra im Krankenhaus landet, steigt Lucy zur Tourmanagerin auf, wobei nur noch wenige Auftritte anstehen. Dabei machen sich Rain, Keith und nicht zuletzt Bassist Rufus immer mehr Gedanken über Lucy. Denn diese erkundigt sich etwas arg einseitig zur Bandgeschichte. Diese fing an mit Gründer Danny Krohl, der durch einen Unfall starb. Höhepunkt der Bandgeschichte war kurz darauf jene Phase mit der exzentrischen Gitarristin Ross, die mit gerade 32 Jahren in einem Pariser Hotelzimmer starb. Offiziell an einem Herzschlag.
(Nicht nur) Für Musikfans lesenswert
Dirk Schmidt ist für ausgefallene Plots (zuletzt „Die Kurve“) bekannt, ebenso für seinen – im positiven Sinne – gewöhnungsbedürftigen Schreibstil. Dieser wirkt mitunter ein wenig sperrig, Zeit- und Raumsprünge erfordern zudem eine gewisse Konzentration. Belohnt wird man mit einem Thriller, der sich weitab vom Mainstream befindet und mit einem furiosen Ende aufwartet. Bis dahin gibt es intensive Einblicke in das Leben einer Rockband. Sämtliche Klischees inklusive Sex, Alkohol und Drogen werden bedient, wobei man annehmen darf, dass diese der Realität gleichwohl sehr nahekommen. Wochenlang touren die Bandmitglieder durch mehrere Länder in einem Bus, sind permanent zusammen, logisch, dass es da zu Konflikten kommt. Zumal wenn große Eitelkeiten im Spiel sind, denn obwohl die erfolgreichen Zeiten weit zurückliegen, hält sich mancher noch immer für den Nabel der Rockszene.
Spannungsverhältnisse gibt es zwischen den Musikern und ihrer Begleitcrew, hier noch verstärkt durch Lucy, bei der man sich fragt, was eigentlich deren Rolle ist, denn für eine Social-Media-Managerin im Rockbusiness hat sie von diesem Genre auffällig wenig Ahnung. Zur Hälfte des Romans erfährt man wenig überraschend, dass sie als Detektivin arbeitet und den Tod von Ross aufklären soll. Bliebe zu klären, wer der geheimnisvolle Auftraggeber und was dessen Motivation ist? Und natürlich die Frage, ob es denn ein Unfall oder Mord war. Aber drei Tote durch Unfälle – Danny Krohl, Ross und Micky – sind für eine Band dann doch auffällig viele.
„Sehen Sie das Bild da? Neben dem Gursky?“
„Was soll das sein? Impressionismus?“
„Das ist meine Lunge.“
Bis zum brisanten Finale beim Ilosaari-Festival wird die Band auf ihrer Tour begleitet, kombiniert mit etlichen Rückblenden in die Bandgeschichte, in denen sich nach und nach unter anderem zeigt, was es mit dem Ableben von Ross auf sich hat. Das Ganze wird unterlegt mit einem „rotzigen“ Schreibstil, der zur Rockmusikszene wunderbar passt. Für Feingeister ist das eher nichts, aber mit entsprechender Begleitmusik und einigen Drinks kann man „Final Show“ gut lesen. Die „Pommes-Gabel“ müssen Sie sich jetzt einfach dazu denken!
- Autor: Dirk Schmidt
- Titel: Final Show
- Verlag: Suhrkamp
- Umfang: 267 Seiten
- Einband: Taschenbuch
- Erschienen: September 2026
- ISBN: 978-3-518-47563-8
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Wertung: 11/15 dpt







