Ein ungewöhnlicher Todesfall im Altenheim

Im Alten- und Pflegeheim Rosemary House wird am 6. Dezember die Leiche der 78-jährigen Joan Riley gefunden. Der unerfahrene PC Richard Ford ist vor Ort und übersieht ein kleines Detail. Es deutet alles auf einen normalen Tod hin, welcher in einer solchen Einrichtung nicht selten vorkommt. Allerdings war erst gestern die zuständige Ärztin im Heim, heute die Tochter nebst Schwiegersohn der Verstorbenen. Da machte sie einen gesunden und munteren Eindruck. Das Ergebnis der Untersuchung im Krankenhaus gibt erste Zweifel auf, der forensische Dienst der Polizei von Kings Lake wird hinzugezogen und so zieht es sich ins neue Jahr bis feststeht, dass Riley an einer Überdosis Heroin starb.
Rosemary House können die betreuten Personen nicht verlassen, aber wie ist dann Riley an das Heroin gekommen? Und vor allem, hat sie es selber genommen oder wurde sie vergiftet? War es ein Suizid oder ein Mord? Dabei ist der Geschmack von Heroin ist so stark und bitter, dass man ihn zwingend wahrnehmen muss. Wer immer ihr die Droge beschafft hat, hat sich mindestens der Beihilfe schuldig gemacht. Und damit wären wir noch mal kurz bei PC Ford, der ein auf dem Boden liegendes Glas übersah, so dass keine Fingerabdrücke genommen wurden.
DC Smith vom Revier Kings Lake Central übernimmt die Ermittlungen, die Erinnerungen an seine verstorbene Frau Sheila wecken. Und damit auch an die Frage nach Schuld. Hat hier jemand einem womöglich geliebten Menschen einen letzten Gefallen getan? Die Spur führt zu den „Famous Five“, fünf älteren Herrschaften, die regelmäßig das Fenster im Gemeinschaftsraum belegten. Elspeth Grey, eine von ihnen, starb bereits vor einigen Monaten. Ein Herzanfall. Jetzt Riley. Zufall? Smith und sein Team ermitteln intensiv, befragen immer wieder die Bewohner sowie das Pflegepersonal, doch sie drehen sich ewig im Kreis. Als man kurz davor steht, die Intensität der Recherchen zurückzufahren, erhält Smith von gänzlich unerwarteter Seite einen wichtigen Hinweis.
Zweiter Fall für Detective Sergeant DC Smith
„Ein unglücklicher Tod“ erschien erstmals im Jahr 2013 im Selbstverlag. Robert Partridge alias Peter Grainger startete damit seine DC-Smith-Reihe, wobei DC die Initialen des Protagonisten sind und nicht dessen Dienstgrad angeben, denn als ehemaliger Detective Chief Inspector ließ er sich freiwillig zum Detective Sergeant degradieren. Die inzwischen knapp zwanzig Romane verkauften sich – zur Erinnerung; im Selbstverlag – in siebenstelliger Auflage und erscheinen nun im Diogenes Verlag. „Gnade vor Recht“ ist der zweite Fall, der dritte „Nach menschlichem Ermessen“ ist für Dezember angekündigt.
„Ich könnte ihm das ja auch mailen, das wäre schneller.“
„Nein, wäre es nicht, denn dann müssten Sie ihn suchen und ihm sagen, er solle seine E-Mails checken. Und dann müssten Sie ihm schon wieder erklären, wie man das macht. Am besten geben Sie ihm ein Blatt Papier.“
Wer auf klassische englische Krimis steht respektive ein Faible für sogenannte Cosy hat, ist hier richtig. Es geht beschaulich zu im fiktiven Kings Lake in Norfolk, wo wir einem liebenswerten Protagonisten begegnen, der aus der Zeit gefallen scheint. Alleinstehend achtet er nur bedingt auf sein äußeres Erscheinungsbild und hadert zudem mit den modernen Zeiten. Man beachte, das vorliegende Buch erschien erstmals 2014. So langsam gewöhnt sich Smith an die neuen Computer und Handys, allerdings hadert er mit der modernen Polizeiarbeit. Früher gab es schwarz und weiß, heute sehr viel grau. Die Aufklärung eines Falles hatte oberste Priorität, nicht die Einhaltung von Budgetvorgaben. Dabei könnte er längst im Ruhestand sein, was Detective Superintendent Allen sehr recht wäre. Der mit den Obrigkeiten gern streitende Smith ist ihm ein Dorn im Auge, zumal er trotz seiner freiwilligen Degradierung noch immer das Gehalt eines DCI erhält. Immerhin, ein Angebot eines früheren Partners, der sich vor zehn Jahren mit einer Detektei selbständig gemacht hat, klingt für Smith verlockend. Ebenso wie der Umstand, dass sich für den kauzigen Eigenbrötler plötzlich gleich zwei Frauen interessieren; allerdings aus unterschiedlichen Gründen.
„Dennoch, Smith, Sie sollten es sich überlegen. Ich bin nicht naiv genug zu sagen, Sie sollten an Ihre Karriere denken, die … die …“
„Vorbei ist, Sir?“
Der Krimiplot dreht sich lange im Kreis, aber das sympathische Figurenensemble der Polizei sowie einige gallige Kommentare von Smith entschädigen. Dialoglastig geht es mühsam voran, wobei wiederholt das moralische Dilemma bei Sterbehilfe im Raum steht, welches Peter Grainger durchaus mit Empathie begegnet; in Abwägung zu strafrechtlichen Aspekten. Der Plot ist unterhaltsam und leidlich spannend, da es nicht klassisch um die Suche nach einem Mörder geht, sondern mehr um die Fragen, wie der tödliche Stoff in das Haus gelangte und ob es überhaupt ein Mord war.
- Autor: Peter Grainger
- Titel: Gnade vor Recht
- Originaltitel: But for the Grace. Aus dem Englischen von Peter Torberg
- Verlag: Diogenes
- Umfang: 352 Seiten
- Einband: Taschenbuch
- Erschienen: September 2026
- ISBN: 978-3-257-30121-2
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Wertung: 11/15 dpt







