Peter Grainger – Ein unglücklicher Tod (Buch)

Fans britischer Kriminalromane greifen zu

Eine Party mehrerer Jugendlicher in Vine’s Drove endet tragisch, nachdem der alkoholisierte siebzehnjährige Wayne Fletcher einem Kanufahrer hinterher schwimmt. Nach einer Flusskurve verschwindet er aus dem Blickfeld seiner Freunde und verschwindet. Die später alarmierte Polizei findet seinen Leichnam und für den Ermittler vor Ort ist klar, es handelt sich um einen Unfalltod durch Ertrinken. Infolge einer kurzen Auszeit anlässlich einer internen Ermittlung, kehrt Detective Sergeant DC Smith in den Dienst beim CID Norfolk, genauer in der Stadt Kings Lake, zurück. Seine neue Vorgesetzte DI Alison Reeve überträgt ihm den Fall des ertrunkenen Jugendlichen. Alles sei geklärt, reine Formsache, er möge nur noch den letzten Papierkram erledigen, damit die Leiche zur Beerdigung freigegeben werden kann. Doch warum sollte bei einem Unfalltod ein zweiter Ermittler des CID einen Blick auf den Fall werfen? Irgendetwas muss Reeve aufgefallen sein.

„Dann war das hier Zeitverschwendung?“

„Ganz und gar nicht. >Zeit, die man mit Auskundschaften verbringt, ist selten verschwendet.< Wenn du jetzt >Napoleon< sagst, gibt es eine Strafarbeit. Es war der Herzog von Wellington.“

Der junge DC Chris Waters nimmt an einem Förderprogramm der Polizei teil und soll erstmals praktische Erfahrung sammeln. Er wird Smith zugeteilt, der zunächst wenig begeistert ist, einen Anfänger an seiner Seite zu haben. Allerdings erkennt er schnell, dass Waters durchaus zu gebrauchen ist. Intelligent, hohe Auffassungsgabe und einen guten Instinkt, den der rund dreißig Jahre ältere Smith ebenfalls hat. So findet er in der Gerichtsmedizin einen ersten Hinweis, dass es womöglich kein Unfalltod gewesen sein könnte. Eine starke Prellung auf der Schläfe deuten auf einen Schlag oder ähnliches hin, dazu irritiert eine Quetschung an der Brust. Außerdem war der Jugendliche ein guttrainierter Sportler und ausgezeichneter Schwimmer.

Smith und Waters beginnen Fragen zu stellen. Allen voran, was hat es mit dem Kanufahrer auf sich, der spurlos verschwunden ist?    

Beindruckende Erfolgsstory

„An Accidental Death“ erschien erstmals im Jahr 2013. Robert Partridge (Peter Grainger) veröffentlichte das Buch im Selbstverlag. Dort erscheinen überwiegend Bücher, die von Kritikern gemieden werden, denn es wird ja vermutlich Gründe geben, warum der Autor keinen Verlag gefunden hat. Im vorliegenden Fall wussten es die Leser besser, denn die DC-Smith-Romane verkauften sich in siebenstelliger Auflage. Siebzehn Romane gibt es bereits, jetzt hat der Diogenes Verlag zugegriffen und den ersten Band herausgebracht. „Gnade vor Recht“ und „Nach menschlichem Ermessen“ erscheinen noch dieses Jahr, sind für September beziehungsweise Dezember angekündigt. Doch was macht den Erfolg der Serie aus?

Seinerzeit hatte Smith viele Kollegen ausgebildet, aber das war es ja gerade: Seine Zeit war inzwischen vorbei. Er wusste es, und alle anderen wussten es auch; er passte nicht mehr so recht in den modernen Polizeidienst, er war der sprichwörtliche Dinosaurier, der noch geduldet wurde, weil er nach wie vor anständige Ergebnisse lieferte, und zwar meistens nur, weil er sich eben nicht genau an die Vorschriften und die Buchstaben des Gesetzes hielt.

Es kommen mehrere Punkte zusammen, die allesamt die Herzen klassisch angehauchter britischer Kriminalromane höherschlagen lassen. Zunächst einmal glänzt das Ermittlerduo Smith / Waters. Hier der erfahrene Routinier, der seine Fälle meist dadurch löst, in dem er es mit den Vorschriften nicht ganz genau nimmt, dort der junge, unerfahrene aber durchaus talentierte Waters als dessen Gegenpol. Smith gilt als unangepasst, nicht alle Kollegen mögen ihn. Er nimmt die Sachen sehr genau, kehrt bei den Steinen auch den kleinsten Kiesel um. Neben seinem Hang zur Pedanterie ermittelt er nach altbewährten Methoden. Computer und sonstiger technischer Schnickschnack sind seine Sache nicht.

Wer eine literarische Auszeit vom hektischen Alltag der realen Welt erleben möchte, findet hier einen ruhigen, fast meditativen Wohlfühlkrimi. Keine Action, dafür treffsichere Dialoge mit ein wenig britischem Humor und eine ebenso gut komponierte wie ungewöhnliche Geschichte. Denn wohin die Spuren führen und was es mit dem Unfalltod – oder war es doch ein Mord – auf sich hat, erschließt sich allen Beteiligten, Ermittlern wie Lesern, erst spät. Apropos: Erst auf Seite 266 erfährt man, was es mit dem „C“ in DC auf sich hat.

Toller Serienstart. Schön, dass es schnell weitergeht!

  • Autor: Peter Grainger
  • Titel: Ein unglücklicher Tod
  • Originaltitel: An Accidental Death. Aus dem Englischen von Eva Regul
  • Verlag: Diogenes
  • Umfang: 288 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Juli 2026
  • ISBN:  978-3-257-30120-5
  • Produktseite

Wertung: 12/15 dpt

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