Robert Jackson Bennett – A Drop of Corruption (Buch)

Der mit Abhängigkeiten erkaufte, imperiale Wohlstand bröckelt

Robert Jackson Bennet - A Drop of Corruption (Buch) Cover © Adrian & Wimmelbuchverlag
Cover © Adrian & Wimmelbuchverlag

Nach dem Auftakt „The Tainted Cup” liegt mit „A Dop of Corruption“ der zweite Band von Robert Jackson Bennetts Serie „Shadow of the Leviathan“ vor. Iudex-Ermittlerin Ana Dolabra und ihr nun fertig ausgebildeter Assistent Dinios Kol ermitteln wieder in einem unmöglich erscheinenden Mordfall, an einem unwirtlichen Ort, der nicht zum Imperium Khanum gehört. Das Königreich Yarrow schloss eine Vereinbarung mit dem Imperium, irgendwann einmal ein Teil dessen zu werden, und beliefert es mit essenziellen Rohstoffen für Plantate. Jene Wirkstoffe, mit denen die Bewohner des Imperiums sich Fähigkeiten verleihen, die ihnen nicht angeboren wurden.

Ana und Din werden nach Yarrowdale beordert, um den Mord an dem imperialen Schatzbeamten Sujedo zu untersuchen. Einige Monate galt er lediglich als verschwunden, bis eine Bio-Ingenieurin (Apoth) aus Yarrowdale Teile seines Leichnams im Urwald fand. Die Spur der Ermittlungen führt zu einem Fach in der Schatzamtsbank, dass einem weiteren Apoth namens Rava Ghrelin gehört. Der bewahrt angeblich Forschungsergebnisse für ein Hustenmittel darin auf. Stattdessen enthält es jedoch einen weiteren grausigen Fund: Einen konservierten, menschlichen Kopf mit einer Nachricht im Mund:

Für jene, die vom Mark kosten. Te siz imperiya (Ich bin das Imperium). S. 104

Weitere Morde und mysteriöse Zeichen folgen. Sie offenbaren eine tief gehende Verschwörung, ersonnen von einem fanatischen und genialen Geist, der das Können der Iudex-Ermittlerin und ihres Gravierers bis zur Schmerzgrenze herausfordert.

Genauso viel Krimi-Spannung, mehr spannender Hintergrund über das Imperium

Ähnlich wie im ersten Band „The Tainted Cup” ist die Kriminalhandlung in „A Dop of Corruption“: brutal, skurril und abgedreht, jedoch immer einer internen Logik folgend. Ein biotechnologisch-magischer Prozess ermöglicht Täuschung, Tarnung und Identitätsdiebstahl. Der Mörder verübt nicht nur mehrere perfekte Verbrechen, sondern einen systematischen Machtmissbrauch, der beinahe zum Umsturz der Gesellschaft führt. Anders, als im ersten Band, erschüttern hier die Grundfeste des Imperiums. Daher erfahren wir mehr darüber, wie es aufgebaut ist und expandiert. Ähnlichkeiten mit dem Römischen Reich, durch militärische Ränge und römisch anmutende Begriffe bereits angedeutet, werden offensichtlich. Das Imperium ist fortschrittlich, verfügt über eine anspruchsvolle Technologie und eine klar geordnete Herrschaftsstruktur und Gesellschaft. Der etablierte Wohlstand kommt nicht ohne Abhängigkeiten aus und genau darin liegt die Verwundbarkeit des Imperiums.

Das archaische Yarrow wird dem Imperium entgegengestellt. Ein kleines Königreich, in dem Willkür und Verbrechen florieren und imperiale Kräfte für ein Mindestmaß an öffentlicher Sicherheit sorgen. Irgendwann einmal soll Yarrow zum Imperium gehören und in der Zwischenzeit arrangiert man sich zu gegenseitigem Nutzen. Und bestimmte Interessengruppen arbeiten daran, dass es genau so bleibt.

Ana und Din

Nicht nur die Erzählung über das Imperium gestaltete Robert Jackson Bennet in „A Drop of Corruption“ detaillierter und umfangreicher, auch die Protagonisten Din und Ana entwickelte er spürbar weiter. Din ist nun examinierter Ermittler und genießt das Vertrauen seiner Vorgesetzten. Sein familiärer Hintergrund wirft jedoch einen langen Schatten auf seine psychische Verfassung. Dins Suche nach einer inneren Heimat ist längst nicht abgeschlossen. Ana hingegen strotzt vor Genialität und Selbstbewusstsein, sie verhält sich noch sonderbarer als im ersten Band. Auch ihre Geschichte ist noch längst nicht zu Ende erzählt.

Fazit

Wie der Auftaktband der „Shadow of the Leviathan“ Reihe, der den renommierten US-Phantastik Preis im letzten Jahr gewann, ist auch „A Drop of Corruption“ auf der Longlist des Hugo Awards 2026 zu finden. US-Autor Robert Jackson Bennet hat mit dieser Serie außergewöhnliche phantastische Literatur geschaffen, auf die Einordnungen in Genre wie Fantasy oder Krimi nicht recht passen. Weltenbau und Hintergrund der Geschichte reichen weit über Genregrenzen hinaus und weisen trotz ihrer phantastischen Andersartigkeit überraschende Bezüge zu unserer Realität auf. Allein dieser faszinierende Aspekt macht neugierig darauf, wie sich das Imperium Khanum weiterentwickelt und welche Rollen Ana und Din darin zugedacht sind. „A Drop of Corruption“ deutet so viel Entwicklungspotenzial an, dass ich mich darüber wundere, dass Band 3 „A Trade of Blood „ die „Shadow of the Leviathan“ Reihe wirklich beendet.

Dazu überzeugen Bennets ideenreiche Wortschöpfungen und sein lebendiger Schreibstil. Vor allem die Dialoge sind stets auf den Punkt formuliert und machen einfach Spaß zu lesen. Ein kleiner Wehrmutstropfen steckt in der deutschen Übersetzung aus dem Adrian und Wimmelbuchverlag. In den letzten Kapiteln fallen häufige Rechtschreibfehler negativ auf, es wirkt, als hätte zum Ende die Sorgfalt der Textredaktion nachgelassen.

  • Autor: Robert Jackson Bennet
  • Titel: A Drop of Corruption
  • Teil/Band der Reihe: Shadow of the Leviathan – Band 2
  • Übersetzer: Karla und Jakob Schmidt
  • Verlag: Verlagsname
  • Erschienen: 05/2026
  • Einband: Klappenbroschur
  • Seiten: 480
  • ISBN: 978-3-985-85299-4
  • Sonstige Informationen:
  • Produktseite „A Drop of Corruption“ bei Genialokal

Wertung: 13/15 dpt

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