Bernhard Blöchl – Für immer Juli (Buch)

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Bernhard Blöchl - Für immer Juli (Buch)Für den in München lebenden, in Tuntenhausen geborenen Julian Hartmann, von allen inklusive sich selbst Juli genannt, bricht innerhalb kürzester Zeit seine kleine große Welt zusammen. Erst verlässt ihn seine langjährige Freundin Emma für irgend so einen dahergelaufenen Marc. Dabei ist Juli doch der perfekte Zuhörer und Teilzeithausmann, ist gesundheits-, ernährungs- und modebewusst. Er hat Manieren, er ist stilvoll, er ist eigentlich der perfekte Mann, so wie ihn sich doch eigentlich jede Frau wünscht. Kurze Zeit später feuert ihn auch noch sein Chef Säuberlich, da er angeblich zu soft, zu weich, zu luschig für das Musikmagazin „Rockadult“ schreibe. Da fällt es ihm urplötzlich, auch dank seines eher geistig grobpixeligen Nun-Ex-Schreiberkollegen Slash, wie Schuppen von den schick bebrillten Augen: Juli ist ein elendiger Softie, ein Weichei, ein Versager, ein EFL (ewig frustrierter Loser)! Schmierwurst statt Hartwurst. Speckstein statt Granit.

Fortan wird ihm klar: Er muss sich radikal ändern. Er muss endlich zu dem Mann werden, den Frauen wirklich wollen: Zum Alpha-Kerl. Zwar kann er solche Typen nicht ausstehen, aber was bringt ihm das Julisein? Nix da.  Weg mit der bunten Brille und rein mit den Kontaktlinsen, runter mit dem schicken Scheitel, hinfort mit dem weichen Wesen, adieu fescher Fummel, und tschüs, jammerlappiger Juli. Juli war, Julian ist. Und Julian ist anders. Ein harter Kerl. Ein männlicher Typ. Ein Macker, der sie alle haben kann. Einer, der keine Umwege mit vorsichtigen Schritten geht, sondern drauf. Also ein Draufgänger ist. Denn nur die Harten kommen in den Garten, in welchem sie die leckeren Früchte vernaschen. Um auch zu einem Alpha-Macho zu werden, zieht es ihn sogar bis nach Wien, wo er viel lernen wird. Wird er sich eMANNzipieren? Welche Erkenntnisse gewinnt er in der Folgezeit? Und sowieso: Wie hat ein postmillenialer Mann denn jetzt eigentlich zu sein?

Weiß man es nicht besser, kann man sehr schnell vermuten, dass sich Blöchl in die Herzen der Mario-Barth-Klientel schreiben will oder sein eigenes Tim Boltz-„Weichei“ zu legen versucht. Doch nach nur wenigen Seiten wird klar: Dieses vom Autor selbst zum „Schelmenroman“ erklärte Werk ist weder die übliche Gender-Leier noch ist es ein gängiger Männerroman, sehr wohl aber ein zwischen Unterhaltung, Semiphilosophie und auch echten Emotionen umherspringendes Buch, das augenzwinkernd Klischees aufgreift und durchaus die ein oder andere ernsthafte Frage aufwirft.

Besonders auffällig ist bei Blöchl neben dem sehr nachvollziehbaren, lockeren und luftigen, mit bairischer Note versehenen und vor allem sehr bildhaften Schreibstil die Art und Weise, wie er mit Wörtern jongliert und hierbei seiner verbalen Kreativität freien Lauf lässt. Doch wenngleich ihm das mitunter virtuos glückt, wirkt es zu keiner Zeit prätentiös oder aufdringlich. Eher sorgt es für zusätzlichen Pep in dieser lebendigen Story, die ohnehin schon reich an wilden Wendungen und Fettnäpfchen aller Art ist. Natürlich schießt der rührige Schreiber hier und dort gerne auch mal übers Ziel hinaus, und manche Gags schlagen „dank“ der Schnelllebigkeit des World Wide Web natürlich in ihrer Wirkung nicht mehr ganz so bombig ein, doch das sind – gerade, wenn man bedenkt, dass es sich bei „Für immer Juli“ um Blöchls Debüt handelt – eher kleine Schönheitsfehler, die zweifellos ausbügelbar sind.

Was gleich zu Beginn ansteckt, ist die Freude, mit der der auch als Journalist für die Süddeutsche Zeitung tätige, äh, Süddeutsche schreibt. Nichts wirkt erzwungen oder gewollt, vielmehr lässt Bernhard Blöchl den Enthusiasmus ungefiltert in das Geschriebene einfließen, und anhand des Erzählstils liest sich das Buch weniger wie ein Film, sondern eher wie eine Erzählung, in welcher sich der Protagonist Juli(an) Hartmann (oder eben Weichmann) immer wieder gen Leser wendet. So, als habe die Buchfigur zu einem Abend mit einem guten Whiskey eingeladen und wolle alles loswerden.

„Für immer Juli“ ist schlichtweg leichte Unterhaltung, allerdings mit einem ganz eigenen Anspruch, es ist „easy reading“ mit Substanz, fordert weder unter noch über, ist hier und da herrlich bekloppt, ohne auf Trash-Niveau abzustürzen und macht den Leser zum Ende des Kapitels dank kleiner Cliffhängerchen gleich neugierig auf das nächste, sodass man, kaum hat man sich’s versehen, in einem Rutsch am Ende angelangt ist.

 Cover © MaroVerlag

 

Wertung: 12/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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