Pitch Perfect (Film, DVD/Blu-Ray)

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Pitch Perfect (Film)Eher alternativ unterwegs, ist die Schülerin Beca (Anna Kendrick) eher der introvertierte Musikfan, der sich den Kopf zwischen gute Kopfhörer klemmt – dies allerdings nicht nur zu Zwecken der Berieselung, sondern auch in puncto Kreativität, denn sie schreibt leidenschaftlich gerne ihre eigenen Songs. Was die anderen auf dem College so treiben, interessiert sie nicht. Wieso sollte sie sich all das inhaltsleere Gequatsche ihrer Mitmenschen anhören? Dann doch lieber einen eigenen Weg gehen. Derweil sind die nicht allzu sehr von Erfolg gekrönten „The Barden Bellas“, eine weibliche A-cappella-Band, auf der Suche nach frischen Talenten, und als Chloe, eine der beiden Bandleaderinnen in einer gemeinschaftlichen Dusche Beca in einer Kabine singen hört, überrumpelt sie sie regelrecht, und vom einen auf den anderen Moment findet sich Beca mit ein paar anderen nach den unvermeidlichen Auditions bei den Bellas wieder.

Aubrey, die zweite der Bandleaderinnen und absoluter Controlfreak, besteht auf Altbewährtes, und so nudeln sie und ihre Gruppe in jedem Contest wieder ein und denselben Einheitsbrei daher, und anhand der Durchschnittlichkeit, Einfallslosigkeit und Biederkeit ist es kein Wunder, dass es nie für den Sieg genügt. Die regelmäßigen Wettbewerbsgewinner „The Treblemakers“, ebenfalls eine A-cappella-Band am selben College, bestehend aus Jungs, belächeln ihre Rivalinnen immer wieder, verspotten sie, und auch Jury und Kommentatoren haben kaum mehr als abfällige Bemerkungen für sie übrig. Als die Bellas trotz der tatsächlich enorm talentierten Beca und weiteren Neuzugängen, die sich allesamt gefälligst Aubreys Anweisungen zu fügen haben, erneut scheitern, sieht sich die herrschsüchtige Bandleaderin natürlich als fehlerfrei an. Schuld an der Misere sind ihrer Logik nach die Neuen – allen voran Beca.

Die hat ihrerseits langsam die Nase voll von der Diktatur der Chefblondine, und für Beca steht fest, dass der Erfolg der Band sich nur einstellen kann, wenn man sich von bewährten Mustern löst, alte Zöpfe abschneidet und hinsichtlich Songauswahl, Performance und Outfit Mut beweist – und dafür kämpft sie mit all ihrem Ehrgeiz. Doch lohnt sich der? Macht sich bald wieder Resignation breit oder bekommen die Mädels durch sie endlich die musikalische und optische Frischzellenkur, die sie so bitter nötig haben? Doch auch in Herzensangelegenheiten hat Beca zu kämpfen, denn sie merkt, dass einer der Treblemakers, nämlich Jesse, ein gar nicht so übler Typ ist – spätestens, als sie bei einem Radiomoderatoren gemeinsam ein paar Dollars damit verdienen, indem sie Schallplatten und CDs wieder in Regale sortieren. Aber darf man einen Erzrivalen mögen?

Eines vorweg: Trotz des hohen Musikanteils ist der lose auf dem Buch „Pitch Perfect: The Quest for Collegiate A Cappella Glory“ (Mickey Rapkins, 2008) basierende Film eine sehr unterhaltsame Komödie, die vor allem Teenager ansprechen wird. Auch an nachdenklichen und emotionalen Szenen mangelt es „Pitch Perfect“ nicht. Wir erleben hier glücklicherweise keine schmalzige und klinisch reine „High School Musical“-Adaption, sondern einen herrlich frechen, oftmals mit ungeschliffenem, derbstem Vokabular durchsetzten Film (FSK 0? Der war gut!), welcher durch zackige Dialoge besticht und musikalisch weit weg von dem Plastikmüll ist, den die Unterhaltungsindustrie seinen Zuschauern oftmals auftischt.

Das fängt bereits bei der Heterogenität und unaufgesetzten Originalität der Charaktere an, denn hier sind nicht alle schön, gleichgeschaltet und glattgeleckt, sondern könnten unterschiedlicher kaum sein: Da beweist die ihrem Spitznahmen alle Ehre machende Fat Amy (Rebel Wilson), dass sie sehr wohl beweglich ist und stimmlich etwas drauf hat. Oder die schüchterne, leise Asiatin Lilly, die erst auf der Bühne ihr Talent offenbart. Ebenfalls im Ensemble: Eine burschikose Schwarze, eine mannsdolle Brünette – es geht einmal quer durch zahlreiche Kulturen und Persönlichkeitstypen. Auch die musikalische Auswahl ist gelungen – man bedient sich der Jetztzeit, dem letzten Jahrzehnt sowie den Neunzigern und den Achtzigern, anstatt sich auf die schnelllebigen Charts zu konzentrieren, die die Hits genau so schnell wieder hinaushusten, wie sie sie eingesogen haben.

Der Zuschauer bekommt demnach ein wenig Musikgeschichte geliefert und wird kompetent bespaßt – doch so ganz ohne Kritik kommt „Pitch Perfect“ leider nicht davon, denn hin und wieder wirkt die Story doch etwas zu sehr um den A-cappella-Contest herum konstruiert. Und zwar ist es lobenswert, dass bei den Gesangsperformances nicht mit instrumentaler oder programmierter Musik nachgeholfen wird, aber man merkt gerade bei den Mädels, dass hinsichtlich der Stimmen etwas getrickst wurde – man zeige dem Rezensenten mal bitte die junge Frau, die solch derbe Bässe liefert, wie sie aus den Fernsehlautsprechern donnern, wenn’s laut wird. Als gravierend kann man diese Mankos jedoch zu keiner Zeit einstufen, schlimmstenfalls als vermeidbare Schönheitsfehler.

Fazit: „Pitch Perfect“ ist eine mehr als solide Musikkomödie, die perfekt für einen Familienabend geeignet ist. Popcornmaschine anwerfen und die gefüllten Schüsseln auf den Schoß, ein paar Getränke auf den Couchtisch gestellt, die Play-Taste gedrückt, lachen, fiebern, schniefen, und der Abend ist gerettet.

Bildmaterial © Universal Pictures

 

  • Titel: Pitch Perfect
  • Originaltitel: Pitch Perfect
  • Genre: Musikfilm, Komödie
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2012
  • Erschienen: 25.04.2012
  • Label: Universal Pictures
  • Regie: Jason Moore
  • Drehbuch: Kay Cannon
  • Produktion: Paul Brooks, Max Handelmann, Elizabeth Banks
  • Spielzeit: 107 Minuten (DVD), 112 Minuten (Blu-Ray)
  • Darsteller:
    Anna Kendrick
    Skylar Astin
    Ben Platt
    Britanny Snow
    Anna Camp
    Rebel Wilson
    Alexis Knapp
    und viele mehr
  • Extras (nur Blu-Ray):
    Starships, das Pitch Perfect Musikvideo
    Unveröffentlichte und erweiterte Szenen
    Unterdessen…
    Witzige Outtakes
    Hinter den Kulissen von Barden
    Benji geht nach Barden
    A Cappella Beat: Gail interviewt Bumper und Benji
    (ca. 60 Minuten, HD-Qualität)
  • Technische Details DVD:
    Video: 1.85:1 Anamorph Widescreen
    Audio: 5.1 DD
    Sprachen: D, GB, RUS, TR
    Untertitel: D, GB, RUS, TR, BUL, RO, EST, LT, LV
  • Technische Details Blu-Ray:
    Video: 1.85:1 Widescreen
    Audio: DTS Digital Surround 5.1 (D, I, E, F, J), DTS-HD Master Audio (GB)
    Sprachen: D, GB, F, I, E, J
    Untertitel: D, GB, F, I, E, J, NL, P, Hindi
  • FSK: 0
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite @ Universal Pictures
    inklusive Trailer und Erwerbsmöglichkeit

 

Wertung: 10/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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Pitch Perfect (Film, DVD/Blu-Ray)

von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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