Last Hitman – 24 Stunden in der Hölle (Spielfilm, DVD/Blu-Ray)

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Last Hitman - DVD Cover klein © Koch MediaDer Taugenichts Adam (Jack O’Connell) ist der typische heruntergekommene Null-Bock-Teenager, der, anstatt sich nützlich zu machen, lieber einen Joint nach dem anderen durchzieht, sich das Essen ohne Manieren reinschaufelt und Konsolenspiele zockt. Seine Mutter Nicky (Kierston Wareing) kann nicht viel mehr tun als teilnahmslos zusehen, denn ihr neuer Kerl, der reiche Ganove Peter (Peter Mullan) ist nicht zimperlich mit dem Jungen. Wenn er nicht spurt, bekommt er eben heftigst ein paar vor den Latz geknallt, und wenn Nicky ihm widerspricht, spürt auch sie seine Aggressionen und seine physische und psychische Gewalt.

Adam steckt alles irgendwie immer wieder weg, und auch Nicky hat sich an ihr Schicksal als jasagendes Püppchen gewöhnt. Eines Tages jedoch schnappt sich Adam das Auto seines Ersatzdaddys – und fährt es in seiner durch Übermut entstandenen Unachtsamkeit zu Schrott. Peter ist kurz davor, den Teenager krankenhausreif zu prügeln und überlgt sich nun, wie Adam diesen Schaden wiedergutmachen kann. Während er ihn in sein Büro holt, um es mit ihm zu besprechen, wird er während des Gesprächs angerufen und muss kurz den Raum verlassen. In dieser Zeit macht der Neunzehnjährige eine erschreckende Entdeckung auf Peters Laptop.

Als der Alte nun wieder das Büro betritt, weiß er, was der Quasi-Stiefsohn tun kann: Er soll Peters langsam älter werdenden Kumpel, dem Profikiller Roy (Tim Roth) als Chauffeur und Komplize zur Seite stehen. Adam fällt aus allen Wolken und sträubt sich anfangs gegen so viel Kriminalität, doch die Möglichkeit des Geldverdienstes überzeugt ihn dann doch, mitzumachen und Roy durch die ihm fremde Stadt zu kutschieren und ihm Utensilien zu reichen.

Das bringt Adam komplett an seine Grenzen, doch ihm bleibt nichts anderes übrig, als das Ding durchzuziehen und beispielsweise Schmiere zu stehen, während Roy den Opfern Übles antut, bevor er sie kaltblütig tötet. Allerdings häufen sich die Probleme, als den beiden eine junge Passantin (Talulah Riley) mit Rucksack über den Weg läuft. Doch auch Wetter und Menschenhandel macht den beiden zu schaffen. Bei den eigenen Motiven steht jedoch vor allem eines an oberster Stelle: Rache. Wer sie an wem übt oder zu üben versucht, darf nun der Zuschauer selbst sehen, denn jeder Hinweis würde einen wesentlichen Teil dieses morbiden Thrillers verraten.

Man merkt kaum, dass es sich bei diesem Film um eine Indie-Low-Budget-Produktion handelt, doch tatsächlich hat man mit einfachen Mitteln einen gänzlich glaubwürdigen Streifen erschaffen, der kaum Wünsche offen lässt. Ohne visuellen Schnickschnack, ohne Effektballast und dergleichen, erleben wir hier einen klassisch angelegten Thriller mit nüchternen und genau deswegen effektiv wirkenden Bildern. Die Brutalität wird wohldosiert, aber dann sehr intensiv eingesetzt, wobei das oftmals derart krude beigemischt wurde, dass man gleichzeitig schlucken als auch schmunzeln muss. Schmunzeln muss man auch bei dem subtil angebrachten, urbritischen Humor, der dermaßen dunkel ist, dass schwarz dagegen gleißend hell wirkt. Ebenso sind die Dialoge – speziell die zwischen Roy und Adam – oftmals trocken wie Wüstensand bei 50°C.

Es ist im Grunde unnötig zu erwähnen, dass Tim Roth zu den besten derzeitigen Schauspielern seiner Generation gehört, und die Rolle des Roy ist perfekt auf den Briten, den man von „Arbitrage“, „Reservoir Dogs“, „Pulp Fiction“ oder „Der unglaubliche Hulk“ und der Serie „Lie To Me“ kennen dürfte, zugeschnitten, doch auch Jack O’Connell überzeugt mit seiner Leistung und mimt den Loser und Neu-Gangster glaubwürdig. Peter Mullan glänzt mit einer Paraderolle als Ekelpaket ebenso – und dass Kierston Wareing als unterdrückte Mutter Adams so blass und unbedeutend wirkt, ist letztendlich auch Sinn und Zweck der Sache. Ebenso brillant: Talulah Riley in der Rolle der undurchsichtigen Osteuropäerin.

Obgleich all die Schurken und Schurkinnen buchstäblich über Leichen gehen und nicht lange fackeln, wenn es darum geht, jemanden auszuschalten oder ein wenig zu quälen, entwickelt man als Zuschauer den meisten Figuren gegenüber eine überraschende Sympathie – was hauptsächlich daran liegt, dass jeder irgend etwas in seinem Leben vorweisen kann, das ihm eigentlich wichtig ist – ganz gleich, ob in Gegenwart oder Vergangenheit. Nur eben mit dem Problem, sich ohne Aussicht auf eine Ausfahrt auf der schiefen Bahn zu befinden.

Man hat demnach mit recht einfachem Aufwand ein verhältnismäßig reichhaltiges Ergebnis zustande gebracht, das Kriminalität, Humor und irgendwo tief im Innern auch Herz miteinander vereint. Denn: Auch Profikiller und Loser sind nur Menschen.

 Cover und Packshots © Koch Media

  • Titel: Last Hitman – 24 Stunden in der Hölle
  • Originaltitel: The Liability
  • Produktionsland und -jahr: GB, 2013
  • Genre:
    Thriller
    Krimi
    Humor (und zwar rabenschwarz!)
  • Erschienen: 12.07.2013
  • Label: Koch Media
  • Spielzeit:
    82 Minuten auf 1 DVD
    86
    Minuten auf 1 Blu-Ray
  • Darsteller:
    Tim Roth
    Talulah Riley
    Jack O’Connell
    Peter Mullan
    Kierston Wareing
    Christopher Hatherall
    Jack McBride
    Jenny Pike
  • Regie: Craig Viveiros
  • Drehbuch: John Wrathall
  • Extras:
    Making Of, ca. 33 Minuten
  • Technische Details (DVD)
    Sprachen
    :
    D, GB
    Untertitel:
    D
    Video:
    1.85:1/16:9
    Audio:
    GB, D (5.1 DD)
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Sprachen: D, GB
    Untertitel:
    D
    Video:
    1.85:1/16:9
    Audio:
    GB, D (DTS-HD MA 5.1)
  • FSK: 16
  • Sonstige Informationen:
    Erwerbsmöglichkeiten 

Wertung: 12/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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