It Boy – Liebe auf Französisch (Spielfilm, DVD/Blu-Ray)

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It Boy - DVD Cover © Universum FilmAlice, achtunddreißig Jahre alt und attraktiv, ist erfolgreiche Geschäftsfrau und verfolgt eine strenge Linie, die auch ihre Mitarbeiter zu spüren bekommen – die Karriereleitersprossen werden Stück für Stück erklommen. Nun winkt ihr die Möglichkeit, bei der Modezeitschrift Rebelle Magazin bald den Posten als Chefredakteurin einzunehmen. Da sie ihr Privatleben sehr strikt vom Beruf getrennt hält, eilt ihr der Ruf als frigide und prüde Businessfrau voraus. Als sie zu einem Termin per Flugzeug unterwegs ist, braucht sie starke Nerven, denn offenbar hat sie einen Flieger mit möglichst vielen nervtötenden Fluggästen erwischt. Auch die Gegenwart ihres zufälligen Sitznachbarn, dem neunzehnjährigen Studenten Balthazar, quittiert sie eher mit Augenrollen denn mit Begeisterung. Er hingegen macht – wenn auch unbeholfen – keinen wirklichen Hehl daraus, dass sie doch sehr anziehend auf ihn wirkt.

It Boy - Szenenbild 1 © Universum FilmIn all dem Stress verliert sie ihren USB-Stick, auf welchem sich wichtige Dokumente finden, und nach dem Flug meldet sich der lebenslustige, aufmerksame junge Mann bei ihr, denn er hatte den wertvollen Datenträger gerade noch gefunden, als sie leider schon verschwunden war. Die beiden geraten in einen holprigen Telefondialog, der dafür sorgt, dass das Übergabetreffen, bei welchem es endgültig um ihn geschehen ist, sehr außergewöhnlich vonstatten geht, denn für die Außenstehenden sieht es so aus, als würde hier eine fast vierzigjährige Frau einen halb so alten Mann daten. Dank Twitter und Co. verbreitet sich das Gerücht, Alice habe ein Techtelmechtel mit Balthazar, schneller als es ein Lauffeuer jemals vermag.

Bald erreicht das Gerücht auch ihre Kollegen, und diese legen Alice nahe, sie solle die Situation ausnutzen und ihm eine Beziehung vortäuschen, denn letztendlich könne sie auf diese Weise ihr verklemmtes Image loswerden, in der Öffentlichkeit ins Gespräch kommen und so bei ihrem sehr aufgeschlossenen Vorgesetzten zu punkten, sodass sie ihr berufliches Ziel endlich erreicht. Doch kann sie wirklich dauerhaft ohne schlechtes Gewissen mit den Gefühlen des jungen Charmeurs spielen? Und kann sie ihre eigenen Gefühle und Sehnsüchte ignorieren?

It Boy - Szenenbild 2 © Universum FilmNein, allzu originell klingt das nicht, und hier und dort wird gerne auch in die Klischeekiste gegriffen, dennoch gibt es bei „It Boy – Liebe auf Französisch“ zahlreiche Faktoren, die den Film sehenswert werden lassen. Zum einen ist es die brillante Schauspielkunst eines jeden Darstellers – dies zieht sich von den beiden Hauptdarstellern Virginie Efira und Pierre Niney über die Coprotagonisten bis hin zu den Nebenfiguren. Zum anderen wurde der kurzweilige Eineinhalbstünder mit Unmengen an Details versehen, sowohl in Bezug auf Kulisse als auch hinsichtlich Emotionen und Gestik, sodass man jede Kleinigkeit, die geschieht, auch aufsaugen möchte. Zudem wurde sehr geschickt das richtige Verhältnis zwischen traurigen und nachdenklichen sowie situationskomischen und heiteren Momenten austariert, sodass „It Boy“ nie in Richtung eines Ungleichgewichts kippt.

Und fast gebetsmühlenartig kann man auch bei diesem Streifen wieder einmal verkünden: Die Konkurrenz aus anderen Ländern kann bei den Franzosen noch einiges lernen, denn auch hier stimmt praktisch das ganze Drumherum: Das Drehbuch ist durchdacht, die Figuren werden vielseitig gezeichnet, und technisch kann der Streifen mit den Hollywoodproduktionen locker mithalten und übertrifft sogar einen großen Teil derselben.

It Boy - Szenenbild 3 © Universum FilmDenn anstatt lediglich auf schräges Entertainment im Popcornkinoformat zu setzen und beinahe einem Sturmklingeln gleich die Lachmuskeln dauerzustimulieren, wurde mit zahlreichen Texturen gearbeitet, die fließend ineinander übergehen. Erfrischend ist auch, dass Tabus gerne auch mal mit dem Holzhammer gebrochen und offen angesprochen werden, und gesellschaftliche Grenzen werden ganz einfach mal in Frage gestellt. Denn noch immer gilt es allgemeinhin als völlig legitim, wenn sich ein Mann in den Vierzigern oder ein gar deutlich älterer Zeitgenosse eine blutjunge Frau schnappt, während eine reifere Frau selbst im Jahr 2013 noch schräg angesehen wird, wenn sie einen deutlich jüngeren Mann an ihrer Seite hat.

„It Boy – Liebe auf Französisch“ erfüllt seinen Zweck des abendfüllenden televisionären Genusses hervorragend, und zwar ohne den Zuschauer mit etwas Blödelei abzuspeisen. Denn trotz seiner Leichtigkeit und reichlich Unterhaltung wird der Anspruch nicht außen vor gelassen.

Cover, Packshots und Szenenfotos © Universum Spielfilm

 

  • Titel: It Boy – Liebe auf Französisch
  • Originaltitel: 20 ans d’écart
  • Produktionsland und -jahr: Frankreich, 2013
  • Genre:
    Komödie
  • Erschienen: 04.10.2013
  • Label: Universum Spielfilm
  • Spielzeit:
    89 Minuten auf 1 DVD
    90
    Minuten auf 1 Blu-Ray
  • Darsteller:
    Virginie Efira
    Pierre Niney
    Charles Berling
    Gilles Cohen
    Camille Japy
    Michaël Abiteboul
    und mehr…
  • Regie: David Moreau
  • Drehbuch:
    David Moreau
    Chantal Pernecker
  • Extras:
    Making Of, Interviews, Trailer
  • Technische Details (DVD)
    Video: 2,40:1 (16:9 anamorph)
    Audio:
    Deutsch, Französisch (DD 5.1)
    Untertitel:
    Deutsch
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video: 2,40:1 (1080p/24)
    Audio:
    Deutsch, Französisch (DTS-HD 5.1)
    Untertitel:
    Deutsch
  • FSK: 12
  • Sonstige Informationen:
    Infoseite zum Film

 

Wertung: 11/15 dpt

 

 

 

 


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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