Dino-Zug Christmas-Special DVD Cover © STUDIOCANALEigentlich fußt der “Dino-Zug” auf einer schönen Idee: Der junge Tyrannosaurus Rex Buddy wurde von einer Pteranodon-Familie adoptiert und ist extrem neugierig, forsch und kaum zu bremsen in seinem Tatendrang. Um viele Abenteuer zu erleben und die Neugier zu stillen, geht es mit der Familie und mit dem Herrn Schaffner per eigens für die Dinosaurier unterschiedlichster Art erschaffenem Dino-Zug auf Reisen. Der Dino-Zug besitzt nicht nur die Fähigkeit, zu den verschiedensten Gebieten der Erdkugel zu gelangen, sondern auch ins mesozoische Zeitalter.  Hier wie dort trifft die Familie auf diverse, teils skurrile andere Saurier, erkundet aber auch anderes aus Flora und Fauna. Und so wird ergründet, was der Muttertag ist, wie das in anderen Teilen der Erde mit dem Schnee ist, was Fossilien sind oder wie ein Nadelbaum wächst – am Ende jeder Episode wird dann vom Paläontologen Scott D. Sampson noch einmal in kindgerechter “Galileo”-meets-“Löwenzahn”-Manier alles wissenschaftlich zusammengefasst.

Hierbei leistet man sich allerdings inhaltlich derbe Schnitzer, wobei diesbezüglich auch die Übersetzung schuld sein kann – ob dem so ist, kann mangels Originalton auf der spartanisch eingerichteten DVD nicht ergründet werden. Deswegen ist zu hoffen, dass wenigstens in der ursprünglichen, englischen Sprache nicht diese zahlreichen fatalen Fehler vorhanden sind – denn da die Sendung laut eigenem Anspruch des Stabs auch bildende Elemente in sich birgt, wäre es unverantwortlich, wenn den Kids so falsche Inhalte vermittelt würden. Ein großes Ärgernis ist hier auch, dass viele Klischees in die Köpfe der Kinder eingetrichtert werden – Mama, die Fürsorgliche. Papa, der Beschützer. Mama, die Fleißige. Papa der starke Retter.

Dino-Zug Christmas-Special Szenenbild © STUDIOCANALLeider strotzen die Geschichten selbst ebenfalls nur so vor logischen Unzulänglichkeiten, denn obwohl Buddy von der ein oder anderen Sache ja noch absolut keine Ahnung hat und erst noch dahinter kommen muss, stellt er weitere Fragen, die er ohne Vorwissen gar nicht stellen können dürfte – oder er plant Dinge zu Anlässen, von deren Existenz er noch überhaupt nichts weiß. In der ersten Episode möchte er zum Beispiel wissen, was Schnee ist. Auf der Fahrt dorthin, wo es Schnee gibt, meint der kleine Tyrannosaurus Rex dann ganz keck, dass er, wenn er samt Familie angekommen ist, erst einmal den Tanz tanzen wird, den er einstudiert hat, wenn es schneit. Nur: Woher weiß er plötzlich, was “schneien” ist? Später, als die Dinos dann mit anderen dort lebenden, den dortigen Bedingungen angepassten Sauriern am gefrorenen See stehen, sind er und seine Familie auf einmal praktisch ohne Übung dazu fähig, virtuos übers Eis zu schlittern. Ähnlich lieblos gescriptet und wenig durchdacht geschrieben sorgen auch die weiteren Episoden für Kopfschütteln.

Lieblos ist leider auch die grafische Gesamtheit der Serie. Die Figuren selbst zeigen praktisch kaum Mimik und wirken dadurch äußerst emotionsarm, wenn nicht gar emotionslos, und die Kulissen sind meist recht spartanisch und standbildhaft gehalten. Sie wirken eher wie einem Grabbeltisch-3D-Computerspiel entommen. Doch auch die Details lassen häufig sehr zu wünschen übrig, so sind sind beispielsweise die Feinheiten des Zugs stellenweise beinahe schon schlampig ausgearbeitet. Kurz: Das Budget schien nicht besonders hoch zu sein, und entsprechend “billig” wirkt das Ergebnis – und das ist beinahe schon respektlos gegenüber der Zielgruppe.

Dino-Zug Christmas-Special Szenenbild © STUDIOCANALDie Synchronisation ist ein weiterer Schwachpunkt, denn die Stimmen passen nur leidlich gut zu den Maulbewegungen der Charaktere. Doch auch die akustische Komponente ist ein einziges Desaster, denn die Phrasierungen und Betonungen sind extrem gekünstelt und übertrieben, sodass die Glaubwürdigkeit komplett verloren geht. Zudem ist es extrem unangenehm, dass die Stimmen auch in den nicht turbulenten Situationen, auch bei normalen Dialogen, völlig überdreht und laut sind, völlig ohne Sensibilität oder Dynamik, sondern dauerlaut, dauerschrill und dadurch ein nicht unerheblicher Stressfaktor – man wird als Zuschauer praktisch durchgehend angeschrien.

Auch die Einspieler am Ende jeder Episode, in welchen mit Scott D. Sampson noch einmal eine reale Person die Kinderfragen beantwortet, grenzen an einer Zumutung. Inhaltlich zwar akzeptabel, sind die Dialoge grauenvoll hölzern, und jedes Kinderstaunen kommt derart gestellt rüber, dass die Hand reflexartig den fassungslosen Griff gen eigenen Schädel vornimmt.

Fazit: Tolle Grundidee, indiskutable Umsetzung.

Cover & Szenenbilder © STUDIOCANAL

  • Titel: Dino-Zug – Christmas-Special
  • Originaltitel: Dinosaur Train
  • Produktionsland und -jahr: USA/Singapur, 2009/10
  • Genre:
    TV-Serie, Animation, Kinder
  • Erschienen: 07.11.2013
  • Label: STUDIOCANAL
  • Spielzeit:
    106 Minuten in 8 Folgen auf 1 DVD
  • Idee: Craig Bartlett
  • Ausführende Produzenten:
    Craig Bartlett
    Brian Henson
    Lisa Henson
    Halle Stanford
  • Extras:
    Wendecover
  • Technische Details (DVD)
    Bild: 1,78:1 (anamorph)
    Sprachen/Ton:
    Deutsch (Stereo DD)
  • FSK: 0
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite beim Label

Wertung: 3/15 dpt

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