Makkhi – Die Rache der Fliege (Spielfilm, VoD)

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Makkhi - Die Rache der Fliege - Filmsheet © Rapid Eye Movies

Jani und Sudeep. Beide wollen sie die Aufmerksamkeit der jungen, hübschen Schmuckdesignerin Bindu gewinnen: Sudeep, ein skrupelloser industrieller Multimillionär, gleichermaßen Frauenheld wie Fiesling, will ihr recht plump an die Wäsche. Der in Bindus Nähe wohnende, bescheiden lebende Jani hingegen himmelt sie nach allen Regeln der Kunst an und möchte ihr seine von Herzen kommende Liebe beweisen. Doch lange bekommt er keine Gelegenheit dazu, denn der aufgebrachte Sudeep ist blind vor Eifersucht und tötet seinen Nebenbuhler kaltblütig.

Makkhi - Die Rache der Fliege - Szenenfoto © Rapid Eye MoviesDoch Sudeep hat sich zu früh gefreut, denn Karma und Reinkarnation sei Dank wird Jani wiedergeboren: Als Fliege! Der insektgewordene junge Mann beschließt, sich an seinem Mörder gnadenlos zu rächen und nimmt sich vor, dem raffgierigen Egomanen das Leben fortan zur Hölle machen. Das ist für den kleinen Hautflügler nicht einfach, aber er bleibt hartnäckig, bringt ihn in Büro und Sauna an den Rand des Wahnsinns, verursacht Autounfälle, raubt ihm den Schlaf. Und da sein nun sehr kleines Herzchen noch immer für Bindu schlägt, summt Jani auch zu ihr, um ihr wenigstens nahe zu sein. Er braucht ohnehin ihre Hilfe, um Sudeep den Garaus zu machen, da er das als gewöhnliche Stubenfliege nicht schaffen wird. Nur: Wie stellt er das an? Wie zeigt er Bindu, dass er keine gewöhnliche Stubenfliege ist, die man mit Insektenspray loswird, sondern ihr Jani, den sie zuletzt doch liebgewonnen hat?

Makkhi - Die Rache der Fliege - Szenenfoto © Rapid Eye MoviesBeginnt „Makkhi – Die Rache der Fliege“ im ersten Viertel noch eher klassisch-bollywoodesk, inklusive typischer Musicaleinlagen, so nimmt der Film nach Janis Tod und anschließender Wiedergeburt einen Kurs, der einer 180°-Wendung nahekommt, denn von nun an entwickelt sich der Streifen in eine überdreht-schrille Komödie mit vielen originellen CGIs und zahllosen Gags, die in einer solchen Frequenz abgefeuert werden, dass die Lachrezeptoren dauerstimuliert werden.

Die schauspielerische Leistung der Protagonisten und Nebenfiguren ist hierbei über alle Zweifel erfahren, und jede Spur des Overacting wird völlig bewusst und filmdienlich dargestellt. Schauspieler Nani, der Jani mimt, stellt den netten Nachbarsjungen absolut glaubwürdig dar, und auch Akteurin Samantha, die Bindus Rolle einnimmt, glänzt mit Authentizität. Doch gerade der auch im realen Leben den Namen Sudeep tragende Sudeep-Darsteller spielt hier wohl die Rolle seines Lebens, denn die Art und Weise, wie er seinen offensichtlich aussichtslosen Fight gegen das kleine Brummvieh zu gewinnen versucht, ist mehr als beeindruckend, denn es dürfte nicht allzu einfach gewesen sein, gegen eine noch nicht vorhandene und nachträglich eingefügte Fliege zu kämpfen.

Makkhi - Die Rache der Fliege - Szenenfoto © Rapid Eye MoviesDie Szenen dieses völlig wahnwitzigen, durchgeknallten Movies sind zwar durchaus eine Aneinanderreihung von Slapsticks, hier und dort mit recht makabren, derben Szenen garniert, doch nie wirken die fiesen Streiche, die die Fliege Jani mit Bindus Hilfe dem schweinehundigen Geldsack spielt, sinnlos aneinandergeklatscht. Eher unterstreichen sie die Hartnäckigkeit, mit der der Ex-Mensch und Neusechsbeiner zu Werke geht – und die Kreativität, die der Filmstab und insbesondere das CGI-Team hierbei walten lassen, ist schlichtweg beeindruckend.

Absurd, skurril, schräg, gnadenlos bekloppt und völlig over the top werden hier sämtliche Register des komischen Films gezogen, doch bei all den Lachattacken-Triggern gerät die Message des Films nie aus dem Blickfeld, nämlich, dass sich Egoismus, Unrecht und negative Energien immer in irgend einer Form rächen werden. Zwar fußt der Rachegedanke hier – wenngleich in herrlich bitterböser Form und überspitzt-metaphorisch – im hinduistischen Glauben, doch wenn man ein in hiesigen Gefilden bekanntes Pendant zur Botschaft von „Makkhi – Die Rache der Fliege“ suchen wollen würde, so würde »Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es auch wieder heraus.« gut passen. Oder aber: »Behandle deine Mitmenschen nur so, wie du selbst behandelt werden möchtest.« – klingt zwar vollkornkekspädagogisch ohne Ende, bietet aber eine perfekte Vorlage für diesen (positiv, wohlgemerkt!) Unfilm.

Makkhi - Die Rache der Fliege - Szenenfoto © Rapid Eye MoviesFeelgood-Trash meets Lovestory, und all das liebevoll und extrem detailreich aufgearbeitet, mit faszinierenden Effekten – da kann man eigentlich kaum mehr wollen als das, was man hier geboten bekommt. „Makkhi – Die Rache der Fliege“ ist perfektes Heimkino für die Familie – vielleicht etwas derb für die U12-Fraktion, weil Jani ganz schön brutal zu seinem Widersacher und Mörder sein kann, doch wer die geistige Reife erlangt hat, diese kleine Rachestory in ihrer Überspitztheit zu verstehen, wird rund zwei Stunden lang auf spezielle Art bespaßt.

Wichtig: Dieser Film wird von Rapid Eye Movies nicht als DVD oder BluRay veröffentlicht, sondern ausschließlich als VoD (Video on Demand) angeboten. Einen Link zum Video findet ihr in der untenstehenden Infobox.

Filmsheet & Szenenfotos © Rapid Eye Movies

  • Titel: Makkhi – Die Rache der Fliege
  • Originaltitel: Eega
  • Produktionsland und -jahr: Indien,  2012
  • Genre:
    Komödie, Romanze, Teilanimation
  • Erschienen: 2013
  • Label: Rapid Eye Movies
  • Spielzeit:
    124 Minuten als Video on Demand
  • Darsteller:
    Nani
    Samantha
    Sudeep
    Hamsa Nandini
    Devadarshini
    Adithya
    Abhiram
    Srinivasa Reddy
    Santhanam
    Crazy Mohan
  • Regie: S. S. Rajamouli
  • Technische Details
    Video:
    16:9, 1080p/24 Full HD
    Sprachen/Ton
    :
    Hindi
    Untertitel:
    Deutsch
  • FSK: 12
  • Sonstige Informationen:
    Seite zum Film
    (inklusive Link zum VoD)

Wertung: 13/15 dpt

 

 

 


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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