The Equalizer – Der Schutzengel von New York – Staffel 1 (Serie, 6DVD)

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The Equalizer Staffel 1 Cover © Koch MediaSo manche Kindheits- und Jugenderinnung hätte gerne eine solche bleiben dürfen. Dennoch war der Rezensent, seines Zeichens Baujahr 1974, erfreut, dass „The Equalizer“ nun in DVD-Form erstmals aufgelegt wurde. Die Serie besaß in den 80ern einen ähnlichen Charme wie „Ein Colt für alle Fälle“ und Vergleichbares, doch vorliegende Serie hatte etwas, was seinerzeit noch vielen anderen abging: Die Zweigleisigkeit und Komplexität der Fälle. Nicht nur das handelte der Serie im Laufe der Zeit einen Kultstatus ein, der sich bis heute hartnäckig hält, sondern auch die doch andersartige Figur des Equalizers. Denn er ist so gar nicht der „unstoppable superhero“, sondern ein Gentleman, der sich nur in den entscheidenden Momenten aus dem Hintergrund wagt. Kein testosteronberstender Womanizer, der sie alle platt macht, sondern jemand, der mit viel Know-How ans Werk geht und Gewalt gegen Verbrecher wohldosiert einsetzt.

Robert McCall (Edward Woodward) war einst Agent bei der CIA, doch mittlerweile sucht er sich seine Klienten selbst und inseriert in Zeitungen. Verzweifelte Menschen, denen die Polizei nicht mehr weiterhelfen kann, wenden sich irgendwann an ihn, rufen ihn an, und McCall, der sehr schnell abzuwägen in der Lage ist, wer wirklich Hilfe benötigt und wer nicht, ist zur Stelle. Der Kreis seiner Klienten erstreckt sich über sämliche gesellschaftlichen Kreise – die Ehefrau oder Angestellte in Not darf ebenso auf die Hilfe McCalls zählen wie der ständig bedrohte Schüler, Stalkern legt der Equalizer ebenso das Handwerk wie klassischen Ganoven, die der Polizei stets einen Schritt voraus sind – ihm sind sie es jedoch nicht.

The Equalizer Staffel 1 Szenenbild © Koch Media Der damaligen Zeit war diese Serie definitiv ein Stück weit voraus, und das lag nicht etwa an seinem Jaguar XJ-6, ebenfalls nicht einmal an der doch sehr experimentellen Musik von „The Police“-Musiker Stewart Copeland, sondern am eingangs erwähnten Strickmuster der einzelnen, manchmal auch der zwei parallel verlaufenden Fälle. Und auch die Herangehensweise, mit der McCall seine Arbeit verrichtete, war alles andere als oldschool, alles andere als konventionell. Seine Ablenkungsmanöver waren oftmals sehr kreativ, sehr high-tech für die 80er, und von klassischer Krimikost war „The Equalizer“ nicht nur deswegen weit entfernt.

Doch jetzt, rund dreißig Jahre später, hat die Serie leider viel von ihrem Zauber eingebüßt. Verlaufen die ersten Episoden noch recht frisch und originell, so werden die Fälle an sich zunehmend klischeehafter – da vermag auch der neuartige „Schutzengel“ kaum Rettung zu bringen. Denn letztendlich schleicht sich sehr bald eine unangenehme Vorhersehbarkeit in die späteren Episoden ein, die gesellschaftlichen Klischees werden unangenehm betont, und der Beigeschmack wird schaler und schaler.

The Equalizer Staffel 1 Szenenbild © Koch Media Auch macht sich ein Gefälle in der schauspielerischen Qualität bemerkbar. Sind die wichtigsten Darsteller, allen voran Woodward als introvertierter, zurückhaltend agierender, „stiller Superheld“, noch von größtem Kaliber, zeigen sich bereits bei den Hilfesuchenden und bei den Nebendarstellern deutliche darstellerische Unterschiede. Dies mag zum einen eventuell an der tatsächlichen Qualität der Schauspieler gelegen haben, doch auch die Synchronsprecherleistung ist nicht so ganz unschuldig an diesem Manko. Zu pathetisch, zu gekünstelt die Mimik, zu theatralisch die Dialoge.

Obendrein meinte man es mit der Musik zu gut. Das liegt gar nicht mal an der Musik an sich – dem Verfasser dieser Zeilen kann Musik nicht schräg und experimentell genug sein! -, sondern an ihrer oftmaligen Deplatziertheit und ihrer sehr vordergründigen Abmischung. Was den Thrill der einzelnen Folgen vermutlich betonen soll, lenkt eher ab und kann zuweilen ganz schön nervenaufreibend wirken – oftmals fühlt man sich in die Zeiten der Amiga 500-Computerspiele zurückversetzt, in denen man zwar die technischen Möglichkeiten anerkennen musste und die abgefahrenen Kompositionen irgendwie einen coolen Eindruck machten, doch irgendwann, wenn man das Level zum vierzigsten Mal spielte, ging einem die Musik derart auf den Senkel, dass man sie im Menü deaktiviert hat, und wenn das nicht möglich war, ganz ohne Ton weiterspielte. Eine Möglichkeit, die bei „The Equalizer“ nicht vorhanden ist.

„The Equalizer“ – eine Krimiserie, die in der Jugend aufregend war und nostalgische Gefühle weckt. Eine Krimiserie, die in den Achtzigern Maßstäbe setzte, heute aber nur noch mit Retro-Romantik und Klischeetoleranz wirklich zu genießen ist.

Cover & Szenenbilder © Koch Media

  • Titel: The Equalizer – Der Schutzengel von New York
  • Originaltitel: The Equalizer
  • Staffel: 1
  • Episoden: 22 á 45 Minuten
  • Produktionsland und -jahr: USA, 1985
  • Genre:
    Krimi
  • Erschienen: 24.01.2014
  • Label: Koch Media
  • Spielzeit:
    1025 Minuten auf 6 DVDs
  • Darsteller:
    Edward Woodward
    Keith Szarabajka
    Fred Williamson
    u.a.
  • Regie: Tobe Hooper u.a.
  • Musik: Stewart Copeland
  • Extras:
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    1,33:1 (4:3)
    Sprachen/Ton
    :
    Englisch, Deutsch (DD 2.0)
    Untertitel:
    Englisch
  • FSK: 16
  • Sonstige Informationen:
    Erwerbsmöglichkeiten (selbige verlinken!)
    (sonstige Infos, falls relevant, hier angeben – z.B. Seite zum Film)

Wertung: 8/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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