Inspector Morse – Staffel 1 (TV-Serie, 4DVD)

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Inspector Morse - Staffel 1 - DVD Cover - © edel:Motion»Morse. Just call me Morse.« – diese Antwort auf die Frage nach dem Vornamen des Detective Inspector Endeavour Morse ist ein immer wiederkehrendes Element in dieser von 1987 bis 2000 produzierten Serie, welche den unmittelbaren Vorläufer der heuer erfolgreichen, seit 2007 laufenden Nachfolgerserie „Lewis“ darstellt. Und wie auf dem Cover unschwer zu erkennen ist, war der heutige Detective Inspector Lewis (Kevin Whately) früher das, was James Hathaway (Laurence Fox) heute ist, nämlich der den DI unterstützenden Sergeant – eben der Adlatus. Während Lewis doch ein eher konservativer Vertreter der Spezies Mensch ist, ist Morse (John Thaw, 2002 leider verstorben) eher ein unkonventioneller Ermittler, der für so manche Überraschung gut ist. Er ist durchaus sehr eigenbrötlerisch und genießt lieber seinen Scotch oder ein gutes Bier und ist versessen darauf, Fehler in Rechtschreibung und Grammatik zu finden. Zudem hegt er eine große Liebe für Richard Wagners Kompositionen und besitzt einen unglaublichen Ehrgeiz beim Lösen von Kreuzworträtseln.

Doch während seine Kollegen oftmals noch im Dunkeln tappen und auch Lewis‘ hochgeschätzter Verstand beim Finden des Täters eine große Hilfe ist, lenken Morse seine Impulse, sein Bauchgefühl und seine ebenfalls messerscharfe Kombinatorik, weswegen er den anderen meist doch einen oder mehrere Schritte voraus ist. Letztendlich ergänzen sich die beiden so gut, dass sie im kulturell reichen Oxford am Ende stets den Richtigen hinter Gitter bringen – Lewis als der Akribische, Morse als der zuweilen chaotisch Anmutende.

Inspector Morse - Staffel 1 - Szenenbild - © edel:MotionIn „Die Toten von Jericho“ verliebt sich Nichtromantiker Morse in die aparte Anne Staveley, fällt jedoch aus allen Wolken und in tiefe Trauer, als bekannt wird, dass die schöne Frau sich offenbar erhängt hat. Der Detective Inspector glaubt nicht an Suizid und steckt all seine Energie in die Suche nach der Wahrheit. Bei „Die Stille Welt des Nicholas Quinn“ wird das episodennamengebende Mitglied des Prüfungsausschusses tot bei sich zuhause aufgefunden. Morse kommt einiges spanisch vor, und die Verwirrung wird groß, als die attraktive Monica Height, die mit einigen der Verdächtigen liiert war, sein Herz zu erobern versucht…

Mit einem Serienmörder bekommen es Morse und Lewis dann in „Eine Messe für alle Toten“ zu tun. Sein erstes Opfer – Messer in der Brust – ist ein Gemeindevorsteher, und auch die weiteren Toten hatten mehr oder weniger mit der Kirche zu tun. Morse steht unter Druck, zumal mittlerweile fünf Menschen sterben mussten. In der finalen Folge der ersten Staffel, „Der Wolvercote-Dorn“, muss eine amerikanische, gutsituierte Touristin ihr Leben lassen – sie wollte das geerbte Schmuckstück, ebenjenen Wolvercote-Dorn, dem Oxforder Ashmolean Museum spenden. Offenbar hatte irgendjemand genau mit diesem Vorhaben so seine Probleme…

Bedenkt man, dass diese vier Episoden aus dem Jahr 1987 stammen, kann man nur staunen, wie weit diese Krimiserie ihrer Zeit damals voraus war. Die Komplexität, der Wortwitz, die Dialogdichte und die geschickt gelegten falschen Fährten, all das fand man seinerzeit im Fernsehen nur selten vor. In Kombination mit einem äußerst charismatischen John Thaw sowie dem exzellenten Schauspieler Kevin Whately hat man zwei wirklich starke Schauspieler als Protagonistendoppel gewählt, doch auch die Schauspieler aus der zweiten Reihe, beispielsweise Peter Woodthorpe als Pathologe Max, wussten in ihren Rollen zu überzeugen.

Krimis mit hohem Anspruch und viel intellektuellem Subtext waren damals noch eine Seltenheit, und die Zeitlosigkeit der Geschichten, die allesamt auf den Colin Dexter-Kriminalromanen basieren, erstaunt auch anno 2014 beziehungsweise 2015 noch.

Inspector Morse - Staffel 1 - Szenenbild - © edel:MotionEigentlich ist es eine Schande, dass es über fünfundzwanzig Jahre dauern musste, bis diese Serie auch in Deutschland auf DVD zu genießen ist. Bild und Ton sind für Produktionen aus dieser Ära tadellos, wenngleich die verschiedenen britischen Akzente doch sehr genaues Hinhören erfordern, wenn das Ohr nicht gerade geschult ist – denn eine deutsche Synchronspur findet man bei diesen jeweils etwas mehr als einhundertminütigen Filmen nicht. Wer des Englischen also nicht mächtig ist, muss sich mit den deutschen Untertiteln begnügen und wird mehr mit Lesen als mit Zuschauen beschäftigt sein.

Aber ganz gleich, ob die künftigen, noch nicht in Deutschland erschienenen „Inspector Morse“-Staffeln noch erscheinen – und wenn, ob sie synchronisiert werden oder nicht: der Reiz, sich in dieser Serie festzufressen, ist groß. Denn angefixt ist man bereits nach der ersten Episode – umso schöner wäre es, wenn dieses britische Juwel auch hierzulande die verdiente Beachtung fände.

Cover & Szenenfotos © edel:Motion

  • Titel: Inspector Morse
  • Staffel: 1
  • Episoden: 4 (spielfilmlang)
  • Originaltitel: Inspector Morse
  • Produktionsland und -jahr: GB, 1987
  • Genre:
    Krimi, TV-Serie
  • Erschienen: 12.09.2014
  • Label: edel:Motion
  • Spielzeit:
    410 Minuten auf 4 DVDs
  • Darsteller:
    John Thaw
    Kevin Whately
    James Grout
    Peter Woodthorpe
    Amanda Hillwood
    uvm.
  • Regie:
    Alastair Reid
    Brian Parker
    Peter Hammond
  • Drehbuch:
    Anthony Minghella
    Julian Mitchell

  • Extras:
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    PAL 16:9
    Sprachen/Ton
    :
    GB
    Untertitel:
    D
  • FSK: 12
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 13/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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