Norbert Horst – Mädchenware (Buch)

0
0
0

Norbert Horst - Mädchenware (Cover © Goldmann Verlag)Kriminalromane, gibt es, eine Binsenweisheit, wie Sand am Meer. Man schaue sich nur einmal in diesem Medium, dem Internet um; fündig wird man auf diversen Seiten. Alle Abgründe der menschlichen Seele werden in den unzähligen Neuerscheinungen ausgebreitet und in epischer Breite ausgewalzt. Höher, schneller, weiter; dieses Motto lässt sich auch auf das Genre „Krimi“ bequem anwenden. Fast jede Geschichte über perverse Mörder, und Serientäter ist bereits geschrieben worden.

Ob man nun jede Entwicklung so weit gut finden muss, sei mal dahingestellt. Da stellt sich zwanglos die Frage, warum überhaupt noch Krimis lesen – oder am besten gleich zu den „Klassikern“ wie Raymond Chandler, Dashiell Hammett oder Patricia Highsmith greifen? Dort bekommt man dann zwar bekannte Geschichten, aber auch solide literarische Qualität, ausgereifte Protagonisten und den Geruch der „guten alten Zeit“. Der Böse war Böse, der Held auf Seiten der Schwachen, und es gab die „geheimnisvolle“ Blondine als Projektionsfläche für geneigte Träume.

Wie passt nun Norbert Horsts Roman „Mädchenware“ in diese Betrachtungen? Was hebt diesen Roman ab aus der Masse der Neuveröffentlichungen? Die Antwort ist einfach und in der Person des Autors begründet. Norbert Horst ist echter Polizeibeamter! Hier schreibt jemand, der weiss, wovon er schreibt (was natürlich nicht heißen soll, dass das bei vielen anderen Autoren nicht auch der Fall ist). Dennoch ist es anders.

Nun, die Geschichte des Romans ist nicht sonderlich kompliziert. Es geschehen Morde in einem Dortmunder Bordell. Eine Prostituierte stirbt, eine Person ist offensichtlich schwer verletzt, jedoch nicht am Tatort auffindbar. Thomas Adam, genannt Steiger, übernimmt die Ermittlungen. Schnell stellt sich heraus, dass im Fall Beziehungen nach Osteuropa bestehen. Menschenhandel, Prostitution von jungen Frauen, entwurzelt, zwischen allen Stühlen sitzend, ergeben eine griffige Geschichte. Eine Geschichte, die, so muss man leider sagen, mittlerweile alltäglich ist. Und an dieser Stelle greift Norbert Horst mit seinem Roman genau richtig. Nicht die abgedrehten Polizeibeamten, wie ihn zum Beispiel der Schauspieler Jörg Hartmann als Kriminalhauptkommissar Peter Faber im Dortmunder „Tatort“ in der ARD gibt, sondern Menschen, geplagt von Zweifeln und Selbstzweifeln sind diese Beamten. Nicht die Supermänner und Frauen, die in 90 Minuten jeden noch so komplizierten Fall lösen – Horst beschreibt die tägliche Polizeiarbeit. Das Klinkenputzen, das Durchforsten von Computerdateien nach Hinweisen, das Zusammensetzen von Puzzleteilchen. Der Frust und auch die kleinen Erfolgserlebnisse. Da wird dann erklärt, dass es in einer Mordkommision einen Aktenführer gibt, bei dem alle Informationen zusammen kommen und gesammelt werden.

Es wird beschrieben, wie gefährlich es ist, lediglich einen Vollstreckungshaftbefehl zu vollstrecken, wenn eben nicht alle Dinge, die bekannt sind, beachtet werden. Und hieraus resultiert, wenn ein Polizeibeamter im Einsatz verletzt wird, Verzweiflung unter den Kollegen. Das ist gut dargestellt, Helden gibt es genug im Fiktiven, Norbert Horst braucht sie nicht, um eine spannende Handlung auf die Beine zu stellen. Denn diese Polizeiarbeit ist letztendlich spannend. Und das ist für einen Kriminalroman auch entscheidend; Langeweile kommt nicht auf und darf auch nicht aufkommen. Kleine Details zeigen das, so zum Beispiel die Ermittlung eines Fahrzeuges aus bekannten Kennzeichenfragmenten.

Nun gut, Norbert Horst, baut in seine Geschichte an dieser Stelle ein, dass zur Abfrage des sogenannten Tabellierbandes beim Kraftfahrtbundesamtes ein richterlicher Beschluss erforderlich ist, was dem Rezensenten neu wäre. Aber dies zeigt auch etwas anderes deutlich: die Ermittlungsarbeit ist an Recht und Gesetz gebunden und man kann auch das fesselnd darstellen. Nicht jeder Zweck heiligt die Mittel. Häufig sind Ermittlungen nur möglich, wenn halt ein Richter sein Plazet dazu gibt. Einmal das und weiter gelingt es Norbert Horst dadurch natürlich auch, Spannung und Dramatik aufzubauen und beizubehalten. So bleibt zuletzt nur festzustellen, dass hier ein außergewöhnlich guter, glänzend recherchierter Krimi eines ausgewiesenen Fachmanns vorliegt. Polizeiarbeit ist ein hartes Geschäft und dem „Kriminalen“ Norbert Horst gelingt es vorzüglich dieses einem, hoffentlich, breiten Leserkreis, darzustellen!

  • Autor: Norbert Horst
  • Titel: Mädchenware
  • Verlag: Goldmann (Homepage/Facebook)
  • Erschienen: Februar 2015
  • Einband: Broschur
  • Seiten: 352
  • ISBN: 978-3-442-48166-8
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite beim Verlag

Wertung: 12/15 dpt

 

0
0

Über den Autor

Laurent Piechaczek

Nicht mehr ganz der Jüngste. Literatur und Musik sowieso. Neuerdings sehr fotointeressiert. Wohnort: Ruhrgebiet, genauer in der Kulturhauptstadt von 2010! Beruf: zur Zeit leider zu viel!

Schreibe einen Kommentar

Kommentiere als Erste(r)!

Benachrichtigung, wenn:
avatar
wpDiscuz

Norbert Horst – Mädchenware (Buch)

von Laurent Piechaczek Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
0