House Of Cards – Die Miniserien-Trilogie (TV Serie, DVD/Blu-ray)

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House Of Cards (GB) Cover © Pandastorm Pictures/Ascot EliteFrank Underwood ist ein Ekel, ein Lügner, ein Manipulator und ein machtgieriges Arschloch. Aber leider ist damit nicht das Ende der Fahnenstange aus schlechten Eigenschaften und Taten erreicht, was das politische Machtspiel „House Of Cards“ trotz seines satirischen Anspruchs zu realitätsfern werden lässt. An dieser Erkenntnis kann leider auch sein britisches Pendant nichts ändern, das vor fünfundzwanzig Jahren zum ersten Mal in (zugegebenermaßen) beeindruckende Erscheinung trat.

Francis Urquhart (Ian Richardson) ist als Fraktionsvorsitzender der Conservative Party bereits ein mächtiger Mann, als Margret Thatcher aus dem Prime Minister-Amt scheidet. Zum ihrem Nachfolger wird Henry Collingridge (David Lyon) gewählt, unter dessen Führung sich Urquhart ein Ministeramt ausrechnet. Als diese Erwartung enttäuscht wird, lässt er seine Kontakte spielen beziehungsweise gegeneinander ausspielen und spinnt ein heimtückisches Netz aus Intrigen und Lügen, um den frischgebackenen Premier zu stürzen. Dabei hilft dem älteren Herrn nicht nur sein unbestreitbar vorhandenes Charisma, sondern auch sein Machthunger, seine soziopathischen Züge und seine Frau Elizabeth (Diane Fletcher).

Das ist die Ausgangslage der ersten von drei Miniserien-Staffeln, die nun zum ersten Mal in Deutschland als Set erhältlich sind. Sie basieren auf den Novellen von Michael Dobbs, von denen streng genommen nur die erste den Titel „House Of Cards“ trägt. Dieses Detail behält die Serie bei, ansonsten hat Drehbuchautor Andrew Davies einige markante Veränderungen am Stoff vorgenommen. Dobbs scheint damit konform zu gehen und hat 2013 seine Bücher der Serie angepasst, aber leider hat die Fernseh-Adaption mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie die US-amerikanische Version.

House Of Cards Szene 1 © BBC/Pandastorm PicturesNun kann es durchaus sein, dass „House Of Cards“ damals einen Nerv getroffen und erfolgreich mit den Ängsten der britischen Bevölkerung gespielt hat, aber auch hier kann die Einordnung in das Genre „Satire“ nicht alles rechtfertigen. Francis Urquhart hat alle Fäden in der Hand und scheint fast in jeder Situation zu wissen, was er zu tun hat. Es mag durchaus zutreffen, dass Politiker auf dieser Stufe der Macht nahezu perfekt und ohne Fehler handeln müssen, dass Francis aber lange Zeit in keine ernst zu nehmende Schwierigkeiten und enge Situationen gerät, nimmt dem Plot ein Stück weit seine Spannung. Als er sich dann auch noch mit dem neuen König anlegt, ist es mit dem Realitätsbezug ganz vorbei. Trotzdem sieht sich der Politiker zu drastischen Taten gezwungen, deren Intensität all den Verschwörungstheoretikern dieser Welt in die Karten spielt (FSK 12 sollte bei einigen Folgen noch einmal überdacht werden) und ein dementsprechend schlechtes Bild von Politikern zeichnet. Vor allem Staffel drei ist in dieser Hinsicht ein absoluter Overkill.

Ob ein Frank Underwood heute in Zeiten von Politik(er)verdrossenheit und fehlendem Vertrauen in die repräsentative Demokratie in dieser Form wirklich die richtige Message an die US-Bürger ist, sollte noch ein wenig heftiger hinterfragt werden. Doch auch bei der UK-Variante sei die Frage erlaubt, ob erfolgreiche Politiker wirklich solch skrupellose und rücksichtslose Wesen bzw. ob alle anderen so leicht auszurechnen sind. Gut, einen Mr. Urquhart plagt im Unterschied zu Underwood irgendwann das Gewissen (auch wenn ihn komischerweise nicht alle seine brutalen Taten verfolgen), einen Moment des Zusammenbruchs erlebt die Zuschauenden aber nicht.

House Of Cards Szene 2 © BBC/Pandastorm PicturesDie müssten es eigentlich erfahren, denn Francis schaut nicht nur in die Kamera und erklärt seine Absichten, er spricht sogar in einigen Moment direkt mit den Menschen auf der anderen Seite. Das sind die kurzen Momente, in denen er menschelt, doch sie sind viel zu rar gesät. Francis Urquhart bleibt ein Antiheld, ein Monster, mit dem man nicht nachhaltig mitfiebert. Das manipulative Moment, das Ian Richardson in die Figur legt, ist zwar bemerkenswert und hält einen erstaunlich lange bei der Stange, für wirkliche Sympathien fehlen der Figur jedoch die Facetten.

Außerdem fehlt der Platz, damit sich der Plot gesund entfalten kann. Gerade einmal vier Folgen zwischen fünfundvierzig und fünfundfünfzig Minuten Länge stehen pro Staffel zur Verfügung, womit die anspruchsvoll aufgezogenen Erzählstränge am Ende auf eine zu offensichtliche, überraschungsarme Weise zusammengeführt werden. Wird es dann doch mal überraschend, sind die Situationen so stark überzeichnet, dass man sich eine dazu passende BILD-Story ausdenken könnte. Das tut deswegen so weh, weil die Macher ansonsten sehr viel richtig machen.

Mit dem Kunstgriff Francis in die Kamera blicken zu lassen, haben sie ein kultiges Element geschaffen, das für immer auf die Serie zurückzuführen sein wird und für einige großartige Momente von Kevin Spacey gesorgt hat. Gleiches gilt für den immer wieder auftauchenden Satz “You might very well think that; I couldn’t possibly comment”, der es mittlerweile in den britischen Alltagswortschatz geschafft hat. Großartig sind auch die schauspielerischen Leistungen, sowohl was die Haupt- als auch von den Nebenrollenbesetzungen angeht. Bemerkenswert ist das deswegen, weil eine Rolle bei „House Of Cards“ für die meisten Schauspieler den einzig nennenswerten Auftritt in einer großen Produktion darstellt. Einzig die Leistung von Susannah Harker wird der zentralen Figur der Journalistin Mattie Storin nicht vollends gerecht.

House Of Cards Szene 3 © BBC/Pandastorm PicturesGroßartig ist des Weiteren der Einblick, den man als Zuschauer in die Orte der Macht im Vereinigten Königreich bekommt. Downing Street, Buckingham Palace, Westminister, all die geschichtsträchtigen Orte sind zu sehen und lassen einen immer wieder inne halten. Die Blu-Ray-Wiederaufbereitung büßt zwar durch das fehlende Breitbildformat an Effekt ein, trotzdem sind die alten Bauten fantastisch in Szene gesetzt. Zu den Settings passen die viele Elemente aus der klassischen Literatur und der Weltgeschichte, die von der Serie mal mehr, mal weniger offensichtlich rezipiert werden. Da ist Richard III., da ist das alte Rom, da ist Napoleon und alles in den alten Gemäuern von London. Es wird auch dem feinen Stil gerecht, den Francis pflegt und der im krassen Kontrast zu den schmutzigen Machenschaften und den ekelhaften Gestalten der Story steht. Nebenbei bemerkt: Die Serie im Original zu genießen lohnt sich, der britische Akzent steht dem Verständnis kaum im Wege. Außerdem bleibt dadurch die Umbesetzung der Synchronstimmen in der dritten Staffel unbemerkt, die zwar nicht schlecht ist, an die man sich aber trotzdem gewöhnen muss.

Ebenfalls gelungen ist der Bezug zum realen politischen Geschehen der Zeit. Ms. Thatcher heißt bei ihnen nur Maggie, innenpolitisch wird über die Schattenseiten des Kapitalismus gerungen und außenpolitisch wird über die Geschehnisse in Osteuropa diskutiert. Auch die Dialoglastigkeit gefällt, weil viele Wortgefechte ziemlich gut gelingen und durch einen bitterbösen und bissigen Kommentar von Urquhart noch eine weitere Dimension dazugewinnen. Allerdings tut die Serie manchmal cleverer als sie letztendlich ist, die Qualität eines Aaron Sorkin setzt da heute ganz andere Maßstäbe.

House Of Cards Szene 4 © BBC/Pandastorm PicturesWie im Quasi-Remake aus den USA spielt die Frau der Hauptfigur die interessanteste Rolle. Während Claire Underwood ihrem Mann die politischen Entscheidungen überlässt, greift Elizabeth Urquhart aus dem Hintergrund immer wieder ein und nimmt Einfluss auf das politische Geschehen. Die Urquharts haben Vertrauen zueinander, vielleicht lieben sie sich, in jedem Fall akzeptieren sie alle Unannehmlichkeiten, die mit dem Aufstieg verbunden sind. Interessant ist auch, dass anders als in der Vorlage darauf verzichtet wird zu klären, warum das Paar keine Kinder hat. Das zeigt nämlich, dass die ruhigen, subtilen Momente oftmals viel interessanter sein können als die übergroßen Scheinwerferhighlights. Das sollten sich auch David Fincher und Beau Willimon zu Herzen nehmen.

FAZIT: Die Orginalversion von „House Of Cards“ ist nun zum ersten Mal komplett als Set erhältlich und umfasst alle zwölf Folgen der drei Miniserien-Staffeln. Wer sich auf die Spurensuche begeben möchte und Frank Underwoods Wurzeln offen legen will, sollte sich mit dem Kauf der Platz sparenden und kostensparenden Version auseinandersetzen. Auf Blu-Ray erstrahlen die britischen Orte der Macht zudem in neuem Glanz, was die geschichtsbewusste Machart der Serie noch ein wenig mehr hervorhebt, auch wenn der Effekt vom fehlenden Breitbandformat etwas eingegrenzt wird. Doch trotz der guten schauspielerischen Leistungen und den kultigen Elementen kann das Satire-Genre nicht alle Plottwists rechtfertigen. Statt Sex, Drogen und Intrigen können ein Mehr an ruhigeren Momenten (nachhaltigere) Wow-Effekte auslösen, vor allem im Bezug auf die realen Machenschaften der Politik. Ein Umstand, der auch der US-Version nachhängt und der wohl auch nicht mehr zu korrigieren ist, obwohl er einen fragwürdigen Angriff auf die ohnehin schon angeschlagene Politik darstellt. Hoffentlich traut sich aber trotzdem in Zukunft noch jemand an eine Polit-Serie, die stattdessen auf komplexe Plots und clevere Dialoge setzt und mit weniger Blutspritzern auskommt.

  • Titel: House Of Cards – Die komplette Miniserien-Trilogie
  • Originaltitel: House Of Cards/To Play The King/The Final Cut
  • Produktionsland und -jahr: GB 1990-1995
  • Genre:
    Politsatire 
    Thriller
    Drama
  • Erschienen: 08.09.2015
  • Label: Pandastorm Pictures/Pandastorm/Ascot Elite
  • Spielzeit:
    644 Minuten auf 6 DVDs
    644 Minuten auf 3 Blu-Rays
  • Darsteller:
    Ian Richardson
    Diane Fletcher
    Susannah Harker
    David Lyon
    Miles Anderson
    Kitty Aldrige
    Penny Guy
    Michael Kitchen
    u.v.m.
  • Regie:
    Paul Seed
    Mike Vardy
  • Drehbuch: Andrew Davies
  • Kamera:
    Jim Fyans
    Ian Punter
  • Schnitt: Howard Billingham
  • Musik: Jim Parker
  • Extras: Audiokommentare
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    1,33:1/4:3
    Sprachen/Ton
    :
    D, GB
    Untertitel:
    D, GB
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    1,33:1 (1080p25)
    Sprachen/Ton
    :
    D, GB
    Untertitel:
    D, GB
  • FSK: 12
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 10/15 dpt


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1 Kommentar

  1. Avatar
    Norman R. [booknerds.de] am

    Ohne Verschwörungstheorien verbreiten zu wollen: Sind wir mit dem Brexit und dem dazugehörigen Wahlkampf näher an die Realität in „House Of Cards“ gerückt? ;-)

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House Of Cards – Die Miniserien-Trilogie (…

von Norman R Artikel-Lesezeit: ca. 6 min
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