Death In Paradise – Staffel 4 (Serie, 4DVD)

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Death In Paradise Staffel 4 Cover © edel:motion/BBCEs war sicherlich eine nicht zu unterschätzende Umgewöhnung für die „Death In Paradise“-Fans der ersten Stunde, dass Kris Marshall (als neuer Detective Inspector Humphrey Goodman) den Posten seines Vorgängers Ben Miller (als Richard Poole) übernahm, denn beide Charaktere verbindet lediglich ihr Genie. Während Poole eher der extrem britische, disziplinierte vor allem aber introvertierte, kauzige und nicht allzu sozialkompetente Ermittler war, wurde mit Goodman, der ebenfalls von England auf die (für die Serie erfundene) karibische Insel Saint Marie geholt wurde, eine Figur erschaffen, die in vielerlei Hinsicht das genaue Gegenteil ist: Die Figur Goodman ist emotionaler und tut sich schwer, diese Gefühle zu verbergen. Ist chaotisch und verpeilt. Herzlich und ein wenig naiv. Scheint stets das Glück nicht gerade gepachtet zu haben. Tritt gern in Fettnäpfchen und ist auch sonst recht tollpatschig. Und letztendlich ist er auch deutlich sozialer als sein Vorgänger, dessen Ermordung er im ersten Fall der vorherigen Staffel auflösen musste.

Death In Paradise Staffel 4 Szenenfoto © edel:motion/BBCAufzulösen gibt es auch dieses Mal wieder eine Menge. Unter anderem: Ein Rockmusiker wird während der Aufnahmesessions für ein Comebackalbum seiner Band in einem Swimming-Pool unter Strom gesetzt und rockt nun entweder in Himmel oder Hölle weiter. Eine Beach-Volleyballerin bleibt – ein bisschen tot – dem Abschlusstraining fern. Während einer Séance wird jemand ermordet und niemand will es gesehen, geschweige denn getan haben. Bei einem Junggesellinenabschied nimmt das Leben einer der Frauen sein Ende in einer Badewanne – inklusive duftender Rosenblüten. Teils skurrile Fälle also, bei denen sich Goodman und sein Team durch ein Geflecht der Lügen kämpfen müssen. Auf ihre ganz eigene Art gelangen die Ermittelnden – ein fürwahr inhomogener Haufen – zum Ziel.

Nachdem in der vorherigen Staffel bereits ein weiterer Ur-Darsteller (Gary Carr als Officer Fidel Best) das Boot verließ, dreht sich das Personalkarussell in dieser Staffel wieder einmal, denn … (Achtung, Spoileralarm bis zum Ende dieses Absatzes! Wer diesen nicht weiterlesen möchte, sollte hier klicken, um direkt zum folgenden Absatz zu springen!) … erneut geht ein Mitglied des Ur-Casts seinen Weg von der Insel. Mit Sara Martins (als DS Camille Bordey) nimmt eine weitere charakterstarke Darstellerin den Hut, um sich neuen Projekten zu widmen. Somit sind von der ursprünglichen Besetzung lediglich Danny John-Jules als Sergeant Dwayne Myers, Don Warrington als Commissioner Selwyn Patterson und Élizabeth Bourgines Rolle als Camilles Mutter Catherine übrig. Doch mit Tobi Bakare als neuer, überambitionierter Officer JP Hooper sowie der hinreißenden Joséphine Jobert als Florence Cassel, bald Sidekick des Inspectors, wurden zwei originelle Figuren gefunden, die den Genuss der Serie kaum bis gar nicht schmälern. Sowieso: Welchen Sinn hat es, Charakteren nachzuweinen, wenn deren Darsteller nicht mehr in einer Serie mitspielen möchten? Life goes on.

Death In Paradise Staffel 4 Szenenfoto © edel:motion/BBCDas Rezept der Serie bleibt kaum verändert. Wir erleben weiterhin eine locker-sonnige Krimiserie im Agatha-Christie-Fahrwasser – oder wie es in fast jeder Rezension zu dieser Serie heißt, im „Whodunnit“-Format -, und das muss auch nichts Schlechtes sein. „Death In Paradise“ ist und war von Anfang an eine Crime-Serie, die eher mit zuweilen albernem Humor, Herzlichkeit und heiterer Unterhaltung zu punkten wusste, und dort setzt auch die vierte Staffel an, ohne dass sich Abnutzungserscheinungen zeigen. Sicherlich ist der Überraschungseffekt langsam verflogen, doch nicht jede Serie verträgt es, sich von Staffel zu Staffel neu zu erfinden – letztendlich bekommt der Zuschauer genau das, was er von der Serie erwartet und findet somit einen sicheren Hafen des Entertainment.

Die acht neuen Episoden wurden einmal mehr mit viel Feingefühl geschrieben – es geht gewohnt zweigleisig weiter. Auf der einen Seite bleiben die Fälle kaum vorhersehbar und bringen den Zuschauer vor dem Bildschirm ins Grübeln – und zum Schmunzeln, wenn Goodman seine Kolleginnen und Kollegen mit seiner schräg-verschrobenen Art verstört oder wenn Dwayne Myers mal wieder der holden Weiblichkeit mehr Aufmerksamkeit schenkt als seiner Arbeit. Andererseits entwickeln sich aber auch die Geschichten der einzelnen Hauptfiguren weiter und sorgen für so manche Überraschung. Hierbei breitet sich mitunter eine warme Melancholie aus, die der Serie erfrischende Kontraste beschert.

Death In Paradise Staffel 4 Szenenfoto © edel:motion/BBC„Death In Paradise“ ist und bleibt Feelgood-Crime, der ohne auf Brutalität und Psychoterror getrimmte Handlungsstränge auskommt. Vielmehr ist die auf Guadeloupe gedrehte, französisch-englische Serie familientaugliches Fernsehen, das audiovisuelle Pendant zum „easy listening“, nämlich „easy watching“. Sie ist nicht dazu geschaffen, den Zuschauer in einen Strudel der beklemmenden Spannung oder der spannungsgeladenen Beklemmnis zu ziehen oder ihn nachhaltig zu beschäftigen – stattdessen erhellt sie sein Gemüt, erwärmt das Herz und besticht durch ihren positiven Grundton, der mit extrem farbenfrohen Bildern zum Leuchten gebracht wird. „Death In Paradise“ ist ein Glühwürmchen im dunklen Crime-Dschungel, bügelt die Zornesfalten zwischen den Augenbrauen glatt und zieht die Mundwinkel des Zusachauers nach oben.

Cover & Szenenfotos © edel:Motion

  • Titel: Death In Paradise
  • Originaltitel: Death In Paradise
  • Staffel: 4
  • Episoden: 8
  • Produktionsland und -jahr: F/GB 2015
  • Genre:
    Krimi/Comedy/Drama
  • Erschienen: 09.09.2016
  • Label: edel Motion
  • Spielzeit:
    417 Minuten auf 4 DVDs
  • Darsteller:
    Kris Marshall
    Sara Martins
    Tobi Bakare
    Joséphine Jobert
    Danny John-Jules
    Don Warrington
    Élisabeth Bourgine
  • Idee: Robert Thorogood
  • Extras: keine
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    16:9 (1,78:1)
    Sprachen/Ton
    :
    D, GB (DD 2.0)
  • FSK: 12
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite

Wertung: 14/15 dpt

 

 


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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Death In Paradise – Staffel 4 (Serie, 4DVD)

von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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