Ivo Pala – Ein Fall für Fuchs und Haas. Die Tote im Räucherofen (Buch)

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An einem gemütlichen Freitag fraß ich mich durch einen Küstenkrimi, tat wenig sonst und bekam Lust auf Fischbrötchen: „Ein Fall für Fuchs und Haas. Die Tote im Räucherofen“.

Wen man sich fragt, was alles zu einem guten Regionalkrimi gehört, tut man gut daran, auf die eine deutsche Reihe von Kriminalgeschichten zu schauen, die von Anfang an in jede Folge mal mehr mal weniger die Besonderheiten einer Gegend ihres Handlungsortes einbezog, lange bevor das Wort vom Regionalkrimi überhaupt erfunden war. Die Rede ist natürlich vom allsonntäglichen Tatort.

Nimmt man den zum Maßstab, hat Ivo Pala mit seinem Küstenkrimi „Ein Fall für Fuchs und Haas“ alles richtig gemacht: Mundart und Umgangssprache (vom ich-Erzähler konsequent im gesamten Text angewendet), norddeutsch spröde Herzlichkeit, ein bisschen DDR-Nostalgie (weil mecklenburgische Küste), gute Hausfrauskost von Mudding und derber Humor: »Ach ja, FKK-Strand. Da siehste jede Menge Sachen, die du niemals sehn wolltest und die du auch nie wieder ungesehn machen kannst. Nirgends lernt man so viel über Schwerkraft und was sie mit der Zeit so alles anrichten kann.« (S. 55)
Identifikationsfiguren sind selbstredend Bodo Fuchs und Gisa Haas – ihres Zeichens tätig bei der provinziellen Mordkommission: Beide heimatverbunden, aber ausreichend in der Welt gewesen, um den ortsfremden Leser*innen Zugang zur salzwassernahen Seele zu gewähren; beide auch ein bisschen verschroben und kaputt. Eben Leute wie du und ich, mit Ecken, Kanten und einer Schwäche für Kuchen und Korn.

Genau wie der Tatort ist auch Palas Krimi keine künstlerische Offenbarung, aber gutes und unterhaltsames Schreibhandwerk von Anfang an. Bodo Fuchs kann noch kurz darüber nachdenken, dass er im Grunde lieber Opernsänger wäre, da schwenkt die Kamera auch schon auf gut durchgegartes Fleisch. Die titelgebende „Tote im Räucherofen“ ist eine alte Bekannte von Bodo und die Suche nach ihrer*m Mörder*in beginnt.

Die Metapher ist nicht zufällig gewählt, denn Pala ist auch Drehbuchautor: Leicht zugängliche, humorige Dialoge sind seine große Stärke, ebenso wie der Aufbau eines funktionierenden Spannungsbogens. Natürlich wissen die Leser*innen, dass der/die Täter*in nicht 100 Seiten vor Schluss gefunden wird, aber der Autor konstruiert etliche überzeugende Finten.
Einzig die zarte Beziehung zwischen Bodo Fuchs und der Tochter des Mordopfers will nicht recht schlüssig erscheinen, sondern wirkt eher wie eine lebhafte Altherrenfantasie; Weniger wegen des „alten“ Herrn Fuchs, als mehr der aus Text und Handlung nicht ersichtlichen Motivation der jungen Geliebten.

Fazit: Ivo Palas „Ein Fall für Fuchs und Haas. Die Tote im Räucherofen“ liest sich wie ein guter Münster-Tatort, geschrieben von Thiel selbst. Eine humorvolle und leichte Strandlektüre – nur den Räucherfisch wird die eine oder der andere sich wohl verkneifen.

Cover © Likedeeler

  • Autor: Ivo Pala
  • Titel: Ein Fall für Fuchs und Haas. Die Tote im Räucherofen
  • Verlag: Likedeeler
  • Erschienen: 02/2017
  • Format: E-Book
  • ISBN: 978-3-94678-609-2 
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 11/15 Fischbrötchen


Über den Autor

Henri Vogel


Kleinstadtkind mit Hang zur Großstadt; Wahlberliner; glücklicher Partner des besten Ehemanns von allen und bescheidener Mitbewohner einer Katze; Überzeugungsliterat und Freizeitcineast; Whiskytrinker und Freundesfreund.

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2 Kommentare

  1. Avatar
    Thomas Walter am

    Ich lese gerade Fuchs und Haas Es gefällt mir sehr, auch da ich den Darß etwas kenne. Beim lesen kam mir sofort in den Sinn, diese Reihe zu verfilmen ( wie die Rita Falk Krimis) und ich dachte sofort an Charly Hübner in der Rolle des Fuchs.
    MfG T. Walter

  2. Avatar
    Klaus Nönnig am

    Ich möchte gern wissen was es damit auf sich hat, dass es das ebook einmal einteilig und dann noch 3 teilig gibt. Wußte man z.B. bei Thalia auch nicht.

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von Henri Vogel Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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