Julia Boehme & Julia Ginsbach – Tafiti und das fliegende Pinselohrschwein (Buch)

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Julia Boehme & Julia Ginsbach - Tafiti und das fliegende Pinselohrschwein (Buch) Mit dem Tafiti-Debüt „Tafiti und die Reise bis ans Ende der Welt“ legte die rührige Kinderbuchautorin Julia Boehme, die eine beachtliche Bibliographie aufweisen kann, den Grundstein für eine wundervolle neue Kinderbuchreihe, in welcher ein vorwitziges, freches Erdmännchen in der afrikanischen Savanne Abenteuer erlebt und Freundschaften knüpft.

Tafiti ging im ersten Band heimlich auf Erkundungsreise, um zu erfahren, was sich hinter dem großen Hügel befindet. Hierfür ließ er seine Familie zurück und wurde von so manchen wilden Tieren bedroht: Dem furchteinflößenden Geier Mr. Gogo zum Beispiel, oder etwa dem lispelnden Löwen King Kofi. Doch er hatte wahnsinniges Glück, denn er traf das clevere Pinselohrschwein Pinsel, das ihn einerseits beschützte, andererseits auch ermutigte, die Erkundungsreise fortzusetzen. Das hat die beiden eng zusammengeschweißt, und so wurden sie beste Freunde.

Es verging seitdem etwas Zeit, und mittlerweile arbeiten Tafiti und Pinsel sogar an einem Gang von Tafitis Höhle zu Pinsels Zuhause, sodass sich die beiden besuchen können, wann immer sie möchten. Opapa gefällt es gar nicht, dass Tafiti sich mit Nicht-Erdmännchen abgibt, und als Tafiti aus der Speisekammer etwas Kuchen für sich und Pinsel zur Stärkung holen will, platzt Opapa der Kragen – der Kuchen sei nur für Erdmännchen! Auch fordert Opapa von ihm, dass er sich doch gefälligst einen anderen besten Freund suchen soll. Tafiti wird trotzig und lässt sich nicht beirren. Opapa spinnt doch!

Etwas später am Tag machen es sich Pinsel und Tafiti draußen in ihren hübsch verzierten Hängematten gemütlich, und Pinsel passt selbstverständlich wie immer auf seinen kleinen Wüstenbewohnerfreund auf. Irgendwann ist das Faulenzen allerdings so furchtbar langweilig, dass Pinsel seiner Tierart gerecht zu werden gedenkt: Er malt mit seinen Ohren ein Bild von Tafiti, der sich übermütig in Pinsels Hängematte begibt. Ein großer Fehler, denn – schwupp! – wie aus dem Nichts schnappt sich Mr. Gogo das Erdmännchen und entführt es.

Klarer Fall für Pinsel: Als bester Freund muss er Tafiti natürlich retten. Aber wie? Nun, Pinsel ist nicht nur ein begnadeter Ohrenkünstler und kann tolle Bilder malen, sondern hat auch einiges an Erfahrung in der Wildnis sammeln können. Und clever ist er obendrein – die Rettungsaktion beginnt, und sowohl Pinsel als auch Opapa sind in Aufruhr, setzen alles daran, um den Kleinen zu retten – und erleben einige Überraschungen. Doch auch Tafiti staunt nicht schlecht über das, was er in Mr. Gogos Gefangenschaft erlebt.

In dieser neuen Geschichte darf man einmal mehr über einige herrlich amüsante Situationen lachen, doch gleichermaßen bleibt sie bis zum Schluss spannend und auch ein wenig voller Gefahren, sodass dem Kind einmal mehr bar jeglicher Vollkornkekspädagogikanflüge vermittelt wird, dass Übermut und Leichtsinn, wenn man es übertreibt, durchaus Folgen haben kann. Nicht muss, aber kann. Auch wird thematisiert, wie wichtig Freundschaft und Hilfsbereitschaft im alltäglichen Miteinander sind. Der Spaß und die Niedlichkeit der Figuren lassen das Ganze auf Augenhöhe mit den Kindern ins Bewusstsein einfließen – ganz selbstverständlich wird Vorsicht vermittelt, ohne auch nur eine Zeile lang den Oberlehrer zu mimen.

Julia Boehme weiß altersgerechtes und erfrischend unkindisches Vokabular anzuwenden, und es fällt auf, dass der zweite Band – zumindest aus subjektivem Empfinden heraus – ein klein wenig textlastiger ausgefallen ist, was auch bei übenden Lesern nicht schaden kann, denn mit einer kleinen, spannenden, modernen Fabel kann der Nachwuchs mit etwas Glück motiviert werden, in Zukunft öfter mal ein Buch in die Hand zu nehmen. Doch auch als Vorlesebuch eignet sich dieses Druckwerk hervorragend, denn die Kapitel sind von idealer Länge, sinnvoll aufgeteilt und machen jeweils gespannt auf den nächsten Abschnitt.

Obendrein hat Illustratorin Julia Ginsbach mit ihren zahlreichen liebevollen Zeichnungen wieder einmal sämtliche Register ihres Könnens gezogen, denn die Illustrationen sind perfekt auf die Geschichte abgestimmt, strotzen nur so vor Details und sind so herzerwärmend drollig, dass sie selbst uns Erwachsenen ein angetanes Lächeln ins Gesicht zu zaubern vermögen. Sei es die Mimik, die Kulisse, die fliegenden Schmetterlinge, alles passt hervorragend zueinander, sodass dieses Buch sowie dessen Vorgänger ein schlagkräftiges Argument gegen den audiovisuellen Wahn sind. Denn anhand der Lebendigkeit, wie diese Bilder gezeichnet wurden, hat man beinahe das Gefühl, sie bewegten sich auch.

Das Gesamtpaket stimmt, und man merkt im Gegensatz zu vielen anderen Kinderbuchautoren, dass Julia Boehme schlichtweg „mittendrin“ ist und es nicht unbedingt nötig hat, aus finanziellen Motiven heraus Bücher zu schreiben, sondern schlichtweg ihrer Kreativität freien Lauf lässt und dabei extrem kindernah agiert. Und das funktioniert.

Cover © Loewe Verlag

 

 

Wertung: 12/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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Julia Boehme & Julia Ginsbach – Tafit…

von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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