Linda Nagata – The Red 1: Morgengrauen (Buch)

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Wenn in einer Inhaltsbeschreibung steht, dass der Protagonist eventuell Einflüsterungen von Gott erhält, was für eine Reaktion ruft das hervor? Vermutlich Augenrollen, da eine solche religiöse Komponente selten gut geschrieben wird. Und wie sieht das in „The Red: Morgengrauen“ aus?

Linda Nagatas Roman, der gleichzeitig der Auftakt zu einer Romantrilogie ist, ist Military SciFi. Aber in einer Art und Weise, wie man sie sich kaum vorstellen kann. Zumindest ist sie besser als „Die Chroniken von Promise Paen“, wobei dazu nicht viel gehört.

Die Autorin wurde 1969 in San Diego geboren und hat diverse Bücher und Kurzgeschichten geschrieben. Ihr Roman „The Red: Morgengrauen“ kam bei den Nebula und John W. Campbell Awards bei den Abstimmungen in der Kategorie „Bester Roman“ ins Finale. Des Weiteren gewann sie den Locus- und den Nebula Award. Seit einigen Jahren lebt sie mit ihrem Mann in Hawaii.

In der nahen Zukunft geben sich die Kriege quasi gegenseitig die Klinke in die Hand. Sie geschehen, um der Verteidigungsindustrie großen Profit zu bescheren. In dieser Zeit lebt auch Lieutentant James Shelly, der gemeinsam mit einer kleinen Truppe an Soldaten in der afrikanischen Sahelzone Jagd auf Terroristen macht. Sein vorrangiges Bemühen ist es, seine Untergebenen zu schützen, um jeden Preis. Dabei hat er unerträgliches Gespür für die Gefahr entwickelt, so dass manche behaupten, Gott würde ihm ins Ohr flüstern.

Ist es wirklich Gott, der ihm da hilft? Nein! Recht schnell macht die Autorin klar, dass die Macht, die James Shelly hilft, sehr irdisch ist. Und dass man sie trotzdem nicht unterschätzen darf. Denn ihre Interessen sind, so viel wird im Laufe der Geschichte klar, nicht immer dem Menschen wohlgesonnen.

Das ist allerdings auch nicht die einzige Überraschung in diesem Buch. Denn anders als in vergleichbaren Genrewerken findet sich hier von Hurra-Patriotismus keine Spur. Hier wird keine Nation trotz aller Fehler hochgejubelt. Ebenso wenig findet man eine Simpelst-Charakterisierung der Gegenspieler vor. Stattdessen ist die Darstellung differenziert und ausgewogen.

Die Zukunft von „The Red: Morgengrauen“ ist nicht allzuweit entfernt. Was in diesem Fall dafür sorgt, dass der Zukunftsaspekt des Romans glaubwürdig und nachvollziehbar wirkt. Denn mehrere Aspekte, die die Autorin in der Geschichte darstellt, wie zum Beispiel die Exo-Skelette, welche die Soldaten tragen, sind keine Fantasterei, sondern werden in militärischen Kreisen bereits heute entwickelt.

Auch der Fakt, dass der Krieg um des Krieges beziehungsweise um des Profits willen stattfindet, wirkt angesichts bestimmter Entwicklungen vor allem in den USA, wo das Militärbudget ja erst vor kurzem wieder erhöht wurde, authentisch und schlüssig. Es sind eben diese Aspekte, die dafür sorgen, dass man beim Lesen eine leichte Gänsehaut kriegt. Denn die Zukunft, die Linda Nagata hier beschreibt, mag fiktiv sein. Doch sie basiert auf jeder Menge reale Fakten.

Die Handlung konzentriert sich hauptsächlich nur auf James Shelly, was eine gute Entscheidung ist. Er ist ein klarer Sympathieträger, der sich um seine Leute Gedanken macht. Gleichzeitig ist allerdings er kein Übermensch. Er ist niemand, dem Siege einfach so zufliegen, oder der sich als begnadeter Feldherr entpuppt. Er ist jemand, der Ecken und Kanten hat, was dem Roman nur gut tut.

Wenn man auf gute Military SciFi steht, dann sollte man sich auf jeden Fall „The Red: Morgengrauen“ holen. Denn einen besseren Genre-Vertreter wird man aktuell nicht so schnell finden.

Cover © Cross Cult

  • Autor: Linda Nagata
  • Titel: The Red 1: Morgengrauen
  • Teil/Band der Reihe: 1 von 3
  • Originaltitel: The Red: First Light
  • Übersetzer: Helga Parmiter
  • Verlag: Cross Cult
  • Erschienen: 12/2016
  • Einband: Broschiert
  • Seiten: 527
  • ISBN: 978-3-95981-152-1
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 15/15 dpt


Über den Autor

Götz Piesbergen


Ich darf mich vorstellen? Wunderbärchen! :D

Mein Name ist Götz Piesbergen, wobei ich in den Weiten des World Wide Web auch noch ein paar andere Pseudonyme verwende. Ich bin ein Vielschreiber und Vielleser, der quasi alles verschlingt, was Buchstaben hat (hmm, lecker! :D). Und da ich zu den Leuten gehöre, die ihre Meinung im Netz gerne kundtun, bespreche ich auch die Sachen, die ich lese oder zocke oder sehe.

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von Götz Piesbergen Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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