Mark Millar & Steve McNiven – Wolverine Old Man Logan (Comic)

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Millar/McNiven - Wolverine Old Man LoganMark Millar gilt quasi als Garant für kongeniale von Filmklassikern inspirierte Comicstorys. Auch Wolverine hat sich der schottische Künstler schon einmal vorgeknöpft (2004 erschien die Geschichte „Staatsfeind“ in 6 Heften). Old Man Logan sucht Inspiration bei Dark Knight, Mad Max, Italo-Western und dem Clint Eastwood-Streifen ‚Unforgiven‘.  

Der Zeichner Steve McNiven arbeitete mit Mark Millar bereits im Rahmen der ‚Civil War‘-Geschichten zusammen, die das gesamte Marvel-Universum ins Wanken brachten. In einer anderen Realität gestaltete Steve McNiven außerdem die Geschichte um den „Tod von Wolverine“ mit. Eine Besprechung des Hefts folgt in Kürze. Für einen Überblick über die verschiedenen Realitäten: Einfach weiterlesen. 

Schlimme neue Welt

In der dystopischen Zukunft einer anderen Realität, die Mark Millar erdacht und Steve McNivens grafisch genial umgesetzt hat, haben Superschurken die Vereinigten Staaten nach einer Verkettung furchtbarer Ereignisse fest in Ihrem Griff. Die bösen Superhirne haben sich organisiert und einen koordinierten Angriff auf alle, die im Marvel-Universum Rang und Namen haben, begonnen. Während Thor, Capatain America, Spiderman, Ant Man, Iron Man, Dr. Strange und viele andere Helden in einer finalen Schlacht ausgelöscht wurden, bei der neben Magneto, dem Red Skull und Doom auch der Hulk die Seiten gewechselt hat, beginnt man bei den X-Men erst zu ahnen, dass etwas im Busch ist. Durch eine perfekte Illusion bringt der vor allem Spiderman-Fans bekannte Mysterio Wolverine dazu, alle X-Men im Alleingang umzubringen. Als dieser erkennt, was er getan hat, schwört er, seine Krallen nie wieder zu benutzen. Das war vor 50 Jahren!

Ohne ernsthafte Gegenwehr konnten sich die Superbösewichte die Vereinigten Staaten nach Belieben aufteilen: Hulk erhielt Kalifornien, der Red Skull residiert als „President“ im Weißen Haus und auch Doom, der Kingpin und Magneto gingen nicht leer aus. Wolverine entscheidet sich für ein Leben als Farmer, gründet eine Familie und lebt im Land der Hulk-Gang, den Kindern und Enkeln von Bruce Banner. Die grünhäutigen verwahrlosten Tunichtgute haben mit dem Hulk, wie man ihn aus anderen Geschichten kennt, nicht viel gemein außer der Hautfarbe und der Stärke und treiben die hohen Pachten unerbittlich ein. Als Wolverine nicht zahlen kann, lässt er sich auf das Angebot seines alten Freundes Hawkeye ein, der auch beinahe blind noch ein beachtlicher Kämpfer ist und reißt einmal quer durch das was von Amerika noch übrig ist um bei einem Geschäft genug Geld zu verdienen.

Es wäre keine Wolverine-Geschichte wenn nicht etwas Schreckliches passieren würde, das den Berserker in ihm zum Vorschein bringt. Aus Spoiler-Gründen möchte ich nicht ins Detail gehen, aber dass der letzte X-Man seine Krallen wieder ins Blut seiner Feinde taucht, sei hier verraten.

Wie jetzt? Ich dachte Wolverine sein tot? – Ein kleiner Überblick

Einerseits ist es toll, dass in Superheldencomics kaum ein Abschied endgültig scheint. Da erscheint, eh man sich’s versieht, ein magisches Artefakt auf der Bildfläche, eine andere Dimension spuckt Duplikate aus oder ein gottgleiches Wesen greift in die Handlung ein. Wahlweise verschmähte in manchen Marvel-Comics auch der Tod selbst so manche Figur. Auf der anderen Seite ist es manchmal nicht so einfach, den Überblick zu behalten.

Die in Deutschland im Oktober 2016 neu begonnene Serie „Old Man Logan“ (Ausgabe 1 durften wir ebenfalls bereits besprechen) ist quasi die Fortsetzung der Handlungslinie aus diesem Heft. Millar und McNiven veröffentllichten die dystopische Geschichte um den alten Wolverine von August 2008 bis November 2009. Diese Teile sind alle in vorliegendem Band enthalten.

Durch eine „kosmische Katastrophe“ gelangt Wolverine in die uns besser bekannte Realität – in dieser Realität ist der uns bekannte Wolverine bereits tot, da sein Körper in flüssiges Adamantium gehüllt ist. Wie das Geschah können interessierte Leser im kürzlich erschienenem „Der Tod von Wolverine“ erfahren (welches ebenfalls von uns besprochen wurde).

Nichts für zarte Nerven

Naturgemäß sind Wolverine-Comics nichts für Pazifisten. Der gnadenlose Kämpfer fackelt mitunter nicht lange, und so erschafft Steve McNiven mitunter Bilder, die filmisch nicht mit einer USK-Freigabe ab 16 Jahren zu vereinbaren wären. Dabei geht es nicht um Brutalität der Brutalität wegen, sondern um das Erzeugen eines düsteren Szenarios und einer Atmosphäre aus Gewaltbereitschaft, gegen die sich Wolverine nur schwer zu Wehr setzen kann. In bester Mad Max-Manier gibt es dabei Szenen, in denen mächtig viel zu Bruch geht. Insbesondere während der Autofahrt mit Hawkeye, der sehr glaubwürdig und mit hohem Bad-Ass-Faktor umgesetzt wurde, wird so manche Wand in Schutt und Asche gelegt.  

Auch wenn 50 Jahre seit dem endgültigen Fall der Superhelden vergangen sind, haben die Autoren und Zeichner die Welt, in der sich der alternde Krieger durchschlägt, vollgestopft mit Anleihen an das riesige Marvel-Universum. Grotesk gut, weil beklemmend, ist beispielsweise die Leiche von Hank Pym (alias Ant Man) die so riesig ist, dass sie ganze Highways überspannt und einem gefallenen Drachen ähnelt oder aber das der Ort der finalen Schlacht noch immer eine Art Wallfahrtsort für Hoffende ist, die nicht glauben wollen, dass die Legenden von einst nicht mehr sind.

Wenn Wolverine am Wendepunkt der Geschichte zu seinem Rachefeldzug gegen die Hulk-Gang antritt, wird es noch ein wenig skurriler und kaputter und … krasser. Einige Hinweise auf die Handlung mit dem Versuch, nicht zu spoilern: Wolverine schlüpft in Iron Mans Anzug, köpft einen Gegner mit Captain Americas Schild, wird von einem alten Bekannten gefressen, löscht eine ganze Familie aus, adoptiert ein Kind und vieles, vieles mehr.

So genial wie der Plot sind die Zeichnungen. Mit ungeheurer Liebe zum Detail erwecken Steve McNiven und dessen Kollegen eine surreal anmutende, in sich schlüssige, finstere lebensfeindliche Welt zum Leben, in der das Gesetz des Stärkeren gilt. Viele Charts der „Action-Szenen“ sind derart plastisch gestaltet, dass auf ergänzende Sprechblasen gänzlich verzichtet wird. Hier wirken nur die Bilder, und die werden diesem Auftrag mehr als gerecht. Aber es sind nicht nur die Kampfszenen, in denen die Zeichnungen brillieren – auch ruhigere Sequenzen wie ein Gespräch zwischen Hawkeye und Logan in einer Bar oder die lange gemeinsame Fahrt der beiden werden nie langweilig. Allzu sehr hofft man auf jeden Informationshappen zu all dem, was in den letzten 50 Jahren passiert ist. Auch wenn Millar viele Hinweise gibt, hat man leider auch am Ende – so viel sei verraten – kein klares Bild dessen, was sich an diesem schrecklichen Tag zugetragen hat und wie die gesamte USA unter Herrschaft einiger Superschurken gelangen und bleiben konnte.

Fazit

Mehr als 200 Seiten rund um Logan – In seiner dunkelsten Stunde, in seinen friedlichen Jahren, auf seinem größten Rachefeldzug und darüber hinaus. Eine Geschichte, die nicht nur Wolverine-Fans begeistern wird und die – wichtig für Gelegenheitsleser der Marvel-Comics – in sich abgeschlossen wunderbar funktioniert. Die 20 € sind für dieses Stück Comicgeschichte meines Erachtens gerechtfertigt, insbsondere, wenn man bedenkt, dass es sich im Original um acht Hefte handelte.

Cover © Panini/Marvel

  • Autor: Mark Millar
  • Zeichner: Steve McNiven
  • Titel: Wolverine – Old Man Logan
  • Originaltitel: Old Man Logan 1-7 and Conclusion
  • Übersetzer: Jürgen Petz
  • Verlag: Panini Comics (Marvel)
  • Erschienen: 08/2010
  • Einband: Softcover
  • Seiten: 212
  • ISBN: 978-3-86607-462-0
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite beim Verlag
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 15/15 dpt

 


Über den Autor

David J. Weigel


Zur Zeit darf ich im schönen Hannover studieren… Das ist diese unscheinbare aber irgendwie sympathische Halbmillionen-Stadt an der A7 zwischen den großen Metropolen. Besonders im Spätsommer, da kann man Glühwürmchen im Stadtpark sehen…

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von David J. Weigel Artikel-Lesezeit: ca. 5 min
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