Tanz der Teufel 2 (Spielfilm, DVD/Blu-ray/4k-Blu-ray)

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Stephen King schrieb über „The Evil Dead“ („Tanz der Teufel“): „“The most ferociously original horror film of 1982.” Der Film war ein riesiger Erfolg, besonders gemessen am minimalen Budget von rund 350 000 Dollar. Um diese Summe überhaupt zusammen zu bekommen, betrieben Sam Raimi und seine Freunde Bruce Campbell und Robert Tapert eine Art frühes Crowdfunding und baten bevorzugt Zahnärzte um eine Beteiligung an den Produktionskosten.

„Tanz der Teufel“ war ein wilder Par Force-Ritt durch einen von Dämonen besetzten Wald. Im Mittelpunkt eine Handvoll Freunde und eine schäbige Holzhütte. Drumherum eine entfesselte Kamera, deren wilde Fahrten alle in bester Heimwerkermentalität bewerkstelligt wurden und dank ihres Erfindungsreichtums rauschhaft aussahen. Dämonische Besessenheit führt zu wildem Morden unter Freunden. Selten zersetzen sich Menschen ansprechender in Knetmasse, Broccoli und andere Gemüsesorten.

„Tanz der Teufel“ bot Splatter, Spannung und ein Quäntchen Schwarzen Humors. Von allem zu viel für die Bundesprüfstelle. Der Film wurde indiziert, gekürzt wieder indiziert und schließlich durch Beschlagnahme völlig aus dem bundesdeutschen Verkehr gezogen. Erst 2016 durfte der überkandidelte phantastische Film wieder ungeschnitten unters Volk gebracht werden. Und das sogar ab 16 Jahren.

Die deutschen Zensurprobleme verhinderten nicht, dass aus „Tanz der Teufel“ ein veritabler Kultfilm und kommerzieller Erfolg wurde. Den nicht nur Stephen King für gut befand. Regisseur Sam Raimi und seinen Mitkombattanten stand die Filmwelt offen. Doch es folgte „Crimewave“ („Die Killerakademie“, 1985). Eigentlich eine vielversprechende Angelegenheit. Raimi führte Regie, das Drehbuch stammte von den Coen-Brüdern und Bruce „Ash“ Campbell war als Darsteller dabei. Die durchgeknallte Noir-Hommage floppte allerdings an der Kinokasse. Die Kooperation von Raimi und Coen führte nicht zu einer Verdoppelung des Kultpotenzials, sondern eher zu einer danebengegangenen Zucker-Brothers-Comedy. Dabei ist der Film auf schräge Weise durchaus unterhaltsam.

Also hieß es, zurück auf sicheres Terrain. Und was bot sich mehr an als eine Fortsetzung von „Tanz der Teufel“? Überlegt, getan. Doch da die Rechteverteilung keinen Zugriff aufs Original zuließ, zudem die Schlusseinstellung nahegelegt hatte, dass der tapfere Ash doch noch vom Dämon geholt wurde, entwickelte sich „Evil Dead II – Dead by Dawn“ („Tanz der Teufel II: Der Tanz geht weiter“ auch „Tanz der Teufel II – Jetzt wird noch mehr getanzt“) eher zu einem Quasi-Remake. In dem Horror und Gore zugunsten eines erhöhten Spaßfaktors ein klein bisschen zurückgefahren wurden.

„Tanz der Teufel II“ bietet keine nervenzerrende Gruselkost, stattdessen überbordendes Grand Guignol-Theater, das kongenial mit den Limitationen des Raums arbeitet (Hütte, Wald) und sie labyrinthisch aufbricht. Die Kamera rotiert wieder wie eine Achterbahn auf Speed, die Effekte sind handgemacht und von kruder Perfektion, Bruce Campbell dürfte der meist malträtierte Filmheld aller Zeiten sein. Dagegen sind die „Die Hard“-Einsätze John McClanes ein reiner Spaziergang. Als Vorbilder standen augenscheinlich Monty Python und explizit die Three Stooges Pate. Wobei Bruce Campbell das komödiantische Trio im Alleingang gibt. Komplett und ohne Rücksicht auf Verluste. Artistische Schauspielkunst vom feinsten. Niemand kämpft so ausdrucksvoll und aufopfernd gegen sich selbst und seine wild gewordenen Körperteile wie Ash.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Ashley „Ash“ Williams fährt mit seiner Freundin Linda in eine romantische Waldhütte. Die sich als besserer Bretterverschlag entpuppt. Auf dem Wohnzimmertisch befindet sich ein Tonband, das der unbedarfte Ash laufen lässt. Darauf erzählt der Forscher Professor Knowby vom Fund des legendären Buches der Toten (in Anlehnung an H. P. Lovecraft diesmal „Necronomicon Ex-Mortis“ getauft) und zitiert daraus. Prompt wird ein mächtiger Dämon entfesselt, der ohne Umschweife von Ashs Freundin Besitz ergreift. Der zögert keine Sekunde und köpft seine Liebste mit einem gezielten Schaufelhieb. Bis dahin sind gerade fünf Minuten vergangen.

Es folgt die große Bruce Campbell-Solo-Show. Egal ob Ash komplett von einem Dämon besessen ist oder seine rechte Hand sich selbständig macht, Ash findet immer eine (schmerzhafte) Lösung. Im wahren Wortsinn. Was soll’s, ist die Hand erst einmal weg, gibt es schließlich einen freien Platz für die Kettensäge. Man muss die Dinge positiv sehen. Das tut der etwas tumbe Ash generell, auch wenn es ihm ziemlich schwergemacht wird. Dabei hat er immer einen coolen Spruch auf den Lippen. „Groovy!“.

Später erweitert sich das Figurenarsenal noch um des verschwundenen Professors Töchterlein Annie, ihren Verlobten Ed sowie den hilfsbereiten Redneck Jake mit einer kaputten Kauleiste (die im Bonusteil vom Darsteller eine eigene Würdigung bekommt) und die attraktive Freundin des Mannes. Und dann ist da noch die derangierte Mutter Annies, die im Keller haust, und der Ash postwendend Gesellschaft leisten muss. Die Neuankömmlinge halten den blutüberströmten Ash, der sie mit Schüssen empfängt, für einen durchgeknallten Irren. Nicht ganz von der noch vorhandenen Hand zu weisen.

Es entspinnt sich ein munteres, blutiges Hin und her, und es dürfte kaum ein Rätsel sein, wer am Ende die größte Standfestigkeit hat. Ein Zeitloch wird durch einen neuen Spruch geöffnet, durch das der heraufbeschworene Dämon verschwindet. Leider verschluckt es auch Ash, der sich unvermittelt im Mittelalter wiederfindet. Immerhin mit abgesägter Schrotflinte und befestigter Motorsäge. Die „Armee der Finsternis“ kann kommen. Und wird dies auch fünf Jahre später tun, mit weiter potenziertem Humorfaktor. „Klaatu… barata… nekti, Nektarine, Nickel, Nudel. Ein Wort mit ,n‘, es war ein Wort mit ,n‘!“ Oder so.

„Tanz der Teufel II“ bietet Gore galore, wüsten Slapstick und sarkastische Slogans. Wobei der Film auch stumm funktionieren würde. Nebenbei gibt es unprätentiöse Referenzen an Größen der Filmgeschichte, von Georges Méliès, über Ray Harryhausen bis Monty Pythons „Die Ritter der Kokosnuss“ und „Das Leben des Brian“.
Das Bild der Blu-ray ist – am Alter des Films gemessen – gestochen scharf, die Tonspuren sind leider etwas verwaschen. In Deutsch zudem nur in Mono. Visuell kann der Film locker mit aktuellen CGI-Effektfeuerwerken mithalten (naja fast), übertrifft sie indes an Innovation, Phantasie und Einfallsreichtum. Sam Raimi reichen knackige 84 Minuten für ein fulminantes Spektakel. Das nennt man ökonomisch.

Die zweite Disc ist prall gefüllt mit aufschlussreichem Bonusmaterial, Interviews und Wortbeiträgen, tatsächlich informative Making Ofs (Film und Effekte, Design) eine Rückkehr zum Drehort und noch mehr. Durchweg sehenswert und wie der Hauptfilm keine Sekunde langweilig. Letzteres gilt auch für den Audiokommentar der Herren Raimi, Campbell und auf Disc 1. Insgesamt erhält man also einen kompetent bearbeitete und opulent ausgestattete Neubearbeitung eines wegweisenden Films. „Bruce allmächtig“ bekommt eine ganz besondere Bedeutung.

Cover und Bilder © Studiocanal

  • Titel: The Evil Dead II
  • Originaltitel: Tanz der Teufel 2
  • Produktionsland und -jahr: USA 1987
  • Genre:
    Horror, Komödie, Action
  • Erschienen: 24.10.2018
  • Label: Studiocanal
  • Spielzeit:
    81 Minuten auf 1 DVD
    84 Minuten auf 1 Blu-Ray
  • Darsteller:
    Bruce Campbell
    Dan Hicks
    Denise Bixler
    John Peakes
    Josh Becker
    Kassie DePaiva
    Lou Hancock
    Richard Domeier
    Sarah Berry
    Sid Abrams
    Snowy Winters
    Ted Raimi
  • Regie: Sam Raimi
  • Drehbuch:
    Sam Raimi
    Scott Spiegel

  • Kamera:
    Peter Deming
  • Schnitt:
    Kaye Davis
  • Musik:
    Joseph LoDuca
  • Extras:
    Audiokommentar mit Sam Raimi, Bruce Campbell, Scott Spiegel & Greg Nicotero
    Featurette über den Einfluss des Films auf andere Regisseure
    „Cabin Fever“ – Ein Blick hinter die Kulissen von Tanz der Teufel 2
    „Road to Wadesboro“ – Eine Reise zurück zum Drehort mit Tony Elwood
    „Swallowed Souls“ – Das Making of von Tanz der Teufel 2
    Interview mit Bruce Campbell
    The Gore the Merrier
    Kinotrailer
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    1,85:1 anamorph
    Sprachen/Ton
    :
    Deutsch (Mono DD), Englisch (5.1 DD)
    Untertitel:
    Deutsch, Englisch
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    1920x1080p (1.85:1) @23,976 Hz
    Sprachen/Ton
    :
    Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 5.1
    Untertitel:
    Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch
  • FSK: 16
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite

Wertung: 13/15 tanzende Teufel


Über den Autor

Jochen König


Jochens Nerd-Schreibtisch

Stationen: Aufgewachsen in Siegen, weitergezogen nach Münster, dann nach Berlin und wieder zurück nach Idyllistan, sprich Münster. Meinen ersten Roman „Mitternachtsblues“ (sowie diverse Sachbücher mit Beiträgen von mir) gibt es tatsächlich noch zu kaufen; ob man die Hörspiele aus meiner Berliner Zeit noch empfangen kann, ist eher zweifelhaft. Ansonsten bin ich Sachbearbeiter, Teilzeit-Buchhändler und war sieben Jahre für die, sogar mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnete, Krimi-Couch tätig.

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von Jochen König Artikel-Lesezeit: ca. 5 min
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