Oyinkan Braithwaite – Meine Schwester, die Serienmörderin (Buch)

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Die mordende Sexbombe rockt

Zu Beginn des Buches gilt es, die Leiche von Femi aus dessen Wohnung zu entsorgen. Ayoola, die atemberaubend gutaussehende Schwester von Korede, hat mal wieder zugestochen. Femi ist bereits der dritte Mann, der seine Beziehung zu Ayoola mit dem Leben bezahlen musste. Einmal mehr diente ein großes Messer als Mordwaffe. Und abermals ist es die ältere Korede, die sich als Cleanerin betätigen darf und den Tatort akribisch reinigt. Von der Third Mainland Bridge in Lagos, landet die Leiche in der Lagune, von wo aus sie in das offene Meer getrieben wird. Die Krebse können sich freuen. Derweil vermisst Ayoola ihren Freund via Instragram.

Korede fühlt sich für ihre jüngere Schwester verantwortlich, wurde schon seit ihrer Kindheit immer für deren Fehler zur Verantwortung gezogen. Die zwischen Schwesternliebe und Schwesternhass wechselnde Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt als sich Ayoola ausgerechnet in den Arzt Tade verliebt. Korede arbeitet für diesen als Krankenschwester und fühlt sich ebenfalls zu ihm hingezogen. Auch wenn sie der Schönheit ihrer Schwester nichts entgegenzusetzen hat, so kann und will sie Tade nicht als nächstes Opfer sehen.

Er legt mir die Hand auf die Schulter, eine Geste des Trostes. Muhtar wird irgendwann sterben, aber er wird nicht in einer Lache seines eigenen Blutes sterben, und er wird nicht von den Salzwasserkrebsen aufgefressen werden, die sich unter der Third Mainland Bridge tummeln.

Als sich eine Angehörige von Femi per Snapchat meldet, man habe in der Nacht seines Verschwindens Ayoola und eine weitere Frau aus dessen Wohnung kommen sehen, ruft dies die Polizei auf den Plan. Derweil kann sich Korede nur einem einzigen Menschen anvertrauen: Muhtar, ein Patient, der seit rund fünf Monaten im Koma liegt.

“Meine Schwester, die Serienmörderin” ist das fulminante Debütwerk der in Lagos geborenen Oyinkan Braithwaite, welches auf Anhieb für den Booker Prize nominiert wurde. Allen voran steht ein ungleiches Schwesternpaar. Die kleine, aber kurvenreiche Sexbombe Ayoola, deren einziger Lebenssinn darin besteht, dass zu bekommen, was sie gerade will. Damit setzt sie eine feministische Fußnote, denn in Nigeria bekommen sonst ausschließlich die Männer, was sie wollen. Auf der anderen Seite die große, kantig wirkende Korede, die zwar ebenfalls von der Liebe träumt, aber eben von der ganz großen, die ein Leben lang halten soll. So gerät ihr Vorgesetzter, der Arzt Tade, in eine kritische Situation, da er Koredes Andeutungen und Warnungen als puren Neid missversteht.

Wisst ihr, Männer sind ausgesprochen wankelmütig. Gebt ihnen, was sie wollen, und sie werden alles für euch tun. Tragt euer Haar lang und glänzend, oder investiert in gute Zöpfe, kocht für ihn und schickt ihm das Essen nach Hause oder ins Büro. Streichelt sein Ego vor seinen Freunden und seid ihm zuliebe freundlich zu ihnen. Kniet vor seinen Eltern nieder und ruft sie an wichtigen Tagen an. Wenn ihr all diese Dinge tut, wird er euch einen Ring an den Finger stecken, und zwar ruck, zuck.

Neben vielen Wendungen und einer ordentlichen Prise schwarzen Humors, läuft im Hintergrund das Leben einer Familie ab, die sich von ihrer eigenen Geschichte nicht befreien kann. Der vor zehn Jahren unter mysteriösen Umständen verstorbene Vater war ein Frauenheld und Frauenschläger, der auch innerhalb der Familie sein Verständnis von Disziplin mit Stockschlägen durchzusetzen verstand. Dies hat Spuren hinterlassen und so hat sich offensichtlich vor allem Ayoola geschworen, sich nie mehr von Männern unterkriegen zu lassen. Diese lassen sich von ihrer Schönheit blenden bis es zu spät ist.

Von dem schrillen Buchcover sollte man sich nicht täuschen lassen. Neben schrillen Momenten bietet der Roman anspruchsvolle, facettenreiche Unterhaltung. Großes Kino!

Cover © Aufbau Verlag

  • Autor: Oyinkan Braithwaite
  • Titel: Meine Schwester, die Serienmörderin
  • Originaltitel: My Sister, The Serial Killer
  • Übersetzer: Yasemin Dincer
  • Verlag: Aufbau Verlag
  • Einband: Gebunden
  • Seiten: 239
  • ISBN: 978-3-351-05074-0
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 13/15 Female Serialkillers


Über den Autor

Jörg Kijanski

Großer Krimifan seit Jugendzeiten, zudem seit 2005 vor allem als Redakteur für die Krimi-Couch und Histo-Couch tätig. Inzwischen haben sich über tausend Rezensionen angehäuft. Neu seit Sommer 2019 auch bei booknerds.de am Start.

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Oyinkan Braithwaite – Meine Schwester, die…

von Jörg Kijanski Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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