Reinhard Rohn – Die drei Toten von Köln (Buch)

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Ein Obdachloser in der Dom-Tiefgarage, ein früherer Boxer im Decksteiner Weiher und ein Sportjournalist in einer Fasbrikhalle. Alle erschossen mit unterschiedlichen Pistolen. Die Spur führt in die Kölner Box- und Dopingszene. Was die Toten miteinander verbindet ist zunächst unklar, aber die Fälle scheinen zusammzuhängen. Viel Arbeit für die Kommissare Jan Schiller und Birte Jessen in ihrem bereits achten Fall. Es gibt einige suspekte Personen aus der Boxszene und deren Umfeld, das meist die Angelegenheiten unter sich klärt. So kommen Schiller und Jessen zunächst nicht auf die richtige Spur, bringen sich sogar beim dritten Leichenfund selbst in tödliche Gefahr.

Privat geht es ebenfalls recht turbulent zu. Jan Schiller lebt seit einiger Zeit alleine in seiner neuen, nur spärlich möblierten Wohnung. Dafür wohnt allerdings nur eine Etage tiefer “die schönste Frau der Welt”, wobei überhaupt alle in dem Roman vorkommenen Frauen eine Augenweide sind. Nun ja. Währenddessen kann sich Birte Jessen auf eine gefestigtere Beziehung berufen, wenngleich sie sich noch ein wenig davor ängstigt, dass ihr Freund Max ihr einen Heiratsantrag machen könnte. Noch ist ihr nicht klar, inwieweit er sich wirklich von seiner früheren Partnerin getrennt hat. Hier übertreibt es Autor Reinhard Rohn ein wenig, denn so sensationell von Interesse ist das Privat- und Liebesleben der Hauptfiguren dann doch nicht, zumal die eigentliche Krimihandlung auf diese Art immer wieder kleinere Unterbrechungen erfährt.

Köln ist kleinbürgerlich und anarchisch. Die Kölner haben im Mittelalter ihren Bischof aus der Stadt gejagt, und dann haben sie nur noch auf sich geschaut. Bis heute. Über keine Stadt gibt es mehr Lieder – wie schön es hier ist. Dabei stimmt es gar nicht. Es ist hier nicht schön. Jeder Bürgermeister, der neu gewählt wird, verspricht, dass die Stadt sauberer wird, aber es passiert dann nie etwas. Der Rhein führt uns jeden Tag vor, dass alles im Fluss ist, dass man sich treiben lassen kann. Der FC steigt ab und wieder auf, der Karneval kommt jedes Jahr, und die Kölner denken: Et hätt noch immer joot jejange. Köln liegt irgendwo zwischen Himmel und Hölle.

Der erste Band der durchaus lesenswerten Serie (“Falsche Herzen”) erschien bereits 2008. Wie bei den Vorgängern besticht der Krimi durch intensive und authentische Einblicke in den Polizeialltag. Das erste Opfer ist dem zu zweifelhaften Ruhm gelangten Walter Herrmann nachempfunden, bekannt durch seine damalige Klagemauer am Dom, mit der er in der Stadt auf ein durchweg geteiltes Echo stieß. Zudem schreibt der neue Freund von Birte an einem Buch über den Archiveinsturz, welcher am 3. März 2009 eine katastrophale Zäsur für die Domstadt bedeutete. Überhaupt bildet die Stadt einen gelungen Rahmen für einen kurzweiligen Krimiabend, wobei der seit rund dreißig Jahren in Köln lebende Autor diese mit einer – für Kölner Verhältnisse – erstaunlich realistischen Sichtweise betrachtet.

Cover © Emons Verlag

  • Autor: Reinhard Rohn
  • Titel: Die drei Toten von Köln
  • Verlag: Emons
  • Erschienen: 03/2019
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 254
  • ISBN: 978-3-7408-0525-8
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 12/15 dpt


Über den Autor

Jörg Kijanski

Großer Krimifan seit Jugendzeiten, zudem seit 2005 vor allem als Redakteur für die Krimi-Couch und Histo-Couch tätig. Inzwischen haben sich über tausend Rezensionen angehäuft. Neu seit Sommer 2019 auch bei booknerds.de am Start.

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Reinhard Rohn – Die drei Toten von Köln (…

von Jörg Kijanski Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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