Telling Lies (PC/Mac, iOS, PlayStation, Xbox, Switch)

Telling Lies

“Telling Lies” ist ein 2019 veröffentlichtes Videospiel mit ungewöhnlichem Konzept: Als Spieler*in soll man sich eine Geschichte zusammenpuzzeln, die einem durch Videoclips präsentiert wird. Diese zeigen die Figuren der Geschichte bei Videocalls oder Aufnahmen. Der Haken bei der Sache: Es werden einem natürlich nicht alle Clips auf einmal präsentiert. Stattdessen arbeitet man mit einem Programm, bei dem ein oder mehrere Suchwörter eingegeben werden können. Als Ergebnis werden Videos angezeigt, in denen die Wörter gesagt werden. Und zwar immer nur die chronologisch ersten fünf, in denen die Wörter auftauchen. Und damit noch nicht genug: Ein Video zu einem Videocall zeigt immer nur eine Seite des Gesprächs. Das Gegenstück muss gefunden werden, indem man errät, was die andere Person gesagt haben könnte.

Die Benutzeroberfläche: In der Suchleiste wird automatisch am Anfang des Spiels nach “Liebe” gesucht, daraufhin erscheinen die ersten fünf Videos, in denen das Wort vorkommt.

Diese Regeln, die zugegebenermaßen sehr künstlich sind, sorgen dafür, dass Spieler*innen sich ganz genau überlegen müssen, welche Worte sie in das Suchfenster eingeben, um ein Video zu finden. Außerdem sorgen sie dafür, dass Videos, die zu späteren Zeitpunkten entstanden sind, viel schwerer zu finden sind. Eben nur, wenn man auf ein Wort kommt, welches vorher noch keine fünf mal erwähnt wurde. Das Spiel hat noch eine weitere kleine Besonderheit für uns auf Lager: Die Videoclips sind nicht animiert, sondern mit realen Schauspielern gefilmt.

Das erste Spiel mit diesem Konzept ist “Telling Lies” aber nicht: 2015 brachte Sam Barlow, der mit Furious Bee zusammen “Telling Lies” entwickelt hat, “Her Story” heraus. “Her Story” hat das gleiche Spielprinzip wie “Telling Lies”, allerdings eine ganz andere Geschichte. 

Und die Geschichte von “Telling Lies” hat ihre Höhen und Tiefen. Anders als in “Her Story”, wo von Anfang an klar ist, worum es geht und was unsere Motivation als Spieler*in ist, braucht es in “Telling Lies” seine Zeit, bis ein konkretes Ziel zum Vorschein kommt. Sobald man aber ein paar Dinge herausgefunden hat, wird es richtig spannend. Das Schöne an dem Spielprinzip ist auch, dass man durch Zufall auf Videos stoßen kann, die einen total überraschen und neugierig machen. Oft fragt man sich, wie es so weit kommen konnte, oder was denn jetzt auf einmal passiert sei. Die Figuren und ihre Geschichte ziehen einen schnell in ihren Bann. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass alle Charaktere gut ausgearbeitet und glaubwürdig sind, was von der hervorragenden Leistung der Schauspieler noch einmal unterstrichen wird.

Doch trotz des gelungenen Spannungsaufbaus im Mittelteil, lässt die Auflösung der Geschichte leider zu wünschen übrig. Selbst wenn man alle Videoclips entdeckt haben sollte, bleiben einige wichtige Fragen offen. Das Ende hinterlässt so eine gewisse Unzufriedenheit und das Gefühl, dass die spannende Detektivarbeit nicht ausreichend belohnt wird. Zusammen mit der schwachen Anfangsmotivation fehlt der Geschichte einfach der rote Faden.

Neue, interessante Konzepte wie die von “Telling Lies” und “Her Story” zeigen wieder einmal, wie vielfältig und kreativ Spieleentwicklung sein kann, und das hier sogar mit sehr simpler Spielmechanik. Das Spielprinzip hat überzeugt, nächstes Mal vielleicht mit etwas besser ausgearbeiteter Auflösung.

Bilder: Ingame-Screenshots von Frederike Gartzky


Wertung: 9/15 dpt

  • Titel: Telling Lies
  • Entwickler: Sam Barlow, Furious Bee
  • Publisher: Annapurne Interactive
  • Genre: interactive Film, Indie
  • Erschienen: 23.08.2019
  • Plattform:
    PC
    Mac
    iOS
    Playstation 4
    Xbox One
    Nintendo Switch
  • Sprache: Englisch, deutsche Untertitel verfügbar
  • USK: 12
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

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