Franz Preitler – Mordlust am Schlossberg (Buch)

Ein wilder Sündenpfuhl namens Graz

Erwin Pfandl, Hotelier und Wirt im „Hotel zur Post“ im beschaulichen Mürzzuschlag am Fuße des Semmering, reist zu seinem Freund Paul Kaltenberg nach Graz, wo ihn dieser abends in ein Varieté einlädt. Ein Besuch mit Folgen, denn Pfandl erliegt den Reizen einer Tänzerin, was nicht unbeobachtet bleibt. Derweil herrscht in Graz große Unruhe, denn es gab einen Mordanschlag an der Teufelsbrücke am Schlossberg. Der Intendant des Varietétheaters wurde niedergeschossen und erlag wenig später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Die Grazer Tageszeitung wartet groß auf, denn es kommt zu weiteren Verbrechen. Ein Einbruch im Schweizerhaus, ein Überfall auf einen Touristen und ein Angriff auf eine junge Bäckereigehilfin. Der Journalist Ernst Klein geht den Geschehnissen auf den Grund und erhält dabei pikante wie skandalöse Einblicke in das amouröse Grazer Nachtleben. Währenddessen reist Pfandl übereilt zurück nach Mürzzuschlag, wo ihn der vermeintliche Täter namens Josef zu allem Übel mit seinem nächtlichen Fauxpas zu erpressen versucht. Doch die Ereignisse überschlagen sich in Graz weiterhin, viele haben ihre Geheimnisse zu wahren und bald geschieht ein weiterer Mord.  

Kurzweiliger „Landhauskrimi“

Es geht zeitlich zurück (in den Oktober 1900), denn die beiden zuvor veröffentlichten Romane „Mord in der Waldheimat“ und „Keine Schonzeit für Mörder“ spielen in den Jahren 1904 respektive 1914. Wie aus den vorangegangenen Büchern bekannt und daher wenig überraschend, widmet Autor Franz Preitler dem in Graz bis heute geschätzten, aber keineswegs unumstrittenen Heimatdichter Peter Rosegger erneut sehr viel Aufmerksamkeit. Rosegger, ein Freund von Pfandl, sammelt Geld für eine Kirche der Los-von-Rom-Bewegung, was zu heftigen Diskussionen führt. Gleiches gilt für seine politischen Ansichten, die ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Der Hinweis sei erlaubt, dass dieser Teil der Handlung wenig bis nichts mit dem Krimiplot selbst zu tun hat und vordringlich dazu dient, die Seiten zu füllen. Gleichwohl mag man es dem Autor nachsehen, dass er dem Dichter einmal mehr ein literarisches Denkmal setzen möchte. Preitler hat unter anderem die Bücher „Rosegger für Eilige“ und „Meine Lust ist Leben: Die Peter Rosegger Anthologie“ geschrieben und war gut drei Jahre Obmann des Roseggerbundes Waldheimat.

Während Adel und Bürgertum sittliche Werte predigten, verirrten sie sich mit erstaunlicher Regelmäßigkeit in die dunklen Gassen der Stadt. Oder ins Varieté, wo die Bühne glitzerte, und die Grenzen verschwammen. Dort ließ man die Maske fallen. Nicht ganz, aber gerade genug, um zu vergessen, wer man tagsüber war.

Wer gerne sogenannte Landhauskrimis oder Cosy Crime liest, wird sich hier wohlfühlen, denn trotz aller – nicht explizit dargestellten – sexuellen Verstrickungen, liest sich „Mordlust am Schlossberg“ sehr ruhig. Das kleine, inflationär oft namentlich genannte Mürzzuschlag in der Steiermark wirkt wie ein totes Dorf im Vergleich zu der großen Stadt Graz, die im Roman den Anschein erweckt, als wäre sie der Sündenpfuhl Europas. So werden die Unterschiede von Land- und Stadtleben dargelegt, welche sich von 1900 bis zur Gegenwart nur wenig verändert haben. Die amourösen Verwicklungen in Graz führen ins Varieté sowie zu privaten Zirkeln, in denen man sich in Séparées näherkommt. Junge Frauen und Männer treffen vor allem auf ältere Männer. Es geht wild her. Doch wo vermeintliche Liebe und körperliche Gier aufeinandertreffen, sind Eifersucht und Erpressungen oft nicht weit. So haben viele ihre dunklen Geheimnisse und es ist längst nicht ausgemacht, dass Josef für alle Untaten verantwortlich ist. Postenführer Ulbrich hat in Graz jedenfalls reichlich zu tun, wobei er nicht zuletzt dafür sorgen muss, dass wiederum nicht alles an die Öffentlichkeit dringt. Skandale gilt es zu verhindern, zumal wenn die Honoratioren der Stadt involviert sind.

  • Autor: Franz Preitler
  • Titel: Mordlust am Schlossberg
  • Verlag: Gmeiner
  • Umfang: 336 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Mai 2026
  • ISBN: 978-3-8392-8079-9
  • Produktseite

Wertung: 10/15 dpt

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