Über Jahrhunderte waren Bücher, Spiele und kreative Hobbys etwas zum Anfassen. Heute hingegen findet ein Großteil unserer Unterhaltung digital statt. Statt die Unterhaltung in den Händen zu halten, sitzen wir vor Bildschirmen und rein virtuellen, oft simulierten Vorgängen. Die Konsequenz davon ist unter anderem, dass nicht mehr alle unsere körperlichen Sinne angesprochen werden. Geht also etwas Wichtiges verloren, wenn die Haptik fehlt?
Warum der Tastsinn für unser Gehirn so wichtig ist

Der Tastsinn gehört zu den ersten Sinnen, die sich beim Menschen entwickeln. Schon kurz nach der Geburt beginnen Babys damit, ihre Umgebung über Berührungen zu erkunden. Sie greifen nach Gegenständen, fühlen unterschiedliche Oberflächen oder nehmen vieles zunächst in den Mund.
Auf diese Weise sammeln sie unzählige Sinneseindrücke, lange bevor Sprache oder bewusstes Denken eine größere Rolle spielen. Für das Gehirn sind diese Erfahrungen ausgesprochen wertvoll, denn jede Berührung löst Reize aus, die über Nervenbahnen weitergeleitet und verarbeitet werden.
Das Gehirn verbindet solche Informationen mit Erinnerungen, Bewegungen und später auch mit Emotionen. Je mehr unterschiedliche Sinneseindrücke zusammenkommen, desto mehr Bereiche des Gehirns arbeiten gleichzeitig.
Darum beschäftigen sich Entwicklungspsychologen und Neurowissenschaftler auch mit der Frage, welchen Einfluss haptische Erfahrungen auf Lernen, Wahrnehmung und Gedächtnis haben. Vor allem in der frühen Kindheit gelten vielfältige Sinneseindrücke als wichtiger Bestandteil der Entwicklung.
Kinder lernen ihre Umwelt eben nicht nur mit den Augen kennen, sondern mit dem ganzen Körper. Dieser Zusammenhang endet allerdings nicht mit dem Erwachsenwerden. Auch später verarbeitet unser Gehirn ständig Informationen, die über Berührungen aufgenommen werden, wenn auch ganz unbewusst.
Brettspiele, Kartendecks oder digitale Spiele?
Heute gibt es kaum noch ein bekanntes Spiel, das nicht auch in einer digitalen Version verfügbar ist. Schach wird online gegen Spieler aus aller Welt gespielt, klassische Kartenspiele wie Skat oder Poker gibt es längst als Apps und selbst Brettspiele wie Monopoly oder Mensch ärgere Dich nicht lassen sich inzwischen auf Smartphone, Tablet oder Computer spielen.
Sogar klassische Glücksspiele gibt es heute in digitaler Form. Auf Plattformen wie Novoline kann man beispielsweise digitale Versionen klassischer Spielautomaten spielen und dabei einen Casino Bonus ohne Einzahlung nutzen. Das zeigt ziemlich gut, wie stark sich Unterhaltung in den vergangenen Jahren verändert hat.
Viele Spiele, für die früher Karten, Würfel, Spielfiguren oder eben ein Spielautomat nötig waren, benötigen heute nur noch einen Bildschirm. Ob Glücksspiel oder nicht, bei digitalen Spielen beschränkt sich die Haptik meist auf ein paar Finger, die über ein Display wischen oder eine Maus bedienen.
Das eigentliche Spiel findet vor allem auf dem Bildschirm statt. Oberflächen, Materialien oder das Gewicht eines Spielbretts, eines Kartendecks oder eines Buches spielen plötzlich keine Rolle mehr.
Stattdessen übernehmen Animationen, Farben, Musik und schnelle Reaktionen einen Teil der Sinneseindrücke, die früher auch über den Tastsinn vermittelt wurden. Dadurch verändert sich zwar nicht zwangsläufig der Spielspaß, das Spielerlebnis fühlt sich aber oft anders an.
Während bei einem Brettspiel Karten gemischt, Spielfiguren bewegt oder Würfel geworfen werden, genügt digital meist eine einzige Berührung. Viele dieser kleinen Handgriffe verschwinden und mit ihnen ein Teil der haptischen Erfahrung, die analoge Spiele über Jahrzehnte ganz selbstverständlich begleitet hat.
Gedruckte Bücher sprechen mehr Sinne an
Bei Büchern fällt der Unterschied zwischen analog und digital wohl besonders schnell auf. Ein Roman besteht schließlich nicht nur aus seinem Inhalt. Viele Leser verbinden mit einem Buch auch den Einband, die Papierstruktur, das Gewicht oder sogar den typischen Geruch eines frisch gedruckten oder schon viele Jahre alten Exemplars.
Oft reicht schon ein kurzer Blick ins Regal und man erinnert sich wieder daran, wann man ein bestimmtes Buch gelesen oder vielleicht geschenkt bekommen hat.Bei einem E-Book fallen viele dieser Eindrücke einfach weg. Der Inhalt bleibt natürlich derselbe, gelesen wird aber immer auf dem gleichen Bildschirm. Ob Krimi, Fantasyroman oder Sachbuch macht für die Hände kaum einen Unterschied.
Auch das Umblättern, kleine Knicke im Buchrücken oder handgeschriebene Notizen am Seitenrand gehören dann meist nicht mehr zum Leseerlebnis. Für viele hört das Ganze außerdem nicht mit dem Lesen auf. Bücher stehen im Regal, werden gesammelt, verliehen oder irgendwann noch einmal hervorgeholt.
Mit manchen verbindet man ganz bestimmte Erinnerungen. Andere landen irgendwann im Lieblingsregal, einfach weil sie einem etwas bedeuten. Dazu kommt, dass viele Bücher ganz bewusst sichtbar in der Wohnung stehen. Sie gehören für viele Menschen einfach zur Einrichtung und zeigen oft schon auf den ersten Blick, welche Themen oder Geschichten jemanden begeistern.
Natürlich haben E-Books ebenfalls ihre Vorteile. Auf einem einzigen E-Reader lassen sich Hunderte Bücher speichern und neue Titel sind innerhalb weniger Sekunden verfügbar. Trotzdem bleibt die Frage, ob ein Bildschirm am Ende wirklich das gleiche Gefühl vermitteln kann wie ein Buch, das man in den Händen hält.
Bildschirme halten unser Gehirn länger wach
Haptik ist nicht der einzige Unterschied zwischen gedruckten und digitalen Medien. Ein Bildschirm strahlt selbst Licht aus, ein Buch dagegen nicht. Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit, unser Körper nimmt diesen Unterschied aber durchaus wahr.Vor allem am Abend kann das zum Problem werden.
Unser Gehirn orientiert sich nämlich unter anderem am Tageslicht. Wird es draußen dunkel, beginnt der Körper normalerweise damit, mehr Melatonin auszuschütten. Dieses Hormon macht uns langsam müde und bereitet den Schlaf vor. Schauen wir kurz vorher noch lange auf Smartphone, Tablet oder Computer, kann dieser Prozess verzögert werden.
Viele Menschen kennen das wahrscheinlich von sich selbst. Eigentlich ist man müde, schaut dann aber noch „nur kurz“ auf das Handy und ist eine halbe Stunde später plötzlich wieder hellwach. Tatsächlich können sich diese Angewohnheiten auch auf unsere Augengesundheit auswirken.
Wer auf einen Bildschirm schaut, blinzelt meist deutlich seltener als beim normalen Lesen oder im Alltag. Die Augen werden dadurch schlechter befeuchtet und fühlen sich irgendwann trocken oder gereizt an. Nach mehreren Stunden am Computer kennen viele dieses Brennen oder das Gefühl, ständig blinzeln zu müssen.
Interessant ist außerdem, dass digitale Unterhaltung oft anders aufgebaut ist als ein Buch. Bilder wechseln im Sekundentakt, Videos starten automatisch, Benachrichtigungen erscheinen aus dem Nichts und viele Apps sind bewusst darauf ausgelegt, unsere Aufmerksamkeit möglichst lange festzuhalten.
Ein Roman auf Papier funktioniert dagegen ganz anders. Das Tempo bestimmt allein der Leser. Es gibt keine Pop-ups, keine Animationen und keine Push-Nachrichten, die ständig um Aufmerksamkeit konkurrieren.







