Bernd Imgrund – Köln kriminell (Buch)

Köln kriminell
© Greven Verlag Köln

15 Kriminalfälle aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Bernd Imgrund, freier Journalist und Schriftsteller, Jahrgang 1964, hat in „Köln kriminell“ fünfzehn Kriminalfälle zusammengetragen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Gemein ist ihnen, dass sie sich alle in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zugetragen haben.

Es beginnt am 7. Mai 1949, jenem Tag, an dem die 38-jährige Irmgard Swinka wegen vierfachen Mordes zum Tode verurteilt wird. Sie hat aus Habgier ältere Frauen vergiftet, um sich an deren Wertsachen zu bereichern. Rund vierzig Raubzüge zwischen Juli 1947 und Juli 1948 wurden ihr zur Last gelegt. Die Guillotine kommt dennoch nicht zum Einsatz, denn nur einem Tag nach dem Urteil schafft der Parlamentarische Rat, Vorläufer des Bundestags, die Todesstrafe ab. In der DDR wird dies erst 1987 geschehen.

Besonders einschneidend in der Stadtgeschichte war der 11. Juni 1964, als das wohl schrecklichste Verbrechen der Kölner Nachkriegszeit geschah. Walter Seifert gelang mit einem Flammenwerfer in ein Schulgelände in Volkhoven und richtete ein Massaker an. Zwei Lehrerinnen und acht Schüler*innen starben, viele weitere erlitten teils schwerste Brandverletzungen.

Weniger spektakulär, aber für den damaligen Zeitgeist exemplarisch. Am 8. Juni 1966 wird der Regierungspräsident Franz Grobben in einer öffentlichen Herrentoilette aufgegriffen, die als Homosexuellentreffpunkt bekannt ist. Nachweisen lässt sich nichts, aber es ist Wahlkampf, der politische Gegner sowie die Presse geben alles und so verlangt der homophobe und reaktionäre Zeitgeist den Rücktritt Grobbens.

Am 12. Juni 1968 geht Josef „Jupp“ Elze unfreiwillig in die Sportgeschichte ein. Nach einem KO-Schlag im Boxkampf gegen Europameister Carlos Duran, erliegt er wenige Tage später seiner Verletzung. Offiziell Hirnblutung, aber er war vollgestopft mit Methamphetaminen und somit gilt er als erster deutscher Dopingtote. Beleuchtet wird zudem der bekannte Bundesliga-Korruptionsskandal aus dem Jahr 1971, in dem der Torwart des 1. FC Köln, Manfred Manglitz, eine zentrale Rolle bei Spielabsprachen spielte. Bis dahin war Manglitz Bundesliga-Rekordspieler.

Weitere Fälle sind der Überfall auf die Deutsche Bank am 27. Dezember 1971 sowie ein Bombenanschlag auf die Deutsche Lufthansa am 28. Oktober 1986, an dem eine Redakteurin der Zeitschrift Emma beteiligt war, des Weiteren ein Brandanschlag auf eine von Türken bevorzugte Kneipe, der erst im Zuge der Ermittlungen des Anschlags in der Keupstraße, begangen vom NSU, über zwanzig Jahre später aufgeklärt wurde. Die Entführung der achtjährigen Nina von Gallwitz kurz vor Weihnachten 1981, wird die längste Entführung in der Bundesrepublik. Sie dauerte 149 Tage; immerhin mit glücklichem Ausgang. Das traurige Schicksal des legendären Schimpansen Petermann wird aufgerollt, ebenso der Anschlag auf Oskar Lafontaine am 25. April 1990 in der Mülheimer Stadthalle und als aus der Domschatzkammer am 8. Februar 1995 ein Vortragekreuz gestohlen wird, wendet sich Domprobst Bernard Henrichs an die einstige Kölner Unterweltgröße Heinrich „Schäfers Nas“ Schäfer.

Das vorletzte Kapitel ist ein „Fake“, denn es beinhaltet den Plot des ersten Köln-Tatorts, ausgestrahlt am 5. Oktober 1997. Zuschauerzahl: 9,18 Millionen. Im letzten Kapitel wird am Beispiel einer kleinen Brücke das Thema „Korruption“ intensiv dargestellt. Ein lesenswerter Beitrag aus dem Tollhaus. Eine im Dezember 1998 durchgeführte Razzia führte ein Jahr später sogar zu dem spektakulären Sturz des damaligen Oberstadtdirektors Klaus Heugel, der Insiderwissen für Aktienkäufe nutzte. Dies bescherte seiner Partei bei der folgenden Kommunalwahl eine herbe Niederlage und beendete deren jahrzehntelange Vorherrschaft in der Domstadt.

Die Posse war beendet. 16 Jahre nach der Razzia, sieben Jahre nach dem Neubaubeschluss, fünf Jahre nach ihrer Sperrung konnte die Brücke am Aachener Weiher im Mai 2014 wieder eingeweiht werden – letztlich ein Klacks gegenüber der gut 600-jährigen Bauzeit des Kölner Doms.

Ein ganz besonderer Einbruch soll noch hervorgehoben werden. Kurt Holl und Gernot Huber ließen sich im sogenannten EL-DE-Haus in der Nacht auf den 7. März 1979 einsperren, um in den Zellen des früheren Gestapo-Gefängnisses Fotos zu machen. 1.800 Inschriften und Zeichnungen der Inhaftierten an den Zellwänden konnten so der Nachwelt erhalten werden; eine geplante Renovierung wurde gestoppt. Stattdessen beschloss der Stadtrat sogar Ende 1979 die Einrichtung einer Gedenkstätte. Es tat sich jedoch erstmal nichts. Im September 1988 (!) fand die Eröffnung statt; heute ist das NS-Dokumentationszentrum eines der meist besuchten Museen Kölns.

Schöner Querschnitt mit reichlich Bildmaterial

Ja, es muss nicht immer Mord und Totschlag sein. Die Welt der Verbrechen ist vielfältig, was der vorliegende Band eindrucksvoll belegt. Selbstredend kann man über die Auswahl der Fälle (wie über alles im Leben) trefflich streiten, jedoch ist Bernd Imgrund ein bunter Mix gelungen. Spektakuläre und weniger bekannte Fälle werden noch einmal lebendig und mitunter durchaus humorvoll vorgestellt, eingefasst in eine Betrachtung ihrer jeweiligen Zeit. Das Buch ist durchgehend bebildert, wobei die ausschließlich verwendeten schwarz-weiß Fotos ihre eigene Dynamik entfalten. Wer sich für „True Crime“ oder die Domstadt am Rhein interessiert, darf gerne zugreifen.

  • Autor: Bernd Imgrund
  • Titel: Köln kriminell
  • Verlag: Greven Verlag Köln
  • Umfang: 262 Seiten
  • Einband: Hardcover
  • Erschienen: November 2021
  • ISBN: 978-3-7743-0941-8
  • Produktseite  


Wertung: 12/15 dpt


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